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Landwirtschaft

Bauern kämpfen weiter für faire Milch

Die Herstellungskosten übersteigen wieder den Erlös für einen Liter Milch. BDM-Vertreter machen bei Teunz darauf aufmerksam.
Von Tanja Kraus

  • In den Kuhställen wird weiter von fairer Milch geträumt. Foto: Kraus
  • Vertreter des BDM protestieren für einen fairen Milchpreis. foto: gkt
  • Das Kälbchen bekommt Milch zu trinken. Foto: gkt
  • Der Platz für eine Milchkuh wird immer teurer, während der Milchpreis sinkt. Foto: gkt
  • Immer mehr Milch wird produziert, während die Milchpreise stetig sinken, Foto: gkt

Teunz.Kühe, grasend auf sattgrünen Weiden, so würden Verbraucher gerne ihren Milchlieferanten sehen. Doch das ist kaum möglich bei dem großen Bedarf an Milch und Milchprodukten. Um den Wiederkäuern ein angenehmes Leben im Stall zu ermöglichen nehmen Landwirte hohe Investitionskosten auf sich, die sich kaum noch in einem angemessenen Zeitraum finanziell rechnen. Die „Kuhplatzkosten“ für ein Tier belaufen sich auf 15 000 Euro und hätten sich somit in den letzten 20 Jahren vervierfacht, während der Milchpreis, den die Molkereien zahlen, rückläufig ist, so die Essenz aus dem Treffen der Vertreter von BDM (Bund Deutscher Milchviehhalter) Gerhard Maier, Schönsee, Matthias Irlbacher, Unteraich, Martin Prey, Niedermurach und Kreisverbandsvorsitzendem Johannes Hösl, auf dem Betrieb von Christian Bodensteiner, Miesmühle/Teunz.

Nachdem der aktuelle Milchpreis bei 0,30 Euro je Liter liege und die Milchquote weggefallen sei, könnten Landwirte, die neue, moderne Stallanlagen aufstellten, diese nicht mehr in, wie sonst berechenbar, 15 Jahren abzahlen, sondern brauchten teils die doppelte Zeit. „Und bei einem reinen Erzeugerpreis von bis zu 0,50 Euro/Liter kann jeder nachvollziehen, wie krank dies System ist“, so Martin Prey. Eine Senkung des Literpreises um 13 Cent mache im Landkreis Schwandorf bereits einen Wertschöpfungsverlust von über 17 Millionen Euro aus.Hier sei der Staat gefragt, so Matthias Irlbacher, denn der mische sich in die Förderungen ein, und solle sich darum auch in den Markt einmischen, um diese vernichtende Entwicklung aufzuhalten. Immerhin gäbe es eine EU-Monitoringstelle, durch die man auf den Verbraucherbedarf schnell reagieren könne. In der Milchkrise der letzten sechs Jahre habe die Milch stetig an Kaufkraft verloren; immer mehr Milch würde produziert, und der Preis sinke weiter. Für Landwirte wie Christian Bodensteiner, der erst kürzlich einen neuen Milchviehlaufstall für ca. 80 bis 100 Kühe erstellt hat, ist dies eine Katastrophe. Die Folge seien Landwirte, die ihre Betriebe aufgeben. Die Strukturen, die sich mit diesen Gegebenheiten verändern, hätten auch Auswirkungen auf die Infrastruktur der Region; immerhin zählen zu einem landwirtschaftlichen Betrieb durchschnittlich zwei Altenteilplätze und zwei Kinderpflegeplätze, die dann natürlich wegfallen.

Aktionen gegen die Preisschraube nach unten, wie kürzlich bei diversen Discountern, seien pure Augenwischerei, so Prey. Die Discounter seien nicht die Samariter der Nation, hier müsse in der Politik umgedacht werden. Der BDM habe mit einem Marktkrisenmanagement-Konzept ein modular einsetzbares Gesamtpaket an Krisenmaßnahmen vorgelegt, das Intervention und private Lagerhaltung als die bestehenden Kriseninstrumente integriere, aber auch neue Schritte beinhalte.

Wenn es wie in der aktuellen Krise nicht mehr ausreiche, nicht nachgefragte Mengen einzulagern, sollten die Milchmengen nach einer Frühwarnung zeitlich befristet beschränkt werden können, um weiteren Preisdruck und Wertschöpfungsverluste für die Erzeuger zu vermeiden. Diese Maßnahmen setzen auf so viel unternehmerische Freiheit wie möglich. Den Milchbauern zufolge diene die zeitweise Deckelung der Milchmengen in einer Krise allen, da sich so die Preise schneller erholen können und massive Verluste vermieden würden.

Protest mit Sternfahrt

  • Sternfahrt:

    Seit Montag, 24. August, fahren Mitglieder des BDM in einer Staffelfahrt auf vier Routen nach München um über die brisante Lage der Milchviehhalter aufzuklären und die Verluste aufzuzeigen, die durch die Verweigerungshaltung des Agrarministers Christian Schmidt als Vertreter der gegenwärtigen Regierung gegenüber der Krise und den neuen Kriseninstrumenten, nicht nur den Milchbauern, sondern auch dem ländlichen Raum entstehen.

  • Kundgebung:

    Am 1. September endet die Sternfahrt in München mit einer großen Kundgebung auf dem Odeonsplatz.

  • Protest:

    Am Samstag, 29. August, macht die Staffelfahrt in Weiden halt mit einer Kundgebung um 10 Uhr; anschließend ist Weiterfahrt nach Oberviechtach, wo gegen 12 Uhr auch der Bundesvorsitzende Romuald Schaber, Allgäu, zugegen sein wird.

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