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Schwarzhofen

Doch kein mittelalterliches Kloster

Der Historiker Dr. Stefan Benz hatte bei seinem Vortrag in Schwarzhofen viele neue Informationen auf Lager.

Dr. Stefan Benz hatte neue Erkenntnisse zum Kloster. Foto: Adolf Mandl
Dr. Stefan Benz hatte neue Erkenntnisse zum Kloster. Foto: Adolf Mandl

Schwarzhofen.Der Historiker Dr. Stefan Benz von der Uni Bayreuth referierte über „Schwarzhofen – ein ländliches Dominikanerkloster“ und hatte eine Fülle von neuen und zum Teil auch für Insider überraschenden Informationen auf Lager. Dr. Benz war auf Einladung des Kulturförderkreises und der Regionalgruppe Schwandorf des Historischen Vereins für die Oberpfalz und Regensburg in die Aula der Dr.-von-Ringseis-Schule gekommen. Er unterlegte seine Ausführungen mit Bildern von Dokumenten.

Zunächst relativierte der Referent die Legende vom mittelalterlichen Kloster in Schwarzhofen. Ein solches hat nach Ausweis der Quellen nie bestanden – damit schwindet auch die Legende vom Aufenthalt der Kaiserin Elisabeth hier. Nur vorübergehend hielten sich laut Benz im 13. Jahrhundert Regensburger Nonnen vom Kloster Heilig Kreuz hier auf, nachdem sie vom Grafen Ortenburg in Schwarzhofen ein Grundstück geschenkt bekommen hatten. Sie probten das Landleben als Alternative zur hektischen Stadt Regensburg. Um 1285 zogen sich die Nonnen wieder nach Regensburg zurück.

Ein Kloster wurde nach Aussage des Referenten erst 1691 gegründet, als sich einige Nonnen des Regensburger Dominikanerinnen-Kloster auf ihrem alten Klosterbesitz in Schwarzhofen niederließen. Die Initiative dazu sei vermutlich von einigen Spitzen-Diplomaten des „Immerwährenden Reichstags“ in Regensburg ausgegangen. Jedenfalls sei die Gründung eines Dominikanerinnen-Klosters – noch dazu auf dem Lande – äußerst ungewöhnlich gewesen. Oberpfälzerinnen seien unter den Nonnen in der Minderzahl gewesen, die Nonnen kamen meist aus der Stadt, erläuterte der Referent.

Anhand von Plänen informierte Benz über die Bauten des Klosters und deren frühere Nutzung. Das eigentliche Klostergeviert enthielt demnach die Zellen der Schwestern, aber auch eine Apotheke, eine Aderlass-Stube und zahlreiche Räume rund um die Küche wie Mehlkammer, Salzkammer, ein Lebend-Fischbecken und etliche Speisegewölbe. Die Schwestern waren Selbstversorger und ließen durch Bedienstete eine umfangreiche Landwirtschaft betreiben. Es existierte laut Benz ein umfangreicher Ökonomiehof, von dem nahezu nichts erhalten blieb.

Die von den Zeitgenossen sehr gelobte Kirche, die 1795 endgültig geweiht worden war, wurde bei der Aufhebung des Klosters 1802 abgerissen. Nur Teile der Innenausstattung blieben erhalten und finden sich heute zum Großteil in der Pfarrkirche.

Das Kloster war 1760 in schwere Schulden geraten, konnte jedoch durch Sparsamkeit diese großteils zurückzahlen. 1802 klopfte ein Aufhebungskommissar an, um allen Besitz zu inventarisieren. Der Verkaufserlös reichte, um die verbliebenen Schulden zu bezahlen. Zurück blieb das Hauptgebäude, das keiner wollte und das schließlich zu einem Drittel des Schätzpreises verkauft werden musste. Damit kam der Referent zurück in die Gegenwart, in der dieses Gebäude mitten im Markt den Schwarzhofenern wieder Sorgen macht. (gma)

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