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Soziales

110 Jahre Einsatz für die Bergleute

Die Ortsgruppe Wackersdorf der IG Bergbau, Chemie, Energie kämpft für Arbeitnehmerrechte. Jetzt feierte sie Jubiläum.
Von Max Schmid

Die IGBCE-Ortsgruppe Wackersdorf feierte ihr 110-jährigen Bestehen. Vorsitzender Franz Hauser (2. v. r.) konnte als Festredner Udo Eisberg, Vorstandsmitglied der Knappschaft-Bahn-See, begrüßen; mit im Bild die Bürgermeister Thomas Falter (l.) und Harald Bemmerl (r.). Foto: smx
Die IGBCE-Ortsgruppe Wackersdorf feierte ihr 110-jährigen Bestehen. Vorsitzender Franz Hauser (2. v. r.) konnte als Festredner Udo Eisberg, Vorstandsmitglied der Knappschaft-Bahn-See, begrüßen; mit im Bild die Bürgermeister Thomas Falter (l.) und Harald Bemmerl (r.). Foto: smx

Wackersdorf.Die frühere Bergarbeitergewerkschaft ist 1909 zur Zeit des Kaiserreichs mit Beginn des Braunkohleabbaus mit dem Ziel gegründet worden, gute Löhne und vernünftige Arbeitsbedingungen für die Bergleute zu erreichen. Das sagte IGBCE Bezirksleiter Hartmuth Baumann in seinem Grußwort zur 110-Jahr-Feier bei der Ortsgruppe Wackersdorf. Heute gehe es darum, den Strukturwandel in der Energiepolitik zu begleiten, der sozialverträglich sein müsse.

Unter Hinweis auf die Demonstrationen in den Kohlerevieren Lausitz und Aachen traf Baumann die Feststellung, dass es nicht sein könne, dass Kohlegegner sich selbst und die Mitarbeiter der Reviere in Gefahr bringen. Ein gutes Klima sei wichtig, Gewalt in den Revieren aber sei kein „gutes Klima“.

Ortsgruppenvorsitzender Franz Hauser begrüßte zur Jubiläumsfeier im Gasthaus Haller in Oder rund 200 Mitglieder. Sein Dank galt Kapellmeister Andreas Königsberger, der mit den Musikern der Bergmannskapelle die Jubelfeier umrahmte. Steinbergs Bürgermeister Harald Bemmerl bescheinigte der Gewerkschaft, dass sie gute und wertvolle Arbeit leiste und so den Arbeitnehmern den Rücken frei halte. Die IGBCE sei aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenken, sagte Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter und gratulierte zum Jubiläum.

Wackersdorf und Bottrop

Festredner Udo Eisberg, Vorstandsmitglied der Rentenversicherung Knappschaft Bahn See (KBS), stellte fest, dass Wackersdorf und seine Heimatstadt Bottrop viel Gemeinsames haben. Grundstock und Aufstieg beider Gemeinden war die Kohleförderung – Braunkohle in Wackersdorf und Steinkohle im Ruhrgebiet. Der Kohlefund führte dazu, dass sich Menschen hier angesiedelt haben und die Dorfgemeinschaft damit gewachsen ist Wer von Wackersdorf spreche, müsse eigentlich über zwei Orte reden: Alt-Wackersdorf, das 1950 wegen des Kohleabbaus umgesiedelt wurde, und das neue Wackersdorf.

„Glückauf“

  • Gruß:

    Noch heute begrüßen sich ältere Kumpel aus dem früheren Braunkohlentagebau der ehemaligen BBI (Bayerische Braunkohlen Industrie AG) mit dem traditionellen Knappengruß „Glückauf“.

  • Beiname:

    Mehrere Vereine tragen den Beinamen „Glückauf“ und auch die Bergmannskapelle hat ihren Ursprung in der früheren Knappenkapelle der BBI.

In den 70-er Jahren gehörte Wackersdorf zu einer der reichsten Gemeinden in Bayern. Diese Entwicklung nahmen auch Orte im Ruhrgebiet – aus Dörfern wurden Städte. Kohle brachte Reichtum und Wohlstand, die aber anfangs des 19. Jahrhunderts ungerecht verteilt waren. Die Rechts der Arbeitnehmer waren der Willkür der Arbeitgeber ausgesetzt. Damals gab es noch keine Interessenvertretungen. Wenige Jahre nach Beginn des Kohleabbaus in Wackersdorf fanden sich Männer zusammen, um die Bergarbeiter gewerkschaftlich zu organisieren, und schlossen sich dem christlichen Bergarbeiterverband an. Der Festredner bezeichnete die Anfänge der Gewerkschaft als mühevollen Weg, die Arbeitnehmer aus ihrer rechtlich schutzlosen Lage zu befreien. Die Männer der ersten Stunde waren deshalb das Fundament der gewerkschaftlichen Arbeit in der Region. Ziel war es, eine Gemeinschaft der Freien und Gleichen zu gestalten, was aber erst nach Ende des Ersten Weltkrieges gelang.

1919 eigenen Bezirk gegründet

Der Glaube an die eigene Kraft und der Wille waren damals Garant für die Entwicklung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. In den 80-er Jahren habe Wackersdorf zu spüren bekommen, was es bedeute, wenn der wichtigste Arbeitgeber seine Tätigkeit einstelle. Dieser Strukturwandel durchlebe man derzeit im Ruhrgebiet auch. Und es sei ein mühevoller Weg, aus der einstigen Montanregion eine starke Wirtschaftsregion zu formen.

In Wackersdorf sei dies gut gelungen, die Gemeinde zähle heute zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren der Region, sagte Eisberg. Hierzu habe die Gewerkschaft einen wichtigen Beitrag geleistet. Als „Kümmerer“ begleiten Gewerkschafter noch heute ihre Mitglieder und das sei ein Stück gelebter Solidarität, sagte Eisberg. Die IGBCE wolle für ihre Mitglieder nicht nur Ansprechpartner im Betrieb sein, sondern auch zuhause, als Versichertenberater der KBS, Hauskassier oder Funktionär. Zur Aufrechterhaltung der Ortsgruppen müsse man aber neue Ideen und Wirkungsmöglichkeiten entwickeln.

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