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Virus

Pferdestallbesitzer bewahren die Ruhe

Die Pferdehalter im Kreis Schwandorf achten auf ihre Tiere – in Panik verfallen sie wegen der Pferdeseuche aber nicht.
von Cornelia Lorenz

Die Pferdehalter im Landkreis sind wegen der neu aufgetretenen Seuche zwar alarmiert, aber nicht in Panik.
Die Pferdehalter im Landkreis sind wegen der neu aufgetretenen Seuche zwar alarmiert, aber nicht in Panik. Foto: dpa

Schwandorf. Die Pferdehalter im Landkreis haben es in diesen Tage nicht leicht: Sie müssen sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass innerhalb weniger Tage gerade das dritte Pferd in der Region eingeschläfert wurde, weil es mit der Seuche „Equine infektiöse Anämie (EIA)“ infiziert war. Trotz aller Schlagzeilen um diese gefährliche Krankheit, die nur Pferde befällt, bewahren die meisten Stallbesitzer Ruhe und hoffen darauf, dass der Spuk bald ein Ende hat.

Selbstgewählte Quarantäne

Rund 65 Pferde stehen zurzeit im Stall von Thomas Hofmann, der in Dirnau bei Burglengenfeld den Schwanzlhof betreibt. Somit hätte er im Moment ohnehin keine Box für weitere Pensionspferde frei. Falls einer der Pferdebesitzer mit seinem Tier den Hof in diesen Tagen verlassen würde, um zum Beispiel an einem Turnier teilzunehmen, würde er bei der Rückkehr auf den Schwanzlhof aber vor verschlossenen Stalltüren stehen. Mit dieser Maßnahme will Hofmann sicherstellen, dass möglicherweise auswärts infizierten Tieren der Zutritt verwehrt bleibt. Das wird er so lange beibehalten, bis die Quarantäne auf den betroffenen Höfen in Trausnitz und Oberviechtach aufgehoben wird.

Größere Sorgen macht sich Hofmann trotz aller Aufregung in den Medien derzeit nicht. Das könnte sich allerdings ändern, falls auf einem benachbarten Hof kranke Pferde entdeckt würden, räumt er ein. Bis dahin gilt für ihn das Motto: Ruhe bewahren. So hält es auch Pferdewirtin Heidi Rester, die in Mappenberg einen Reiterhof betreibt, auf dem derzeit 23 Turnier-, Schul- und Freizeitpferde ihre Heimat haben. Sie sei sich darüber im Klaren, dass es theoretisch auch auf ihrem Hof infizierte Tiere geben könne – niemand sei vor so einer Horrornachricht gefeit. Dafür seien einfach zu viele potenziell infizierte Pferde aus Rumänien importiert worden.

Um zu verhindern, dass sich eines ihrer Pferde neu ansteckt, ist Rester derzeit besonders vorsichtig und hat jetzt die Teilnahme an einem Turnier abgesagt. „Ich wurde von manchen dafür belächelt. Aber ich will einfach sicher gehen, dass nichts ist“, sagt sie. Etwas irritiert ist die Pferdewirtin immer noch von der Tatsache, dass sie vom Ausbruch der Pferdeseuche erst aus den Medien erfahren hat – und nicht vom Veterinäramt informiert wurde. „Da hätte ich mir schon mehr Information gewünscht. Heutzutage kann doch jeder eine Mail oder ein Rundschreiben verschicken“, sagt sie.

Schlecht informiert von den zuständigen Behörden fühlt sich auch Günter Koller, der Betreiber des Kollerhofs in Neunburg. Bei ihm läuft der Betrieb ganz normal weiter. Das liegt auch daran, dass er die Krankheit EIA für längst nicht so ansteckend und gefährlich hält, wie es in der Öffentlichkeit vermittelt werde. „Ich glaube nicht an die Tröpfcheninfektion“, sagt er und fragt sich, ob es überhaupt Pferde gibt, die sich hier in der Region damit angesteckt haben. „Man müsste eigentlich gegen die Leute vorgehen, die die Pferde aus Rumänien importieren. Denn die haben uns das doch alles aufgebürdet“, sagt Koller.

Sorgen um die 120 Pferde auf seinem Hof macht er sich derzeit nicht. 40 von ihnen sind Pensionspferde, die anderen deutsche Reitponys und Bayerische Warmblüter, die er zum Großteil selbst gezogen hat. Viel bedenklicher findet Koller, dass andere Krankheiten wie Pferdeherpes, die seiner Meinung nach viel ansteckender und gefährlicher sind, nicht meldepflichtig sind. Vor einigen Jahren sei ein Stall im Landkreis betroffen gewesen, erinnert er sich – und niemand habe die Pferdebesitzer darüber aufgeklärt. „Und jetzt macht man Gott und die Welt verrückt“, wundert sich Koller.

EIA-Test gehört zum Standard

Auch Stefan Rödl vom Tiefenhof in Nittenau rät dazu, die Sache nüchtern zu betrachten. Er hält einen Sechser im Lotto für wahrscheinlicher als die Gefahr, dass sich ein Pferd bei einer infizierten Stechmücke oder Bremse EIA holt. Angst um seine rund 70 Zuchtpferde hat er nicht. Seine Tiere werden jede Woche einem Gesundheitscheck unterzogen – und alle neuen Pensionspferde durften auf seinem Hof schon immer nur dann einziehen, wenn bei ihnen der Test auf EIA negativ ausfiel. Mit einem großen Ausbruch der Seuche rechnet er nicht. Er sieht sogar einen Vorteil darin, wenn infizierte Tiere aufgespürt und eingeschläfert werden. „Der Gesundheitsstatus der Pferde im Landkreis wird dadurch insgesamt höher.“

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