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Entscheidung

Ein Stück BBI-Geschichte muss weichen

Die Mitglieder des Wackersdorfer Gemeinderats haben für den Abriss des Gemeinschaftshauses gestimmt. Sie wollen einen Neubau.
Von Johann Ippisch

Das gleiche Schicksal wie das Casablanca im Dezember 2014 erfährt nun auch der Rest des Gemeinschaftshauses der ehemaligen BBI. Damit verschwindet ein weiteres Relikt aus der jahrzehntelangen Braunkohlenära.
Das gleiche Schicksal wie das Casablanca im Dezember 2014 erfährt nun auch der Rest des Gemeinschaftshauses der ehemaligen BBI. Damit verschwindet ein weiteres Relikt aus der jahrzehntelangen Braunkohlenära. Foto: Ippisch

WACKERSDORF.Das ehemalige BBI-Gemeinschaftshaus wird dem Erdboden gleichgemacht. Der Gemeinderat von Wackersdorf sprach sich in seiner Sitzung am Mittwochabend für den Abriss und den Neubau einer Veranstaltungshalle aus.

Rund 40 Zuhörer verfolgten die Entscheidung des Gemeinderates. Gegen die Stimmen von Bürgermeister Thomas Falter und zwei Stimmen aus der CSU-Fraktion entschied sich das Gremium mit großer Mehrheit für einen Neubau und damit dem Abriss des Gemeinschaftshauses der Bayerischen Braunkohlen Industrie AG (BBI). Mit dieser Entscheidung wird eines der letzten Relikte der Braunkohleära dem Erdboden gleichgemacht. Inwieweit das Heimat- und Industriemuseum oder das jüngst aufgestellte Schwungrad einer Brikettpresse noch zum Neubau einer Veranstaltungshalle passt, bleibt abzuwarten. Zumindest zeigte sich der Großteil der Zuhörer, darunter sehr viele Mitglieder des Knappenvereins, die in Knappentracht erschienen waren, enttäuscht über die Entscheidung des Gemeinderates.

Bereits vor vier Wochen wurden dem Gremium drei Varianten vorgestellt: Sanierung des Gemeinschaftshauses, ein Neubau als Veranstaltungshalle mit 499 Plätzen sowie ein Neubau mit 599 Plätzen. Dabei kam zum Ausdruck, dass das Gemeinschaftshaus durchaus sanierungsfähig ist. Die Fraktionen hatten nun vier Wochen Zeit abzuwägen und zu analysieren.

Unumstritten war im Gremium, dass Wackersdorf eine Veranstaltungshalle benötige, nachdem in der Sporthalle eine deutliche Entlastung für den Sportbetrieb nötig sei. Auch bei ansässigen Firmen und Betrieben in Wackersdorf bestehe ein Interesse an Veranstaltungen. Zudem würden die Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinde gerade im kulturellen Leben deutlich gestärkt und es bestehe ein Bedarf auch für Veranstaltungen in der Größenordnung von 500 bis 600 Personen im Großraum Schwandorf – Wackersdorf – Steinberg am See besteht. Der Standort des ehemaligen BBI-Gemeinschaftshauses sei auch aus emmissionsschutzrechtlichen Gründen ideal.

Bürgermeister Thomas Falter machte sich für die Sanierung des Gemeinschaftshauses stark. Für ihn stellte sich die Frage, ob der Gemeinderat den Neubau einer Veranstaltungshalle überhaupt wolle. Mit dem ehemaligen BBI-Gemeinschaftshaus verfüge Wackersdorf über ein Alleinstellungsmerkmal. Die Sanierung würde ein Bekenntnis zu den Wurzeln der Gemeinde darstellen.

Auch Helmut Kraus, Fraktionssprecher der CSU, entschied sich nach langer Abwägung für die Sanierung des ehemaligen BBI-Gemeinschaftshauses. Er bewertete die Chancen des Erhalts wegen der Verbindung zur Geschichte von Wackersdorf stärker als die Nachteile, die sich gegenüber einem Neubau ergeben würden. „Das Gebäude stammt aus einer Epoche, die für Wackersdorf sehr wichtig war“, so Kraus.

Anders seine Kollegen aus den Fraktionen den Freien Wählerschaft und der SPD. Alfred Jäger (FW) und seine Fraktion entschieden sich einstimmig für den Neubau einer Veranstaltungshalle. „Die Gestaltungsmöglichkeiten bei einem Neubau bieten in jeglicher Hinsicht mehr Freiraum“, sagte Jäger. Ein Neubau biete auch Möglichkeiten, Tradition und Moderne zu verbinden.

Auch die SPD-Fraktion sprach sich für den Neubau einer Veranstaltungshalle mit 599 Sitzplätzen aus. Gründe für die SPD-Fraktion waren laut Günther Pronath die Wirtschaftlichkeit, Zukunftsfähigkeit, Platzierung und Infrastruktur. „Letztendlich macht es meiner Meinung nach wenig Sinn, wenn selbst bei einer Sanierung bis auf die Außenmauern und Teile der Bühne ohnehin nichts mehr im Original erhalten bleibt!“, sagte Pronath.

Bürgermeister Thomas Falter zeigte sich nach der Abstimmung doch ziemlich bedrückt, hatten doch zwei Fraktionskolleginnen und ein Fraktionskollege für einen Neubau gestimmt. „Ich werde die Entscheidung akzeptieren, auch wenn es mir persönlich schwer fällt“, lautete sein Schlusskommentar zum Tagesordnungspunkt.

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Die Mitglieder des Wackersdorfer Gemeinderats haben für den Abriss des Gemeinschaftshauses gestimmt. Sie wollen den Neubau einer Veranstaltungshalle.

Die drei Varianten

  • Sanierung des ehemaligen BBI-Gemeinschaftshauses:

    Kosten 1 285 000 Euro; Maximale Bestuhlung 499 Sitzplätze.

  • Neubau einer kleineren Veranstaltungshalle:

    Kosten 1 380 000 Euro; Maximale Bestuhlung 499 Sitzplätze.

  • Neubau einer größeren Veranstaltungshalle:

    Kosten 1 495 000 Euro; Maximale Bestuhlung 599 Sitzplätze.

  • Bei den Kosten

    handelt es sich rein um die Bauwerkskosten ohne technische Anlagen, Außenanlagen und Ausstattung, um die Vergleichbarkeit zwischen Sanierung und Neubau herstellen zu können.

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