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Tiere

Wenn es „Bello“ im Rücken zwickt

Neue Anlaufstelle für geplagte Vierbeiner und ihre Besitzer: Rebecca Gnesner ist Physiotherapeutin für Hunde in Nittenau.
Von Cornelia Lorenz

Rehpinscherhündin Lucy hat Probleme mit den Bandscheiben. Bei Rebecca Gnesner übt sie mit Hilfe von Hindernissen die richtigen Bewegungsabläufe mit den Hinterbeinen.
Rehpinscherhündin Lucy hat Probleme mit den Bandscheiben. Bei Rebecca Gnesner übt sie mit Hilfe von Hindernissen die richtigen Bewegungsabläufe mit den Hinterbeinen. Foto: Lorenz

Nittenau.Rehpinscherhündin Lucy zittert. Nicht weil sie friert, sondern weil sie aufgeregt ist: Gleich darf sie zu Rebecca Gnesner auf den Behandlungstisch, um sich von ihr die Rückenmuskeln massieren zu lassen. Die 27-Jährige Neu-Nittenauerin weiß, wie sie Lucy, die Probleme mit den Bandscheiben hat, anfassen muss, und streicht ihr sanft über den Körper. Die gelernte Hunde-Physiotherapeutin ist kürzlich zusammen mit ihrem Mann aus dem Münsterland in die Regental-Stadt übergesiedelt und will nun in ihrer eigenen Praxis in Bergham schmerzgeplagten Vierbeinern dabei helfen, wieder gesund zu werden.

Modehunde mit Problemen

Dass Menschen, die Probleme mit dem Bewegungsapparat haben, zur Krankengymnastik gehen, ist nichts Ungewöhnliches. Doch dass auch Hunde Physiotherapie in Anspruch nehmen können, klingt zunächst kurios, ist aber durchaus logisch. Gnesner hat in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass häufig Rassehunde mit ihren ganz eigenen Problemen zu kämpfen haben. „Meist trifft es die Hunderassen, die häufig in der Werbung zu sehen sind“, sagt sie. Das liegt daran, dass die Nachfrage nach Welpen derart steigt, dass auch unseriöse und wenig verantwortungsvolle Züchter die Chance bekommen, ihre Tiere zu vermarkten - was insgesamt der Gesundheit der Rasse schadet. Derzeit seien zum Beispiel vermehrt Jack-Russel-Terrier von Problemen mit der Kniescheibe betroffen, sagt Gnesner.

Rebecca Gnesner geht mit den Hunden auch ins Wasser.
Rebecca Gnesner geht mit den Hunden auch ins Wasser. Foto: Gnesner

Um den Tieren bei ihren Problemen helfen zu können, braucht es viel Fachwissen. Auf die Idee, es sich auf professionelle Art anzueignen, kam Gnesner - wie könnte es anders sein - vor einigen Jahren aus Liebe zu ihrem eigenen Vierbeiner. Franka, eine Labradorhündin, bekam mit elf Jahren Arthrose in den Pfoten. Nur hoch dosierte Schmerzmittel konnten damals die Beschwerden des Tiers lindern, führten aber auch dazu, dass sie extreme Magenprobleme bekam. Als Gnesner nahegelegt wurde, Franka einschläfern zu lassen, weigerte sie sich strikt, diesen drastischen Weg zu beschreiten. „Ich wollte stattdessen schnell lernen, ihr zu helfen“, sagt Gnesner.

Nach einer OP müssen die Gelenke wieder mobilisiert werden:

Doch wie? Denn eigentlich hatte sie eine Ausbildung zur Bauzeichnerin absolviert. Aber um ihrer Hündin zu helfen, machte sie noch einige Lehrgänge und eine einjährige Ausbildung zur Hunde-Physiotherapeutin. „Bald konnte ich bei ihr die Schmerzmitteldosis halbieren, und sie hatte noch zwei Jahre ein schönes Leben“, sagt Gnesner.

Eine richtige Ausbildung

Ihr Ziel, Tieren in Not effektiv therapieren zu können, hat sie somit erreicht. „Mir war es wichtig, dass ich nicht nur ein paar Wochenendkurse mache, sondern eine richtige Ausbildung“, sagt sie. Mit dem Fachwissen, das sie sich innerhalb der zwölfmonatigen Phase angeeignet hat, ist Gnesner nun auf alle Probleme, die einen Hund an seinem Bewegungsapparat plagen können, vorbereitet. Das geht von Schwierigkeiten mit der Hüfte über Kreuzbandrisse bis hin zu Arthrose.

„Früher war Lucy eine Rennsemmel. Und dann konnte sie vor lauter Schmerzen plötzlich nicht mehr Treppen steigen.“

Lucys Frauchen Christine Strübin

Und manchmal zwickt es einfach – so wie bei vielen Menschen und der mit ihren zwölf Jahren schon etwas reiferen Rehpinscher-Dame Lucy – gehörig in der Bandscheibe. Lucys Frauchen Christine Strübin aus Altenschwand hat mit ihrer Hündin in den letzten Wochen einiges erlebt. „Früher war Lucy eine Rennsemmel. Und dann konnte sie vor lauter Schmerzen plötzlich nicht mehr Treppen steigen“, sagt sie. Der Tierarzt habe den Verdacht geäußert, dass ein drohender Bandscheibenvorfall hinter den Beschwerden stecken könnte.

Nach einer Handvoll Physiotherapie-Sitzungen habe sich Lucys Zustand deutlich gebessert, sagt Strübin. Mittlerweile brauche sie keine Schmerztabletten mehr, sei wieder richtig lebhaft geworden und könne schon wieder weite Strecken zu Fuß laufen.

Bewegungen trainieren

Um das zu erreichen, hat Gnesner regelmäßig Lucys verspannte Rückenmuskeln massiert und zum Beispiel auf einem kleinen Parcours aus Stangen mit ihr geübt, wie sie die Hinterbeine richtig heben muss. Gebissen oder gezwickt worden ist Gnesner bei der Behandlung ihrer vierbeinigen Patienten noch nie. „Ich achte auf die kleinsten Anzeichen beim Massieren, zum Beispiel ein Zucken oder eine Kopfbewegung“, sagt sie.

In den nächsten Monaten will sie ihren Patientenstamm in der Region ausweiten. Sorgen, dass zu wenig Kundschaft den Weg in ihre Praxis finden könnte, macht sie sich nicht. Hunde-Physiotherapeuten gibt es in der Region schließlich nur sehr wenige. Als zweites Standbein hat Gnesner außerdem in ihre Praxisräumen einen Shop für gesundes Hunde- und Katzenfutter integriert. Zugute kommen dürfte Gnesner auch, dass viele Hundehalter bereit sind, für ihre Tiere Geld auszugeben, wenn ihnen dadurch geholfen werden kann. „Sie sind doch wie echte Familienmitglieder“, sagt Christine Strübin.

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Schmerzen beim Hund erkennen

  • Viele Hunde

    versuchen, körperliche Schmerzen nicht zu zeigen. Als Rudeltiere haben sie Angst davor, ausgeschlossen zu werden, wenn sie Schwäche zeigen.

  • Warnsignale

    gibt es dennoch viele: Das Tier steht langsamer auf als gewöhnlich, spielt nicht mehr so gern und wird schneller müde. Es meidet Treppen, springt nicht mehr ins Auto oder auf das Sofa.

  • Manche Tiere

    lassen sich bei Schmerzen nicht mehr so gern streicheln wie sonst oder fressen plötzlich viel mehr oder weniger als üblich. Auch Änderungen im Verhalten können ein Hinweis auf Schmerzen sein. Um Klarheit zu bekommen, empfiehlt Gnesner einen Besuch beim Tierarzt. Bevor sie einen Hund behandelt, legt sie Wert darauf, dass er dort gründlich untersucht wurde.

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