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Kirche

Orgelrenovierung ist „Chefsache“

Jede der fast 2500 Pfeifen in der Teublitzer Mathis-Orgel wird ausgebaut und gereinigt. Vier Wochen dauern die Arbeiten noch.
Von Werner Artmann

  • Die nötigen Reinigungsarbeiten in der Orgel-Stube der Mathis Orgel macht Orgelbauer Christian Heiden persönlich. Foto: Artmann
  • Auszubildender Hermann Büchsel zeigt der MZ die bereits ausgebauten Pfeifen – insgesamt sind fast 2500 Stück in der Orgel. Foto: Artmann
  • Orgelbauer Christian Heiden von der Firma Vleugels bekommt ab nächster Woche Verstärkung: Ein dritter Fachmann hilt mit. Foto: Artmann
  • Pfarrer Michael Hirmer (links) und Dekanatskirchenmusiker Norbert Hintermeier (rechts) machten sich ein Bild von den Arbeiten. Foto: Artmann

Teublitz. Die Empore in der Pfarrkirche „Herz Jesu“ gleicht seit zwei Wochen einer Baustelle: Werkzeuge, Pfeifen und Einzelteile der Mathis-Orgel liegen akribisch sortiert auf Folien. Daneben herrscht geschäftiges Treiben rund um das riesige Musikinstrument: Jede einzelne der fast 2500 Pfeifen wird derzeit ausgebaut und sehr gründlich mit Druckluft gereinigt. Rund vier Wochen dauert die Reinigung und zugleich Überholung der Teublitzer Mathis-Orgel noch.

Nötig geworden war dies nach immerhin 25 Jahren und auch wegen der großen Renovierung des Inneren der Pfarrkirche. Pfarrer Michael Hirmer, der die Qualität und den Klang der Mathis-Orgel schätzt, machte das – unterstützt von der Kirchenverwaltung – zur „Chefsache“. Eine Generalüberholung wird normal alle 15 bis 20 Jahren gemacht. Der amtliche Orgelsachverständige der Diözese Regensburg, Gerhard Siegl, fertigte dazu ein ausführliches Gutachten und die entsprechende Ausschreibung an.

Das günstigste Angebot gab die renommierte Firma Vleugels aus dem badischen Hardheim ab, die auch aus Regensburg empfohlen wurde. Orgelbaumeister Hans-Georg Vleugels war eigens für eine Bestandsaufnahme am 13. Februar in Teublitz. Doch nicht nur die Pfeifen werden gereinigt – das Innere der Orgel wird ebenfalls von Staub und Schmutz befreit, die Bälge, Kanäle und Windleitungen überprüft und neu eingestellt, wie Kirchenmusiker Nobert Hintermeier erläutert. Gebläsemotor, Windladen und Pfeifenstöcke würden dafür geöffnet, gereinigt und auf Dichtheit überprüft.

Mit Druckluft wird jede einzelne Pfeife der Mathis-Orgel in der Pfarrkirche „Herz Jesu“ gereinigt. Foto: Artmann
Mit Druckluft wird jede einzelne Pfeife der Mathis-Orgel in der Pfarrkirche „Herz Jesu“ gereinigt. Foto: Artmann

Kurzum: Die gesamte Orgel wird in einzelnen Abschnitten zerlegt und wieder neu zusammengebaut. Danach müssen die Pfeifen nachgestimmt werden. Die Orgelbauer teilen sich ihre Arbeiten so ein, dass an den Sonntagen zumindest ein Werk des Instruments spielbar ist. Damit ist gewährleistet, dass der Chor- und Gemeindegesang – wenn auch eingeschränkt – begleitet werden kann. Gottesdienste für Beerdigungen finden daher in nächster Zeit in der Saltendorfer Marienkirche statt.

Kosten muss die Pfarrgemeinde tragen

Nach den Reinigungsarbeiten, deren Kosten von der Pfarrgemeinde getragen werden, sind weitere Orgelbauarbeiten nötig. So werden laut Hintermeier die Tontrakturen neu einreguliert, Füllungen der Türen am Orgelgehäuse überprüft und eingestellt, um störenden Nebengeräusche zu vermeiden. „Auch defekte Kleinteile werden dabei ausgewechselt und erneuert.“ Für diese Arbeiten wird ein Zuschuss der Diözese erwartet. Da zwar rund 14 000 Euro an Spenden vorhanden sind, müssen dennoch etwa 30 000 Euro von der Kirchengemeinde aufgebracht und gesammelt werden.

Großes Ziel ist es, die Orgel am 5. Dezember zur Diakonweihe in Teublitz wieder erklingen zu lassen. Das sagten die in der Pfarrkirche derzeit tätigen Orgelbauer Christian Heiden und sein Auszubildende Hermann Büchsel. Beide sind vom Teublitzer Instrument hinsichtlich Bau und Intonation sehr angetan.

Dekanatskirchenmusiker Norbert Hintermeier schätzt die Mathis-Orgel in Teublitz ganz besonders. Foto: Artmann
Dekanatskirchenmusiker Norbert Hintermeier schätzt die Mathis-Orgel in Teublitz ganz besonders. Foto: Artmann

So wie der Dekanatskirchenmusiker Norbert Hintermeier: „Ich habe auf Hunderten verschiedenen, auch größeren Instrumenten gespielt, aber ich freue mich immer wieder, am Teublitzer Instrument sitzen zu dürfen.“ Besonders faszinierten ihn die hervorragenden Klangfarben und „diese gelungene Intonation zu hören und zu genieße“. Ob Orgelkompositionen aus dem französische Barock, deutsche Orgelwerke oder auch ein Großteil der romantischen und modernen Musik – „Alles lässt sich überzeugend darstellen“, schwärmt Hintermeier weiter. „Es ist immer wieder wie eine Premiere, die täglich glücklich macht, denn das Spielen auf diesem Instrument ist keine Arbeit, sondern reines Glücksgefühl.“

Orgel eine langfristige Investition

Die Entscheidung für eine Mathis-Orgel fiel vor fast 30 Jahren, erinnert sich Hintermeier im MZ-Gespräch. Als der Auftrag zum Neubau einer Orgel erteilt werden sollte, standen zunächst nicht so viele gute und vor allem mögliche Orgelbaufirmen zur Auswahl. Schließlich gefiel der damaligen Kirchenverwaltung und dem Pfarrer Hartl der Klang der Schweizer Firma am besten. „Man kauft nicht alle paar Jahre eine neue Orgel, sondern für mehrere Generationen oder verglichen mit den historischen Silbermann-Orgeln oft auch für mehrere 100 Jahre“, betonte Hintermeier.

Mit großem fachlichen Können werden die Spezialisten der Orgelbaufirma Vleugels das Teublitzer Instrument bald wieder zum Klingen bringen. Ab kommender Woche wird das Zwei-Mann-Team zusätzlich noch mit einem dritten Orgelbauer vestärkt, damit alle Arbeiten fristgerecht erledigt werden können. Und dann hat auch das geordnete Chaos auf der Empore wieder ein Ende. Darauf freut sich besondern Pfarrer Michael Hirmer.

Die Mathis-Orgel

  • Segnung:

    Seit 25 Jahren erklingt in der Pfarrkirche Herz Jesu die Mathis-Orgel. Am 13. Oktober 1990 wurde sie von BGR Karl Ketterl damals gesegnet. Für die Pfarrgemeinde war der Erwerb der Mathis-Orgel auch vor einem Vierteljahrhundert ein finanzieller Kraftakt: rund 350 000 Euro kostete sie.

  • Sammlung:

    Pfarrer Georg Hartl gründete 1984 dafür einen Orgelbauverein. Drei Jahre später wurde die Orgel mit Beschluss der Kirchenverwaltung bei Mathis in der Schweiz bestellt. Am 13. April 1989 floss die Anzahlung für das neue Instrument (einst 87 000 Schweizer Franken). Ende 1993 war sie abbezahlt.

  • Austattung:

    Dekanatskirchenmusiker Norbert Hintermeier spielt seit 25 Jahren auf „seiner“ Mathis-Orgel. Sie ist ausgestattet mit vier selbstständigen Werken. Die Pfeifen stehen auf dem sogenannten Windladen – drückt der Organist Tasten, strömt Luft hinein, je nach dem, welches Register eingeschaltet ist.

  • Mechanik:

    Die Steuerung des Spiel- und Ventilsystems geschieht bei der Teublitzer Orgel über Abstrakte und Winkel rein mechanisch. Man spricht daher von mechanischer Spiel- und Registertraktur. Insgesamt besitzt die Mathis-Orgel 2486 Pfeifen; die größte Pfeife ist über 4,5 Meter lang. (bat)

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