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Mord

Arglose Frau im Streit hingerichtet

Das Urteil im Prozess gegen den Todesschützen aus Maxhütte ist gefallen: Der 45-Jährige muss lebenslänglich hinter Gitter.
Von Cornelia Lorenz

Lebenslänglich für den Angeklagten: Er wurde wegen Mordes verurteilt. Foto: scl
Lebenslänglich für den Angeklagten: Er wurde wegen Mordes verurteilt. Foto: scl

Maxhütte-Haidhof. Es war eine regelrechte Hinrichtung, die sich am Morgen des 31. Mai 2016 in der kleinen Wohnung in der Imigstraße in Maxhütte-Haidhof abgespielt hat – zu diesem Schluss kam die Staatsanwaltschaft am Montag nach vier intensiven Tagen der Beweisaufnahme vor dem Amberger Landgericht. Akribisch hatte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber zuvor die tödlichen Schüsse auf eine 59-jährige Frau aus Maxhütte beleuchtet – und schloss sich am Ende den Forderungen des Leitenden Oberstaatsanwaltes Joachim Diesch an: Der Angeklagte, ein heute 45-Jähriger aus Maxhütte, muss wegen Mordes an seiner Freundin lebenslänglich hinter Gitter. Zuvor hatte er erstmals im Prozess sein Schweigen gebrochen und sich bei der Familie der getöteten Frau entschuldigt. „Was ich gemacht habe, kann ich nicht wieder gutmachen“, sagte er.

Angehörige wollen Gerechtigkeit

Bei den Angehörigen des Opfers, die um ihre Mutter trauern, hatte die Verhandlung die alten Wunden neu aufgerissen. Und auch die Worte des Angeklagten trafen sie schwer. Das machte ihr Anwalt, Nebenklägervertreter Georg Dorn, deutlich. „Die Angehörigen erwarten ein gerechtes Urteil und sie wollen wahrheitsgemäß erfahren, wie die letzten Momente im Leben ihrer Mutter abliefen, was ihre letzten Worte waren“, sagte er und appellierte an den Angeklagten, endlich reinen Tisch zu machen.

„Was ich gemacht habe, kann ich nicht wieder gutmachen.“

Der Angeklagte

Zuvor hatte der leitende Oberstaatsanwalt gut 45 Minuten lang dargelegt, wie es aus seiner Sicht zu der Bluttat in der Wohnung des Opfers gekommen sein muss. Mit dem Angeklagten war die 59-jährige Frau zu diesem Zeitpunkt noch kein halbes Jahr liiert gewesen. Aufgrund des Altersunterschieds sei die Beziehung von Anfang an nicht einfach gewesen. Besonders die Alkoholexzesse des arbeitslosen Angeklagten hätten das Verhältnis immer wieder schwer belastet – zuletzt habe die Frau sogar die Trennung ausgesprochen. Doch trotz regelmäßiger lautstarker Streitigkeiten habe das Opfer von der Gefahr, in der es an diesem Tag schwebte, nichts geahnt. „Er tut mir nichts“, habe die Frau gegenüber Bekannten immer wieder arglos gesagt, betonte Diesch.

„Es war der finale Schuss“

Bei Thanstein, nahe Neunburg vorm Wald, verlor der damals 44-jährige Täter auf der Flucht die Kontrolle über das Auto und überschlug sich. Foto: Baumgarten/MZ-Archiv
Bei Thanstein, nahe Neunburg vorm Wald, verlor der damals 44-jährige Täter auf der Flucht die Kontrolle über das Auto und überschlug sich. Foto: Baumgarten/MZ-Archiv

Dass der Angeklagte an jenem verhängnisvollen Morgen mit einer halbautomatischen geladenen Waffe in der Tasche zu der Frau kam, um sie zu töten, weil sein Leben immer mehr aus der Bahn geriet und er einen Schlussstrich setzen wollte (siehe Infokasten), stand für Diesch nach der Beweisaufnahme außer Zweifel. Der dritte Schuss aus nächster Nähe – laut Gutachten waren es zwei Zentimeter – durchschlug ihre Lunge. „Es war der finale Schuss, den er gesetzt hat, um sie zu töten“, erklärte Diesch.

„Es war der finale Schuss, den er gesetzt hat, um sie zu töten.“

Oberstaatsanwalt Joachim Diesch

Verteidiger Martin Gelbricht hatte den Fall ganz anders bewertet: Er plädierte auf Totschlag und hielt eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und zehn Monaten für schuldangemessen. „Es war eine Spontantat“, betonte er. Der Angeklagte sei nicht mit dem Ziel zum Opfer gekommen, es zu töten. Vielmehr habe er sich an diesem Morgen aufgrund seines Alkohol-, Schmerz- und Schlafmittelkonsums in Kombination mit Übermüdung und seiner grundsätzlichen leichten Reizbarkeit in einem psychischen Ausnahmezustand befunden.

Wie der Verteidiger außerdem erläuterte, habe der Angeklagte die Waffe an diesem Tag nicht selbst mitgebracht. Diese habe sich schon in der Wohnung des Opfers befunden. Als die beiden in Streit gerieten, hat sich laut Gelbricht dann der erste Schuss gelöst. Von Heimtücke oder niederen Beweggründen, die Kennzeichen eines Mordes sind, könne man nicht sprechen. „Mein Mandant hat die tödlichen Verletzungen nicht realisiert“, betonte er.

Keinen Bezug zur Realität

Stattdessen hat er sich laut Gelbricht auf den Heimweg gemacht und ist dann zu seiner Irrfahrt aufgebrochen. „Er fuhr 40 Kilometer ziellos durch die Gegend – das passt nicht zu Suizidplänen“, sagte er. Außerdem widersprach er deutlich den Ausführungen der Staatsanwaltschaft, wonach der Angeklagte sich zum Tatzeitpunkt trotz seines Alkoholpegels „ganz normal“ verhalten habe. Der 45-Jährige habe zu dem Zeitpunkt vielmehr keinen Bezug zur Realität gehabt, weshalb er bei seinen ersten Vernehmungen auch immer wieder Erinnerungslücken gehabt habe.

Die Polizei hatte den Angeklagten quer durch zwei Landkreis verfolgt:

Großeinsatz der Polizei in Maxhütte-Haidhof und quer durch zwei Landkreise Video: Baumgarten

Die Richterin ließ sich von diesen Argumenten nicht beeindrucken. Sie kam zu dem Schluss, der Angeklagte habe seine Freundin heimtückisch ermordet, weil sie nicht mehr bereit war, die Beziehung fortzusetzen. „Wenn man so auf jemanden schießt, dann will man auch, dass er tot ist“, stellte sie klar.

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Alkoholsucht führte zur Katastrophe

  • Der Angeklagte

    hat sich nach Auffassung des leitenden Oberstaatsanwalts Joachim Diesch zum Tatzeitpunkt in einer für ihn ausweglosen Situation befunden, in die er sich seit dem Jahr 2012 aufgrund seines steigenden Alkoholkonsums selbst hineinmanövrierte. „Die Ordnung in seinem Leben ist ihm restlos entglitten“, betonte Diesch. Der 45-Jährige sei vorher nie straffällig geworden und habe auch seinen Lebensunterhalt immer selbst verdient. Sein Absturz hat laut Diesch begonnen, als er wegen häufiger Trunkenheit immer wieder seinen Arbeitsplatz und den Führerschein verlor.

  • In Konflikt

    mit dem Gesetz kam der Angeklagte bereits mehrmals wegen Trunkenheit am Steuer. Außerdem hat er laut Diesch eine Ex-Freundin gestalkt. Zum Tatzeitpunkt schwebte der Vollzug einer siebenmonatigen Freiheitsstrafe über ihm, die Chance auf einen vernünftigen Job war in weite Ferne gerückt. Am Vorabend der Tat erwischte ihn erneut eine Polizeistreife mit 2,97 Promille am Steuer. „Er war ohne Perspektive, voll am Boden“, sagte Diesch. Da habe er den Plan gefasst, seine Freundin zu töten und danach sich selbst – was er aber dann nicht bis zum Ende durchgezogen habe.

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