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Wirtschaft

Programmieren macht einen „Riesenspaß“

Vier jugendliche Flüchtlinge absolvieren ein IT-Praktikum bei TGW-Logistics in Teunz. Erste Aufgabe: Eine Ampel takten.
Von Ralf Gohlke

IT-Ausbilder Martin Gorges erläutert einem der Asylbewerber die Funktionen der Programmiersprache „Scratch“.
IT-Ausbilder Martin Gorges erläutert einem der Asylbewerber die Funktionen der Programmiersprache „Scratch“. Foto: R. Gohlke

Teunz.Ein riesiges Verkehrschaos gäbe es sicherlich, wenn an einer Kreuzung alle Ampeln gleichzeitig auf „Grün“ schalten würden. Da ist es gut, so eine wichtige Schaltprogrammierung nicht gleich am „scharfen Objekt“, sondern erst einmal im stillen Kämmerlein, im Kleinen zu testen. Genau das taten vier junge Asylbewerber in dieser Woche bei der Firma TGW – Living Logistics im Rahmen eines Berufspraktikums auf dem IT-Sektor. Alle vier sind bereits 18 Jahre und kamen als sogenannte unbegleitete Jugendliche nach Deutschland. Der Kontakt entstand bei einer Ausbildungsmesse im Bildungszentrum der Handwerkskammer in Schwandorf, die in Zusammenarbeit mit dem Beruflichen Schulzentrum Oskar-von-Miller in Schwandorf, der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, der Agentur für Arbeit in Schwandorf und dem Regionalmanagement des Landkreises Schwandorf organisiert worden war.

Ständig auf Nachwuchssuche

Da die TGW-Gruppe ständig auf der Suche nach Nachwuchskräften ist, war Personalleiterin Angela Klotz dort natürlich auch vertreten. „Die jungen Leute waren alle sehr interessiert und aufgeschlossen“, zieht sie eine positive Bilanz. Letztendlich waren es sechs junge Asylbewerber, die derzeit im Berufsschulzentrum Schwandorf auf den Qualifizierenden Hauptschulabschluss vorbereitet werden. Für ein Praktikum angemeldet hatten sich zwar alle sechs Interessenten, gekommen seien aber nur vier.

„Die Frage lautete, wie bekommen wir die jungen Leute, die ja in Schwandorf untergebracht sind, nach Teunz?“

Personalleiterin Angela Klotz

„Erst wenn es so weit ist, merkt man, dass nicht alles so einfach ist, wie es am Anfang scheint“, schildert Klotz im Gespräch mit unserer Zeitung. Da das Praktikum in den Pfingstferien stattfinden sollte, bedurfte es auf einmal einer „Ausnahmegenehmigung“, die zwar relativ reibungslos ausgestellt wurde, aber zusätzlichen Aufwand erforderte.

Ausbildungsleiter Richard Gleißner, TGW-Geschäftsführer Peter Ehrenhuber und Praktikumsbetreuer Martin Gorges (hinten von Links) schauen den Praktikanten über die Schultern.
Ausbildungsleiter Richard Gleißner, TGW-Geschäftsführer Peter Ehrenhuber und Praktikumsbetreuer Martin Gorges (hinten von Links) schauen den Praktikanten über die Schultern. Foto: R.Gohlke

Bei einem anderen Problem konnte Anita Wolff vom Kolping-Bildungswerk Schwandorf helfen. „Die Frage lautete, wie bekommen wir die jungen Leute, die ja in Schwandorf untergebracht sind, nach Teunz?“, schilderte die Personalleiterin.

Die angehenden Praktikanten hatten sogar gemeint, sie fahren einfach mit dem Zug nach Nabburg und dann mit dem Fahrrad nach Teunz, aber davon habe sie wegen der doch eher schwierigen Streckenführung abgeraten. Dafür organisierte Anita Wolff einen zuverlässigen Fahrdienst, der sie von ihrer Unterkunft abholt und nach getaner Arbeit wieder zurück bringt. Und so stand dem Ganzen nichts mehr im Wege.

Martin Gorges, IT-Ausbilder und Praktikumsbetreuer in der Teunzer Niederlassung, nahm Efrem Welday, Amine Zweddi sowie Yemane Bahbolme aus Eritrea und Bilal Ahmed aus Afghanistan unter seine Fittiche. Eine der Voraussetzungen zur Teilnahme waren zumindest ausreichende Sprachkenntnisse in Deutsch. „Das geht zwar noch holprig, aber wir kommen gut klar“, sagte Gorges.

Interessanterweise hatten alle vier zuvor noch nie Kontakt mit dem IT-Bereich. „Aus dem Grund bedienen wir uns der relativ einfachen, grafischen Programmiersprache Scratch, die besonders für den Einstieg durch Kinder und Jugendliche geeignet ist“, erklärt der Ausbilder. Die Plattform dieser Programmiersprache lasse sich unkompliziert über die Computer-Mouse bedienen.

Ampel auf die Sprünge helfen

Beim Besuch durch Pressevertreter waren die Praktikanten gerade mit der eingangs erwähnten Programmierung einer Ampelsteuerung beschäftigt und voller Eifer bei der Sache. Mittels eines Mikroprozessors und einer Schaltfläche mit LED-Modulen ließen sich die Ergebnisse ihrer Arbeit gleich sichtbar machen. „Geplant sind noch ein elektronischer Spielwürfel und ein zweizeiliges Display, auf dem sich beliebige Texte darstellen lassen“, erläuterte Martin Gorges. „Es macht Riesenspaß und ist sehr interessant“, waren sich die vier Akteure absolut einig. Auch der Ausbilder war mit den Leistungen durchaus zufrieden. „Die Leute haben schon so viel Negatives in ihrem Leben erlebt, da merkt man ihnen an, dass sie sich hier positiv aufgenommen fühlen.“

An Ausbildungsleiter Richard Gleißner richtete sich die Frage, ob die vier denn überhaupt eine Chance auf einen der doch recht anspruchsvollen Ausbildungsplätze bei TGW hätten. „Die Basis im Normalfall ist mindestens ein Mittlerer Bildungsabschluss“, erklärte Gleißner, durch dessen Schule schon vier Bundessieger, sieben Landessieger und 14 Kammersieger gegangen sind. Das schließe aber auch eine Ausbildung mit einem Qualifizierenden Hauptschulabschluss nicht grundsätzlich aus. Wichtige Kriterien bei der obligaten Einstellungsprüfung seien das Interesse am Beruf und die Eignung.

Aktuelle Nachrichten aus dem Kreis Schwandorf lesen Sie hier.

Ausbildungsmesse

  • Zielsetzung:

    Die Jugendlichen möglichst schnell und unkompliziert in direkten Kontakt mit Betrieben zu bringen, um sich beruflich zu orientieren und die Grundlage für einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz zu schaffen.

  • Veranstalter:

    Berufliches Schulzentrum Oskar-von-Miller in Schwandorf, IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, Agentur für Arbeit in Schwandorf und Regionalmanagement des Landkreises Schwandorf

  • Teilnehmer:

    Elf regionale Aussteller aus unterschiedlichen Gewerbebereichen sowie rund 50 Schüler der BAF-Klassen des Berufsschulzentrums. Hintergrund: In Zeiten des demografischen Wandels und des vorherrschenden Trends bei Jugendlichen eine akademische Laufbahn anzusteuern, die Möglichkeit zu nutzen, unbesetzte Lehrstellen jungen Menschen mit Fluchthintergrund anzubieten und so einen Beitrag zur frühen Integration zu leisten.

  • TGW Teunz:

    Vier junge Asylbewerber (18 Jahre) aus Eritrea und Afghanistan absolvieren ein viertägiges Praktikum im IT-Bereich ohne besondere Vorkenntnisse sehr erfolgreich, dank der grafischen Programmiersprache „Scratch“, die sich für Kinder und Jugendliche für den Einstieg besonders eignet.

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