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Heimatgeschichte

Die WAA-Erinnerung kommt in Gang

Eine Infotafel am Brückelsee dient als Vorlage für zwei weitere Gedenktafeln, die der Schwandorfer Kreistag beschlossen hat.
Von Reinhold Willfurth

Eine von 31 Tafeln des „Wassererlebnisses Bodenwöhrer Senke“ widmet sich dem Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage.
Eine von 31 Tafeln des „Wassererlebnisses Bodenwöhrer Senke“ widmet sich dem Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage.Foto: Zwick

Schwandorf.Das Gedenken an den Kampf gegen die Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf wird an den Orten des Geschehens erlebbar gemacht: Dass dieser Kreistagsbeschluss mit Leben erfüllt wird, wurde knapp drei Monate nach dem einstimmigen Votum erstmals sichtbar – in Form einer Tafel, die im Rahmen des landkreisübergreifenden Wanderwegs „Wasserwege Bodenwöhr“ aufgestellt wurde und die u. a. an die wasserrechtlichen Aspekte der vor 26 Jahren gescheiterten Atomfabrik erinnern soll. Am Freitag stellten die Landräte Thomas Ebeling und Franz Löffler das Projekt in Neubäu vor.

Die Schautafel mit den Infos über die WAA, installiert in der Nähe des Brückelsees, könnte als Vorbild für die beiden anderen, vom Kreistag beschlossenen Gedenktafeln erinnern, sagt Hans Prechtl, Sprecher des Landkreises. Die Tafeln sollen möglichst noch in diesem Jahr an zwei geschichtsträchtigen Orten installiert werden: am Franziskusmarterl bei Altenschwand, einem zentralen Ort des friedlichen Widerstands, sowie vor dem Eingang zum geplanten Brennelementelager, das der BMW-Konzern heute für die Lagerung von Gelegen aus dem Hightech-Werkstoff Carbon nutzt.

Hitzige Diskussion im Kreistag

Der Entscheidung im Kreistag am 24. März war eine teilweise hitzige Diskussion über die Frage vorausgegangen, wie und an welchen Orten man des Widerstands gegen die WAA gedenkt. Die CSU-Fraktion ging mit der Meinung in die Sitzung, dass die Erinnerung daran am besten im neuen „Haus der bayerischen Geschichte“ aufgehoben ist, das gerade in Regensburg gebaut wird.

Die SPD hatte dagegen beantragt, zusätzlich eine Art Erinnerungspfad auf dem ehemals umkämpften Gelände im Taxölderner Forst zu bauen. Das gehe schon deshalb nicht, weil sich dort nach dem Aus für die Atomfabrik Industrie angesiedelt habe, die Einwände gegen die Erinnerung vor Ort habe, argumentierten CSU und Landrat Thomas Ebeling und wiesen einschlägige Stellungnahmen vor. Nachdem sich der Leiter des BMW-Standorts Wackersdorf, Thomas Dose, im Gespräch mit der MZ aber gegenüber einem würdigen Gedenken im Eingangsbereich des BMW-Werks durchaus aufgeschlossen gezeigt hatte und Grüne, ÖDP und Junge Wähler die Idee der SPD unterstützten, präsentierte Landrat Ebeling einen Kompromissvorschlag, mit dem am Schluss alle leben konnten.

25 Jahre Baustopp der WAA

Die Verwaltung wurde beauftragt, im Einvernehmen mit BMW, den Gemeinden Wackersdorf und Bodenwöhr sowie dem Grundstückseigentümer des Franziskus-Marterls die beiden Gedenktafeln zu planen. Auch die Fraktionsvorsitzenden sollen bei der Gestaltung ein Wörtchen mitreden. „Wir sind noch ganz am Anfang“, sagte stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl von der ÖDP, der sich auch als Kreisvize des Bunds Naturschutz für ein Gedenken vor Ort stark gemacht hatte.

Chronik und Fotos von Demos

Auf der Erinnerungstafel ist die Chronik der geplanten Atomfabrik von den ersten Plänen im Jahr 1981 bis zum endgültigen Baustopp durch die DWK am 31. Mai 1989 minutiös aufgelistet. Fotos von den Demonstrationen in Schwandorf und am Bauzaun illustrieren die Geschichte eines der umstrittensten Industrieprojekte der Bundesrepublik. „Da ist alles drauf“, sagte Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter am Freitag.

Bis die beiden anderen Gedenkschilder aufgestellt werden, kann es nach Angaben von Falter aber noch etwas dauern. Abstimmungsgespräche zwischen ihm, Landrat Ebeling, BMW, Gemeinde Bodenwöhr und der Familie Meier aus Altenschwand, dem Eigentümer des Grundstücks mit dem Franziskus-Marterls, seien noch nötig. BMW-Standortleiter Thomas Dose hat nach eigenen Angaben schon einen Termin vorgemerkt.

Der Anfang ist gemacht

  • Beschluss des Kreistags

    „1. Die Verwaltung wird beauftragt, sich bei der Konzeption des in Regensburg entstehenden Museums der Bayerischen Geschichte einzubringen und dafür einzusetzen, dass der Themenkomplex „WAA“ in seiner ganzen Bandbreite aufgenommen und dargestellt wird“. „2. Der Kreistag stimmt der Errichtung einer Erinnerungstafel im Innovationspark Wackersdorf in Abstimmung mit der Gemeinde Wackersdorf, dem Unternehmen BMW und dem Landkreis Schwandorf zu“. „3. Die Verwaltung wird beauftragt, a) die Möglichkeiten der Kennzeichnung des Franziskus-Marterls von der vorbeiführenden Kreisstraße aus sowie b) das Anbringen einer Erinnerungstafel am Franziskus-Marterl zu prüfen und soweit als möglich umzusetzen“.

  • Details

    „Die Kostenübernahme erfolgt durch den Landkreis Schwandorf.“ „Die Gemeinde Bodenwöhr, der Grundstückseigentümer sowie die Fraktionssprecher werden vonseiten des Landkreises in die Gestaltung der Erinnerungstafel eingebunden“. Der Wassererlebnisweg Bodenwöhrer Senke, ein Projekt der Wasserversorger in der Region und gefördert durch das EU-Programm LEADER, führt durch das gesamte Einzugsgebiet der Senke. Der Wanderweg erstreckt sich von Schwarzenfeld im Nordwesten bis nach Cham im Südosten des Einzugsgebietes und verbindet auf 60 Kilometern Länge alle Gemeinden, die daraus mit Wasser versorgt werden. 31 Informationstafeln an 17 Stationen wurden aufgestellt, die über das Trinkwasser, den Trinkwasserschutz und vieles mehr informieren. Die Tafeln sind jederzeit erreichbar.

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