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Exkursion

Kritik an Naturzerstörung

Naturfreunde erkundeten das Teublitzer Weihergebiet und protestierten auch gegen die Vernichtung wertvoller Lebensräume.
Von Werner Artmann

Naturfreunde aus dem Landkreis waren zur Exkursion ins Teublitzer Weihergebiet gekommen. Foto: Werner Artmann
Naturfreunde aus dem Landkreis waren zur Exkursion ins Teublitzer Weihergebiet gekommen. Foto: Werner Artmann

Teublitz.Das Teublitzer Weihergebiet war wieder einmal das Ziel von mehr als 50 Naturfreunden aus dem gesamten Landkreis Schwandorf. Der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) hatten zu einer Exkursion unter dem Motto „Wir müssen lernen, Landschaft nicht nur zu konsumieren, sondern Natur zu verstehen“ eingeladen.

Dabei wurde nach Ansicht der Naturschützer wieder einmal deutlich, wie wichtig der Erhalt dieses Weihergebietes für die Natur ist und nicht durch den Bau einer Umgehungsstraße zerstört werden darf. Kritik an der Naturzerstörung im Städtedreieck wurde dabei geübt. Der Burglengenfelder Diplom-Biologe Dr. Christian Stierstorfer vom Landesbund für Vogelschutz als Leiter der Exkursion, freute sich besonders über die Anwesenheit des stellvertretenden Landrats Arnold Kimmerl, des Vorsitzenden der BN-Kreisgruppe Schwandorf Klaus Pöhler, des Vorsitzenden der LBV-Kreisgruppen Schwandorf und Regensburg Zeno Bäumler und Josef Gerl sowie Dr. Josef Paukner, Sprecher der Donau-Naab-Regen-Allianz Donarea. Mit Hermann Rank (stellvertretender Vorsitzender LBV Kreisgruppe Schwandorf) und Michael Nowak (Schüler am JMF-Gymnasium) standen den Exkursionsteilnehmern Experten der Vogelwelt zur Verfügung.

Gefahr durch Umgehungsstraße

Zu Beginn informierte Stierstorfer über den Hintergrund der Exkursion, bei der den Besuchern der hohe landschaftliche und naturschutzfachliche Wert des Gebietes vermittelt werden sollte, der durch aktuelle Planungen für eine Umgehungsstraße gefährdet sei. Stierstorfer wies auch darauf hin, dass dies aber bei Weitem nicht das einzige Projekt im Städtedreieck sei, bei dem nach Ansicht der Naturschützer wertvolle Lebensräume vernichtet werden. „Wir Naturschützer kommen zu dem Schluss, dass das Städtedreieck ein schlechtes Beispiel für nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung ist,“ stellte Stierstorfer fest. Die geplante Umgehungsstraße und das Gewerbegebiet an der Teublitzer Autobahnausfahrt seien dabei nur die markantesten Beispiele. Brütende Haubentaucher, Graureiher, farbenprächtige Kolbenenten, ein singender Teichrohrsänger und eine Rohrammer, sowie der allgegenwärtige Ruf des Kuckucks sind nur einige Beispiele der abendlichen Beobachtungen. Auf der Eselwiese jagte ein Neuntöter nach Insekten. „Ein Erstnachweis für das Weihergebiet,“ freute sich Michael Nowak.

„Diese Vielfalt an Spechten findet man ansonsten nur in den besten Schutzgebieten.“

Hermann Rank, stv. Vorsitzender LBV Kreisgruppe Schwandorf

Auf Schautafeln wurden den Teilnehmern die sechs verschiedenen hier nachgewiesenen Spechtarten vorgestellt. Neben den überall häufigen Bunt- und Grünspechten leben im Teublitzer Weihergebiet auch der Klein-, Schwarz-, Mittel- und Grauspecht. „Diese Vielfalt an Spechten findet man ansonsten nur in den besten Schutzgebieten“, sagte Hermann Rank. Ihre Beobachtungen stellen die Vogelkundler den Gutachtern zur Verfügung, die derzeit das Gebiet zur Vorbereitung des Raumordnungsverfahrens für die Umgehungsstraße kartieren. „Damit wollen wir unseren Beitrag dazu leisten, dass dem Verfahren eine möglichst gute Datenbasis zugrunde liegt,“ sagte Gebietskenner Stierstorfer.

Bedrohter Moorfrosch

Im Teublitzer Weihergebiet leben viele Seltenheiten, die auf den Roten Listen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten stehen. Sei es die Walzensegge in den Erlenbruchwäldern, das Braunkehlchen auf der Eselwiese oder sogar der vom Aussterben bedrohte Moorfrosch: Sie alle haben hier noch eine letzte Zuflucht. Eisvogel, Trauerschnäpper und Feldschwirl sind weitere Belege dafür, wie wertvoll das Gebiet ist.

Am Ende der Exkursion zogen in der Dämmerung noch Schwalben und Mauersegler ihre Kreise, die sich an beeindruckend dichten Insektenschwärmen über den Weihern satt fraßen. Zu den Vögeln gesellten sich schließlich noch Abendsegler, die als erste Fledermäuse noch gut am Himmel zu sehen waren. Mit fortschreitender Dunkelheit wurden die Teilnehmer von derart vielen Fledermäusen verschiedener Arten umflogen, dass selbst erfahrene Naturkundler unter den Teilnehmern von einem außergewöhnlichen Erlebnis sprachen.

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