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Erinnerung

Lektion in neuer deutscher Geschichte

Zuerst umstritten, dann beschlossen: Der Landkreis hat die erste Infotafel über Aufstieg und Niedergang der WAA aufgestellt.

BMW-Werksleiter Thomas Dose, Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Thomas Falter vor der Infotafel. Im Hintergrund das einstige Brennelementlager.
BMW-Werksleiter Thomas Dose, Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Thomas Falter vor der Infotafel. Im Hintergrund das einstige Brennelementlager.

Wackersdorf.Noch immer ragen links und rechts der Karl-Rapp-Straße unübersehbar die monumentalen Gebäude auf, die einst für die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf (WAA) hochgezogen wurden. Fast könnte man auf dem Gehsteig zwischen dem ehemaligen Brennelemente-Eingangslager und dem sogenannten Modul-stand die neue Infotafel übersehen, die die Geschichte der Atomfabrik erläutert und mit Fotos illustriert.

Dabei ist diese Tafel, die am Mittwoch von Landrat Thomas Ebeling, Bürgermeister Thomas Falter, dem BMW-Werksleiter Thomas Dose und vielen Gästen eingeweiht wurde, nicht einmal klein geraten. Es gibt darauf viel zu erzählen, so dass von der Geschichte der WAA und des Widerstands dagegen nur mittels knapper Daten erzählt werden kann – vom Beschluss deutscher Politiker, eine Wiederaufbereitungsanlage zu errichten, bis zum endgültigen Aus knapp zehn Jahre später, am 31. Mai 1989.

Unter anderem um diese Infotafel entwickelte sich im Kreistag eine emotionale Debatte, in der sich schemenhaft alte Gräben auftaten. Der Antrag der SPD-Fraktion, 25 Jahre nach dem Ende der WAA am Ort des Geschehens eine Art Erinnerungsweg mit Infotafeln zu bauen, fiel im Kreisausschuss zunächst sang- und klanglos durch. Landrat Thomas Ebeling (CSU) und die CSU-Fraktion stellten sich auf den Standpunkt, der beste Erinnerungsort für das historische Ereignis sei das künftige Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg.

Im Kreistagsplenum wurden dann die Diskussion noch einmal neu belebt, nachdem die SPD auf einen Erinnerungsweg auf dem Firmengelände verzichtete. Auch einstige Anti-WAA-Kämpfer wie Arnold Kimmerl (ÖDP) oder Jakob Scharf (CSU) machten sich für Gedenkformen vor Ort stark. Nachdem auch BMW-Werkleiter Thomas Dose seinen Segen für eine Infotafel vor seiner Haustür gegeben hatte, einigte man sich auf einen Kompromiss: Der Landkreis errichtet erstens eine Gedenktafel vor dem BMW-Werk sowie zweitens eine beim Franziskus-Marterl, auf das drittens neue Schilder hinweisen sollen.

Für Landrat Ebeling ist der Kompromiss ein Indiz für das „gute Gesprächsklima“ im Kreistag. Auch SPD-Fraktionsvorsitzende Evi Thanheiser zeigte sich froh über das Ergebnis der Diskussion, auch wenn es für sie nur „ein erster Schritt“ sei. BMW-Werksleiter Dose wies auf die Erfolgsgeschichte des Wackersdorfer Werks hin. Das Thema WAA aber werde an diesem Standort „immer präsent“ sein.

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