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Kriminalität

Anwalt fordert im Nachhinein Alkoholtest

Sechs Jahre nach einem sexuellen Missbrauch soll ein Gutachter klären, ob ein Mann aus dem Raum Schwandorf betrunken war.
Von Reinhold Willfurth

Ein Gutachter soll klären, ob ein 38-Jähriger beim sexuellen Missbrauch eines Säuglings betrunken und damit beschränkt schuldfähig war – sechs Jahre nach der Tat. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Ein Gutachter soll klären, ob ein 38-Jähriger beim sexuellen Missbrauch eines Säuglings betrunken und damit beschränkt schuldfähig war – sechs Jahre nach der Tat. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Schwandorf.Ein Gutachter soll klären, ob ein 38-Jähriger beim sexuellen Missbrauch eines Säuglings betrunken und damit beschränkt schuldfähig war – sechs Jahre nach der Tat. Sein Anwalt Michael Haizmann setzte bei der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Amberg durch, dass der Mann aus dem südlichen Landkreis Schwandorf daraufhin untersucht werden soll. Bis dahin bleibt die Verhandlung ausgesetzt. Das bestätigte Gerichtssprecher Uli Hübner.

Das Amtsgericht Schwandorf verurteilte den mutmaßlichen Täter vor einem Jahr zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Das Gericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger sah es als erwiesen an, dass der damals 33-Jährige und seine damals 26-jährige Freundin das drei Monate alte Kind der 26-Jährigen für gemeinsame sexuelle Spiele missbraucht haben. Die 26-jährige schwangere Frau verurteilte das Gericht zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung.

Strafantrag drei Jahre nach der Tat gestellt

Die Frau stellte 2015, also drei Jahre nach der Tat, einen Strafantrag gegen ihren Freund. Beweismittel für das Gericht waren Videoaufnahmen, die zunächst gelöscht, aber von Kriminalbeamten akribisch rekonstruiert worden waren. Die Aufnahmen zeigten laut Gericht den Angeklagten, wie er seine Freundin aufforderte, an ihrem Kind sexuelle Handlungen vorzunehmen –strafbar als schwerer sexueller Missbrauch an Kindern. Das Urteil wollte der Mann nicht akzeptieren.

Er sei kein Kinderschänder, ließ der Mann über seinen Anwalt Haizmann ausrichten. Dieser regte bei der Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Amberg an, eine Bewährungsstrafe zu verhängen. Darauf ließ sich das Gericht unter Vorsitz von Gerd Dreßler allerdings nicht ein, wohl aber auf eine Prüfung, ob der Angeklagte damals unter Alkoholeinfluss gestanden hat.

Ergebnis in drei Monaten erwartet

Freiheitsstrafen ab zwei Jahren werden in der Regel nicht zur Bewährung ausgesetzt. „Wenn es um Haft geht, muss man alle Register ziehen“, sagte Haizmann auf Anfrage der Mittelbayerischen. Die Einschränkung der Steuerungsfähigkeit bei seinem Mandanten sei möglich gewesen, das werde der Gutachter klären. „Bei jedem Drogendelikt werde das geprüft, also müsse das auch hier möglich sein“, so Haizmann. Bis in drei Monaten erwartet Richter Dreßler das Ergebnis des Gutachters.

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