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Glaube

Gedenktag zu Ehren des Heiligen Sebastian

Weil der römische Soldat Winklarn vor der Pest bewahrte, feiert der Markt seither ein Fest. Viele Gläubige kamen in die Kirche.
von Annemarie Mösbauer

Geistlichkeit, Ministranten, Fahnenabordnungen und die Sebastiansträger mit der Statue Foto: Mösbauer
Geistlichkeit, Ministranten, Fahnenabordnungen und die Sebastiansträger mit der Statue Foto: Mösbauer

Winklarn.Nach alter Tradition wurde das Sebastiansfest wieder gefeiert. Die mit Münzen und Rosenkränzen behangene Statue des Heiligen Sebastian auf einem Gestell mit Blumen und Tannengrün trugen vier junge Männer in Frack, Zylinder und mit weißen Handschuhen von der Mariensäule aus mit Blasmusik und unter Orgelklängen in die Pfarrkirche ein.

In seinen einführenden Worten ging der Pfarrer Eugen Wismeth auf den geschichtlichen Hintergrund dieses Festes ein. Es sei nicht der Fasching, der junge Burschen in Frack und Zylinder schlüpfen lässt, sondern die Erfüllung eines Gelübdes. 1635 starben viele Menschen an der Pest. So versprachen die Vorfahren jedes Jahr das Fest des Heiligen Sebastian mit Festgottesdienst und Prozession zu feiern. Die Krankheit verschwand und die Tradition wird weiter geführt, obwohl diese Krankheit kein Problem mehr in unserer Zeit ist.

Tiefgründiger ging der Festprediger auf Tradition ein. Er veranschaulichte dies an Hand einer Geschichte: In einem Kloster gab es eine Katze, die die Mönche beim Beten störte. Da beschloss der Klostervorsteher, das Tier während des Abendgebetes draußen anzubinden. Das geschah auch weiter, als der Klostervorsteher starb. Irgendwann starb auch die Katze und die neue wurde ebenfalls angebunden. Dann wurde auch das Abendgebet abgeschafft, die Katze blieb aber trotzdem angebunden.

Diese Geschichte sollte anregen, über Tradition nachzudenken. So fragte der Geistliche: „Sind Traditionen in unserem Leben verwurzelt? Verstehen wir sie oder sind sie nur noch leere Hüllen ohne Sinn? Warum feiern wir noch immer diesen Tag?“ Die Antwort finde man beim Heiligen Sebastian und seinem Leben. Der christliche Glaube war im Römischen Reich verboten, aber Sebastian glaubte trotzdem an Christus. Diese Standhaftigkeit wurde ihm jedoch zum Verhängnis, der Kaiser ließ ihn an einen Baum binden und mit spitzen Pfeilen beschießen. „Die Festlichkeit kann uns helfen, dass wir uns anstecken lassen, zu unserem Glauben zu stehen.“

Der Geistliche ermunterte: „Wenn wir keine Oster- oder Weihnachtschristen sind, lassen wir uns auch anstecken, Christ zu sein, auch wenn es nicht so richtig passt.“ Er wünschte noch viele Sebastianitage, um die Tradition bewusst weiter zu tragen, „damit diese nicht eines Tages zu einer angebundenen Katze wird.“

Mit der eucharistischen Prozession um den Marktplatz wurde der Festtag beendet. Es ertönte das Sebastianslied in der Kirche: „Stimmt Christen froh ein Loblied ein. Lobsinget St. Sebastian! Von Wunderkraft umgeben, Pestkranker Schutz und Leben.“

Pfarrer Eugen Wismeth dankte allen, die zum festlichen Ablauf beitrugen, dem Kirchenchor, der Blaskapelle Kunschir, den Vereinen und allen, die im Hintergrund arbeiteten. Neben zahlreichen Gläubigen und vielen Sebastians-Verehrern feierten auch mehrere Kinder den Festtag mit.

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