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Teublitz
Freitag, 21. September 2018 25° 3

Versammlung

Die Geflügelzucht ist als Hobby bedroht

Rassegeflügelzüchter sehen die Stallpflicht als überzogen. Sie wollen mit Politikern sprechen und dagegen vorgehen.
Von Werner Artmann

  • Über 100 interessierte Geflügelzüchter waren zu der Info-Veranstaltung über die Vogelgrippe in das Parkschützenheim nach Teublitz gekommen. Foto: bat
  • Tierschutzbeauftragter Franz Nuber vom Bund Deutscher Geflügelzüchter referierte zum Thema Vogelgrippe und deren Folgen.Foto: Artmann
  • Im Wildpark Höllohe bei Teublitz mussten rund 210 Vögel gekeult werden. Foto: bat

Teublitz.Das Thema „Hysterie oder ernsthafte Bedrohung?“ stand im Mittelpunkt der Vogelgrippe-Info-Versammlung der Geflügelzuchtvereine aus dem Städtedreieck zusammen mit dem Kreisverband der Geflügelzüchter. Vor rund 100 interessierten Tierfreunden referierten vom „Aktionsbündnis Vogelfrei“ (AVF) Frank Ritter aus Hohenberg/Fichtelgebirge und der Tierschutzbeauftragte im Bund Deutscher Rassegeflügelzüchter, Franz Nuber aus Bonn, am Freitagabend im Parkschützenheim. Dabei stellten beide Referenten übereinstimmend fest, dass die Keulung der 210 Tiere im Tier- und Freizeitpark Höllohe in Verbindung mit der veralteten Gefügelpest-Verordnung gesetzlich nicht zu beanstanden sei. Von möglichen Ausnahmemöglichkeit sei aber leider kein Gebrauch gemacht worden.

Bei der Versammlung wurde auch bekannt, dass am vergangenen Donnerstagnachmittag auf Anordnung des Landratsamtes Schwandorf beim gesamten Schautaubenbestand im Geflügelhof Höllohe ein Rachen- und Kloakenabstrich vorgenommen wurde. Bereits am vergangenen Dienstag erfolgte die Maßnahme stichpunktartig bei 40 von 70 Tauben und das Ergebnis war „negativ“. Die Schautaubenzüchter warten gespannt, ob weitere Maßnahmen in Frage kommen.

Aufgerufen zu dieser Versammlung hatten die vier Geflügelzuchtvereine Teublitz, Maxhütte, Ponholz und Burglengenfeld in Verbindung mit dem Kreisverband der Rassegeflügelzüchter Schwandorf. Max Feuerer hieß die Gäste, darunter auch den stellvertretenden Landrat Jakob Scharf, willkommen. Scharf ging in seinem kurzen Grußwort auf das Geschehen rund um die Höllohe ein. Ihm selbst tue es auch Leid um die Tiere, jedoch hätte hier keine andere Entscheidung fallen dürfen. Die Vogelgrippe sei ein sensibles Thema, das jedoch nicht soweit führen dürfe, dass Beleidigungen und Diffamierungen die Folge seien.

Gastreferent Frank Ritter vom Kleintierzuchtverein Hohenberg-Fichtelgebirge und Kreiszuchtwart Geflügel des Aktionsbündnisses „Vogelfrei“ gab eine kleine Einleitung über die Vogelgrippe und deren Ausbrüche in verschiedenen Bundesländern und speziell in Bayern. Fakt sei, dass alle Rassegeflügelzüchter die Aufstallung ablehnten. Zwischenzeitlich wurden bei 44 Großbetrieben über 800 000 Tier gekeult, demgegenüber seien bei den Kleinsthaltungen erst 23 Ausbrüche im ganzen Bundesgebiet zu verzeichnen. Alle Zahlen wurden von ehrenamtlich arbeitenden Leuten des Aktionsbündnisses zusammengetragen.

„Noch ist unser Geflügelzucht-Hobby nicht am Ende; aber wenn die Politik nicht umdenkt und zugunsten der Rassegeflügelzüchter etwas unternimmt, dann kann man nur schwarz sehen für die Freilandhaltung unserer Tiere,“ sagte Ritter. Diese „jetzt vollkommen überzogene Stallpflicht in ganz Bayern“ gehöre aufgehoben, zumal auch das Friedrich-Löffler-Institut empfehle, Landkreise ohne Vogelgrippefälle davon zu befreien.

Der Tierschutzbeauftragte im Bund Deutscher Geflügelzüchter, Franz Nuber, ging in seinem Referat der Frage nach, womit man es beim Grippevirus zu tun habe? Es werde permanent über die Geflügelpest gesprochen; allein schon der Begriff mache ängstlich. Beim H5N8-Virus spricht man in der Fachliteratur gerne von Puteninfluenza, da dieser ursprünglich und hauptsächlich in den Wirtschaftsgeflügelanlagen mit Puten aufgetreten ist. Dort waren enorme Sterberaten zu verzeichnen. Dieser Virus wurde aber jetzt auch häufiger in Entenmastbetrieben nachgewiesen, wo er zumeist unbemerkt bleibt. Wassergeflügel infiziert sich zwar, erkrankt aber nicht.

Das Virus, das in Asien gefunden worden sei, stimme mit dem in Deutschland aufgetretenen relativ überein. Damit Wildvögel es bis hierher transportieren, müssten sie über Russland fliegen. „Die einzigen, die diese Strecke schafften, sind aber Langstreckenflugzeuge,“ sagt Nuber. „Wildvögel können lediglich unter Umständen Überträger sein, dürfen aber als Hauptinfektionsquelle nicht geltend gemacht werden,“ stellte Nuber fest. Er sah die Hauptursache in der Massentierhaltung. Leidtragende seien Bio- und Freilandbetriebe und Züchter. Die Theorie, die Geflügelpest sei mit Zug- und Wildvögeln eingeschleppt worden, „sei sehr vage“. „Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass mit H5N8 infizierte verendete Tiere im pathologischen Befund durchweg hohe Belastungen mit z. B. Camphylo Bacter, Streptokokken, E-Koli und Ähnlichem zeigten.“ Somit könnte die Hauptursache für das Verenden die Sekundärinfektion sein.

Gegen die Aufstallungspflicht wolle man jetzt mittels Gesprächen mit Politikern und Verantwortlichen vorgehen.

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„Quarantäne wäre möglich“

  • Wie ist die Lage im Tier- und Freizeitpark Höllohe bezüglich der Vogelgrippe, war die Keulung zwingend notwendig?

  • Es gibt hochpathogene Vogelgrippeviren (HPAI), das ist z.B. H5N8 und niedrig pathogene Viren (LPAI) H5N3. Die unterschiedliche Klassifizierung bezieht sich auf die Krankheitsverläufe und Sterberaten. Aufgrund des Befundes H5N8 ist laut Geflügelpestverordnung der Gesamtbestand umgehend zu keulen. Diese Verordnung beinhaltet allerdings Ausnahmeregelungen, um gewisse Tiere unter hohen Quarantäneauflagen zu erhalten. Hierüber hat allerdings der Kreis in eigener Verantwortung zu befinden und zu handeln.

  • Hätte man einen Handlungsspielraum gehabt?

  • Man hätte unter bestimmten Quarantäneauflagen und Erstellung eines dafür nötigen Maßnahmenkataloges eine Quarantäne für die Kleinvögel und Tauben einrichten können. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ließen sich diese Arten nur ganz schwer und nur unter klinischen Gegebenheiten mit Geflügelpestviren infizieren, siehe hierzu einen Versuch im FLI (Friedrich-Löffler-Institut) mit Tauben und Hühnern!

  • Wie stehen Sie zu den Entscheidungen von Landrat Thomas Ebeling und den Amtsveterinären?

  • Landrat Ebeling hat strikt nach der Geflügelpestverordnung entschieden. In einem Telefonat am Montag mit dem Landrat habe ich ihn auf die Möglichkeiten einer Quarantäne hingewiesen. In einem Telefonat am Dienstagmorgen teilte er mir mit, dass sein Beraterstab keine Möglichkeit einer Quarantäne sehe. Ich bin immer noch der Meinung, dass eine Quarantäne für die Kleinvögel und Tauben unter akzeptablen Auflagen möglich gewesen wäre. Hier entscheidet aber der Kreis in Eigenverantwortung.

  • Wie lange kann es dauern, bis man die Höllohe wieder freigibt?

  • Das Virus ist außerhalb des Körpers bei derartig kalter, nasser und sonnenarmer Umgebung 90 bis 100 Tage im Boden oder Wasser infektiös. Im Eis noch viel länger! Da in der Höllohe (großflächiges Gebiet mit Naturboden) eine Desinfektion wie in Geflügelställen nicht möglich ist, sollte der Bereich der Volieren großräumig nicht vor drei Monaten frei gegeben werden und ein erneuter Besatz nicht vor vier Monaten erfolgen. Es sei denn, man tauscht den gesamten Boden aus und entsorgt diesen so, dass Wildvögel keinen Kontakt mit diesem mehr haben. Des weiteren empfehle ich, die Volieren komplett neu zu gestalten, damit ein erneuter Geflügelgrippeausbruch ausgeschlossen werden kann.

  • Was wäre in Zukunft für die Geflügel- bzw. Taubenzüchter zu beachten?

  • Künftig sollte dafür Sorge getragen werden, dass das Parkgeflügel (Volierentiere) nur noch kontrolliert mit Futter versorgt wird. Keine Fütterung des Parkgeflügels mit mitgebrachtem Futter, das Wildgeflügel kann man da nicht mit einbeziehen. Strikte Trennung von Parkgeflügel und Wildgeflügel! Wildvögel können sogenannte „Reservoirwirte“ sein. Das heißt, dass sie den Virus in sich tragen können, ohne daran zu erkranken. Sie sind meiner Meinung aber nicht die Ursache der Erkrankung. Es wäre wichtig, dass die tatsächliche Herkunft der Krankheit ergründet wird. Betrachtet man die exorbitant hohe Zahl der Geflügelgrippeausbrüche in Wirtschaftsgeflügelanlagen besonders bei Puten und Enten, sollten diese auch als Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Der Kot aus diesen Wirtschaftsgeflügelanlagen wird zum Teil in Biogasanlagen verbracht, Entenkot eignet sich dazu allerdings nicht und wird als Gülle auf die Felder verbracht. Zu diesen Flächen hat dann das Wildgeflügel natürlich Zugang und könnte sich infizieren. Um eine Eindämmung der Geflügelgrippe zu gewährleisten, muss man in sachlicher Weise allen Infektionsmöglichkeiten nachgehen, denn es können nicht alleine die Wildvögel schuld sein. Hier sollte man wie überall in der Medizin handeln, nicht mit Symptom- sondern Ursachenbekämpfung. Interview: Werner Artmann

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