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Im „Bubikopf“ auf Tauchstation

Drei Männer und eine Frau wagten sich mit historischem Anzug in den Steinberger See. Das Gerät wiegt 74 Kilo.

Zwei Methoden zu tauchen, beide funktionieren: Ein Taucher mit altem Gerät aus gummiertem Segeltuch und ein moderner Sicherungstaucher.
Zwei Methoden zu tauchen, beide funktionieren: Ein Taucher mit altem Gerät aus gummiertem Segeltuch und ein moderner Sicherungstaucher. Foto: smx

Steinberg am See.Der Verband Internationaler Tauchschulen (VIT) tagte im Oberpfälzer Seenland und wählte dabei Georg Arends zum neuen Präsidenten. Höhepunkt war ein Tauchgang am Steinberger See mit historischem Tauchgerät.

Der VIT feierte am Wochenende in der Gastronomie der Kartbahn in Wackersdorf sein 40-jähriges Bestehen und wählte dabei auch ein neues Präsidium. Neuer Präsident wurde Georg Arends, Facharzt für Allgemein-, Betriebs- und Sportmedizin sowie Taucherarzt GTÜM/G-31 aus Steinberg am See. Vorgängerin von Arends war Renate Hirse, die 2009 als erste Frau zur Präsidentin des Tauchverbandes gewählt wurde. Sie durchbrach damit eine bis dahin dominierende Männerdomäne.

Historisches Tauchgerät „DM20“

Der Jahresversammlung und der Feier des Gründungsjubiläums folgte am Sonntagvormittag ein Tauchgang am Steinberger See bei bestem Frühlingswetter. Das Helmtauchen mit historischem Tauchgerät mit der Bezeichnung „DM 20“, das von 1912 an bis Ende der 60er-Jahre auch unter der Bezeichnung „Bubikopf“ vom Drägerwerk Lübeck gebaut wurde, wurde vom Pionier Tauchservice organisiert und brachte Nostalgie an den See. Unter der Einsatzleitung von Fritz Hörauf aus Trostberg zwängten sich vier mutige Taucher, Rudi Pilzweger, Uwe Scherner, Florian Dams und Annabelle Netz als einzige Frau, in den historisch anmutenden Tauchanzug, der ganz aus gummiertem Segeltuch gefertigt ist. Sie waren dabei auf die Unterstützung von vier kräftigen Männern angewiesen, denn ohne Hilfestellung käme niemand in den engen Tauchanzug.

Viele Bilder vom spektakulären Tauchgang am Steinberger See sehen Sie hier:

Tauchgang im "Bubikopf" am Steinberger See

Das am Steinberger See benutzte Tauchgerät, das 74 Kilogramm wiegt, stammt aus Bundeswehrbeständen und wurde dort bei den Schiffstauchern der Marine und den Pioniertauchern des Heeres bis 1980 in den Einheiten für Schulungszwecke benützt und später durch den leichteren Kunststoffhelm „DM 220“ abgelöst.

Das Tauchgerät „DM 20“ besteht aus einem Drei-Bolzen-Helm mit zwei Seiten- und einem mit Kreuzgitter geschütztem Forstfenster sowie einem abschraubbaren Frontfester, einem Schulterstück zum Aufschrauben des Helmes und zum Anhängen von Pressluftbrustgewicht mit Notfall-Luftversorgung, einem Rückengewicht; der Tauchanzug ist aus gummiertem Segeltuch gefertigt.

Die Schuhe sind aus Gusseisen und somit für den Otto-Normalverbraucher im Alltagsleben doch etwas zu schwer.

Luftversorgung über Hebelpumpe

Die Luftversorgung des Helmtauchers erfolgt händisch über eine Dräger-Hebelpumpe, die von zwei Mann bedient werden muss. Die Atemluft wird über einen Schlauch, der in den Helm führt, zum Taucher geleitet. Parallel zum Luftschlauch führt ein Telefonkabel, mit dem immer ein Mann an Land mit dem Taucher in Kontakt steht und das auch als Sicherungsleine dient.

Kräftige Männer braucht es als Anziehhilfe. Foto: smx
Kräftige Männer braucht es als Anziehhilfe. Foto: smx

Die Funktion des Tauchgerätes wurde natürlich vor dem Tauchgang auf Herz und Nieren geprüft und zur Sicherheit wurde der jeweilige Helmtaucher auch noch von einem Rettungsschwimmer und einem weiteren Taucher mit modernem Tauchgerät begleitet.

Schon allein die Vorbereitungen für diesen Tauchgang dauerten eine ganze Weile und waren spektakulär. Zahlreiche Spaziergänger, die am vergangenen Sonntag auf dem Seerundweg unterwegs waren, machten an der Tauchstelle eine Pause, sahen beim Tauchgang zu und hatten so ein außergewöhnliches Sonntagserlebnis. (smx)

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Der VIT

  • Verband Internationaler Tauchschulen:

    Der Verband ist ein Zusammenschluss selbstständiger Tauchschulen, freier Tauchlehrer und Tauchsportvereine, die nach internationalen Richtlinien professionelle Sporttaucherausbildung betreiben, hat derzeit 275 Mitglieder. Der VIT nimmt das CMAS-Tauchsportabzeichen ab. Diese Tauchprüfungen sind weltweit anerkannt.

  • Kindertauchen und „Tauchen 50plus“:

    Im Lauf der 40 Jahre entstanden immer wieder neue Sachabteilungen beim VIT wie zertifizierte Kindertauchbasen oder „Tauchen 50plus“.

  • Servicestelle in Burglengenfeld:

    Die Servicestelle des VIT in der Region befindet sich in Burglengenfeld, Hussitenweg 3, Kontakt und Infos auf der Website www.vit.info .

  • Sieben Mann für einen Tauchgang:

    Bei den vier Tauchgängen am Steinberger See waren folgende VIT-Mitglieder im Einsatz: Fritz Hörauf (Taucheinsatzleiter), Manfred Wieser (Leinenführer), Hans Zellner (Telefonist), Thomas Günther und Rudi Pilzweger als Pumpenbediener sowie Andreas Meissner und Florian Dams als Sicherungstaucher. (smx)

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