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Architektourbus

Zwei Einheiten und doch ein Haus

Die Baukörper eines Geschäftshauses in Schwarzenfeld kontrastieren durch ihre Proportionen, Materialien und Farben.
Von Petra Beer-Dausch

Die zwei Bauteile des Geschäftshauses mit Friseur, Kosmetik, Wellness Lisa Hermann sowie Optik und Akustik Glöckler unterscheiden sich nicht nur optisch deutlich, sie funktionieren auch völlig unabhängig voneinander.
Die zwei Bauteile des Geschäftshauses mit Friseur, Kosmetik, Wellness Lisa Hermann sowie Optik und Akustik Glöckler unterscheiden sich nicht nur optisch deutlich, sie funktionieren auch völlig unabhängig voneinander. Foto: Andreas Kraus - softintelli webdesign

SCHWARZENFELD. Der Wunsch nach neuen Geschäftsräumen brachte die Bauherren Lisa Hermann (Friseur, Kosmetik, Wellness) sowie Thomas und Barbara Glöckler (Akustik, Optik) in Schwarzenfeld zusammen. Gemeinsam gingen sie mit Architekt Siegfried Knipl den Neubau eines Geschäftshauses in zentraler Lage an. Doch schon zu Beginn der Planungsphase stellte sich heraus, dass beide Gewerbe völlig unterschiedliche Bedürfnisse an ihre neuen Räume haben.

Der Optiker braucht Schaufenster, für den Salon waren lediglich die Außenwirkung und der optische Bezug zum Straßenraum relevant, der Platzbedarf größer, so Siegfried Knipl. Der Optiker hat nahezu keinen Wasserverbrauch, im Salon wird täglich eine Menge warmes Wasser benötigt, außerdem muss es in den Räumen wärmer sein. „Wir haben schnell bemerkt, dass eine gemeinsame Technik keinen Sinn macht“, erinnert sich Thomas Glöckler.

Und so hat Siegfried Knipl in seinem Entwurf zwei Einheiten geplant, die sich nicht nur außen optisch deutlich abgrenzen, sondern völlig unabhängig voneinander funktionieren. Beide Bauherren sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden – und erhalten von den Kunden viel positives Feedback.

Der Standort für das neue Geschäftshaus in zentraler Lage an der Ecke Schwägerlstraße/Viktor-Koch-Straße stand schnell fest. Und auch gleich der erste Entwurf des Architekten traf den Nerv der Bauherren. Die Bauarbeiten starteten im März 2012, bereits im November konnte Optik + Akustik Glöckler im Erdgeschoss eröffnen. Friseur, Kosmetik, Wellness Lisa Hermann nahm im Obergeschoss im August 2013 den Betrieb auf. Der Innenausbau, der ebenfalls vom Büro Knipl, Pracht und Partner mit betreut wurde, gestaltete sich aufwändiger.

Für das Geschäftshaus wurde der leichte Hang des Grundstücks genutzt. So ist das Erdgeschoss etwas in den Hang eingegraben, während das Obergeschoss, das auf dem Sockelbaukörper liegt und im Südwesten einige Meter auskragt, über ein paar Stufen erreichbar ist. Beide Einheiten sind barrierefrei zu erreichen. Die beiden Baukörper überkreuzen sich um 90 Grad und orientieren sich am jeweils zugehörigen Straßenverlauf. Das Erdgeschoss läuft parallel zur Viktor-Koch-Straße, das obere Bauteil nimmt den Verlauf der Schwägerl-Straße auf.

Das leichte, fast metallisch wirkende Obergeschoss werde durch eine bildschirmartige, großflächige, raumhohe Verglasung nach Südwesten belichtet, im Erdgeschoss gebe es dagegen überwiegend Schaufenster in der Lochfassade, so der Architekt. „Das große Fenster ist das Highlight, das ist wie Fernsehen. Viele Kunden genießen es, dass sie raus schauen können“, sagt Lisa Hermann. Für sie sei ganz wichtig gewesen, dass jeder Kunde den Blick nach draußen habe, die Jahreszeiten, das Wetter, die Stimmung erleben könne. So sei auch die Idee für den wellenförmigen Tisch - eine maßgeschneiderte Sonderanfertigung - entstanden, der im Zentrum des großzügigen Salons steht.

„Der Mensch soll wirken“

Auf den rund 180 Quadratmetern des Obergeschosses sind ein Waschraum, ein Personalraum, eine Kosmetik-Kabine, zwei Toiletten und ein Technikraum untergebracht. Ein Verkaufsschrank fungiert als Raumteiler, dahinter sind die Arbeitsmaterialien untergebracht, außerdem gibt es einen VIP-Platz, der von außen nicht einsehbar ist. Wände und Möbel beschränken sich auf Schwarz und Weiß, die großformatigen Fliesen sind in Grau gehalten. Für farbliche Akzente sorgt die LED-Beleuchtung in der abgehängten Akustik-Decke. „Der Mensch soll wirken, die Materialien und die Einrichtung zurück treten“, sagt Lisa Hermann. Das Obergeschoss wird über eine Lüftungsanlage be- und entlüftet und ist klimatisiert, verfügt über eine Gas-Therme und eine Fußbodenheizung. Zudem gibt es auf dem leicht geneigten Foliendach eine Solaranlage zur Brauchwassererwärmung.

„Die Leichtigkeit und der schwebende Charakter des Obergeschosses wird durch die changierenden Fassadenplatten, die je nach Lichteinfall ihr Farbintensität ändern, verstärkt“, erklärt der Planer. „Der obere Baukörper hat eine extravagante Form, ist nicht rechtwinklig, das wollten wir auch in der Fassade ausdrücken.“

Viel Wärme trotz Beton

Die Wirkung des Erdgeschosses dagegen ist geprägt durch rechte Winkel. Es wurde mit kerngedämmten Sandwichelementen in Sichtbeton errichtet. Die dunkle, fast schwarze Lasur der Fassade unterstützt den Sockelcharakter, sagt Siegfried Knipl. Im Geschäft erwartet den Kunden dagegen eine helle, warme Atmosphäre. Dazu tragen das Hochkantlamellenparkett in Eiche und die Möbel in Kirsche an den Sichtbetonwänden bei. Das Material Beton findet Thomas Glöckler gut, durch die Betonelemente sei auch die Bauzeit kurz gewesen. Auf rund 140 Quadratmetern sind dort neben dem großzügigen, hellen Verkaufsraum ein Raum für Hörgeräte-Anpassungen, ein Raum für Sehtests und Kontaktlinsenanpassungen, eine Werkstatt, ein Büro und Nebenräume untergebracht.

Im Gespräch mit den Bauherren wird deutlich, dass ihre individuellen Wünsche und Bedürfnisse sehr gut umgesetzt wurden. „Wir fühlen uns pudelwohl“, sagt Lisa Hermann und kann das, ebenso wie Thomas Glöckler, auch vom Gros der Kunden berichten.

Der ArchitektOurbus

  • Termin:

    Der Architekturzirkel Schwandorf veranstaltet zusammen mit der Stadt Schwandorf am Samstag, 9. Mai, zum 9. Mal einen ArchitektOurbus ab Schwandorf. Zwei Reisebusse starten um 13 Uhr am Volksfestplatz.

  • Ziele:

    Bei der Rundfahrt werden fünf Projekte vorstellt: Neubau Kinderkrippe Schwandorf, Neubau Geschäftshaus Hermann/Glöckler in Schwarzenfeld, Sanierung und Erweiterung Wohnhaus Messerer in Pfreimd, Sanierung und Umbau für die Kieferorthopädische Praxis Dr. Mertins, Pfreimd, Neubau Depot des Oberpfälzer Freilandmuseums, Neusath.

  • Zielgruppe:

    Der ArchitektOurbus richtet sich an alle Interessierten, künftige Bauherren und Entscheidungsträger in Verwaltungen oder kommunalen Gremien.

  • Karten:

    Im Tourismusbüro der Stadt Schwandorf können die Fahrkarten gegen eine Schutzgebühr in Höhe von zehn Euro (ermäßigt fünf Euro) reserviert und abgeholt werden.

Der Architektourbus in Schwarzenfeld

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