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Umwelt

Spurensuche am Steinberger See

Inzwischen weiß man, woher die mit Schwermetallen belasteten Pfützen kommen. Die Untersuchungen gehen aber weiter.
Von Elisabeth Hirzinger

Sechs Wochen lang wurde im vergangen Jahr bereits am Steinberger See gebohrt.
Sechs Wochen lang wurde im vergangen Jahr bereits am Steinberger See gebohrt.Foto: Archiv

Steinberg am See.Seit im Herbst 2013 im Umfeld des Steinberger Sees schwarze Wasserpfützen entdeckt wurden, sind mehrere Gutachter damit beschäftigt, das Phänomen zu erklären. Doch die Spurensuche gestaltet sich schwierig. Eine erste Untersuchung der verdächtigen Wasserlachen, die einem Mitarbeiter des Gutachterbüros „Base Technologies“ aufgefallen waren, hatte einen hohen PH-Wert und eine Belastung mit Schwermetallen ergeben.

Inzwischen weiß man, dass das Grundwasser „in den Bereichen, in denen es mit Rotschlamm in Kontakt gekommen ist, erwartungsgemäß erhöhte Werte von Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Molybdän, Nickel und Vanadium aufweist“. Das teilt die Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage der MZ mitteilt.

60 000 Kubikmeter Rückstände

Dass ein Zusammenhang mit dem Rotschlamm besteht, der in den 60er Jahren in großen Mengen in dem ehemaligen Kohleabbaugebiet abgekippt wurde, war von Anfang an vermutet worden. 60 000 Kubikmeter Rückstände aus der Produktion der Vereinigten Aluminiumwerke (VAW) durfte jährlich in den Tagebauen im Bereich des heutigen Steinberger Sees abgelagert werden.

Der Rotschlamm war mit krebserregenden Schwermetallen belastet. Doch das Landesamt für Wasserversorgung und Gewässerschutz hatte eine Gefährdung des Grundwassers durch das Natriumaluminat im Schlamm damals als „sehr unwahrscheinlich angesehen“. Genauso wie das Bergamt, das die Einlagerung der Industrieabfälle im großen Stil 1965 genehmigt hatte. Die „tonartige Konsistenz, so die Begründung, verhindere eine Auslaugung des Aluminats.

Das Untersuchungsgebiet Loiblweiher
Das Untersuchungsgebiet Loiblweiher

Mit dieser Einschätzung schienen die Gutachter zunächst richtig gelegen zu haben. Zumindest hat die E.ON, die als ehemalige Grundeigentümerin für die Altlasten zuständig ist und die Wasserqualität im und am Steinberger See kontrolliert, keine Auffälligkeiten festgestellt – bis zu dem Tag, als Peter Krach 2013 die verdächtigen Pfützen sah.

Danach begann die Spurensuche, ging die E.ON dem Problem auf den Grund. Mehrere Bohrungen wurden 2014 im Uferbereich, neben dem Gelände der Wasserwacht, und auf dem Areal „Loiblweiher“ vorgenommen. Dann herrschte lange Zeit Funkstille. Im Februar 2015 verlautete die Pressestelle des Landratsamtes schließlich, dass ein Zwischenbericht erwartet werde. Ob daraus „Informationen nach außen transportiert werden“, ließ der damalige Pressesprecher Franz Pfeffer offen.

Tatsächlich lag der erste Zwischenbericht im März vor. Gestern hat das Landratsamt auf Anfrage der MZ dann doch erste Details aus dem Bericht bekanntgegeben, der vor allem der „Gefährdungsabschätzung“ dienen sollte. Zum einen galt es herauszufinden, „woher die Schwarzwasseraustritte kommen“, erklärt Prechtl, zum anderen musste festgestellt werden, „in welche Richtung die Untersuchungen weitergehen sollen“.

Warum das alles so lange gedauert hat, das erklärt Pressesprecher Hans Prechtl heute mit den „sehr komplexen Verfahren“ und den vielen Arbeiten, die im Hintergrund notwendig waren. Dazu gehörten auch historische Recherchen.

Vertikale Struktur ist das Problem

Die wichtigste Erkenntnis aus den bisherigen Untersuchungen ist, dass die geologische Struktur im „Loiblweiher“-Gebiet, anders als in der Natur üblich, vertikal aufgebaut ist. „Und das ist das Problem“, sagt Prechtl. Zumal die schräg liegenden Schnittflächen tonig und sandig seien und damit die Wasserdurchlässigkeit in vertikaler Richtung größer sei. Warum das belastete Wasser erst nach so vielen Jahrzehnte an die Oberfläche gedrungen ist, erklärt Prechtl mit der Kraft des Wassers, „das sich seinen Weg sucht“.

Eines scheint sicher zu sein: Die Wasserqualität des Steinberger Sees ist bisher nicht beeinträchtigt. Dennoch besteht weiterer Untersuchungsbedarf. Gemeinsam haben die Fachstellen festgelegt, dass weitere Messstellen erforderlich sind. Schwerpunktmäßig soll laut Prechtl „die Wirkung des Nord-Süd-Grabens im östlichen Bereich“ untersucht werden, und der Uferbereich. Tiefenbohrungen werden auch auf dem sogenannten Kohlepfeiler, also dem Bereich, der nicht abgebaut wurde, abgeteuft.

Die wasserrechtlichen Ausschreibungen für die Bohrungen laufen bereits. „Im Herbst geht es weiter“, kündigt der Pressesprecher an. Was die Untersuchungen kosten? „Wir reden von Millionen“, sagt Hans Prechtl .

Die Schwermetalle

  • Arsen:

    Dreiwertige lösliche Arsen-Verbindungen sind hoch toxisch, weil sie Prozesse wie die DNA-Reparatur, den zellulären Energiestoffwechsel, rezeptorvermittelte Transportvorgänge und die Signaltransduktion stören.

  • Blei:

    Blei schädigt das zentrale und das periphere Nervensystem, beeinträchtigt die Blutbildung und führt zu Magen-Darm-Beschwerden und Nierenschäden. Bleiverbindungen sind auch als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Seit 2006 bewertet die Deutsche Forschungsgemeinschaft Blei und seine anorganischen Verbindungen als „krebserzeugend im Tierversuch“.

  • Chrom:

    Laut einer Studie ist Chrom(III)-picolinat mutagen und kann Krebs auslösen. Chrom(VI)-Verbindungen schädigen die DNA.

  • Kupfer:

    Eine Studie zeigt, dass Kupfer sich bei langfristiger hoher Zufuhr in den Hirnkapillaren ablagert und dort die Blut-Hirn-Schranke schädigen kann.

  • Molybdän:

    Tests lassen vermuten, dass Molybdän wenig toxisch wirkt.

  • Nickel:

    Nickel ist vor allem als ein starkes Kontaktallergen der Haut bekannt.

  • Vanadium:

    Einige Vanadiumverbindungen sind krebserregend. (Wikipedia)

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