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Prozess

Einnicken kostete 16-Jährige das Leben

Ein 25-Jähriger hatte 2016 wegen Übermüdung einen Unfall bei Wackersdorf verursacht. Nun stand der Mann vor Gericht.
Von Stefan Barte

Der Angeklagte wurde verurteilt zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 60 Euro und drei Monaten Fahrverbot. Foto: dpa
Der Angeklagte wurde verurteilt zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 60 Euro und drei Monaten Fahrverbot. Foto: dpa

Schwandorf.Keine leichte Entscheidung hatte Strafrichter Thomas Heydn am Montag im Amtsgericht Schwandorf zu treffen, als er über die rechtliche Würdigung der Verkehrstragödie auf der B85 bei Wackersdorf vom 8. Februar 2016 zu entscheiden hatte. Bei diesem schweren Verkehrsunfall kam ein 16-jähriges Mädchen ums Leben, ihre Mutter wurde schwerstverletzt. Der Unfallverursacher, ein 25-jähriger Mann, erlitt hingegen nur leichte Verletzungen. Er war auf der B85 von Heselbach in Richtung Wackersdorf gegen 15.15 Uhr unterwegs und geriet dabei mit seinem Toyota auf die Gegenfahrbahn. Er stieß frontal mit dem Suzuki der 50-jährigen Frau zusammen.

Während des Prozesses wurde zunächst versucht, den Unfallhergang zu rekonstruieren und die Begleitumstände zu ermitteln. Unfallursache war ein kurzes Einnicken des Toyota-Fahrers, der nach einer ausgiebigen Feier am Wochenende in Regensburg und dem anschließenden Arbeitstag am Montag übermüdet war und während der Heimfahrt kurz wegnickte. Dabei war er auf die Gegenfahrbahn geraten und mit zirka 75 bis 80 km/h frontal auf das entgegenkommende Fahrzeug aufgefahren. Nach dem Gutachten des technischen Sachverständigen war ein Ausweichmanöver bei dieser Geschwindigkeit und der Einnickphase nicht mehr möglich.

Beschuldigter hätte nicht mehr Autofahren dürfen

Der medizinische Sachverständige führte zudem aus, dass bei einem gesunden Mann in diesem Alter der zunächst im Raum stehende „Sekundenschlaf“ nicht möglich sei und ein Bemerken der Ermüdungserscheinungen vor der Fahrt „als registrierbare Anzeichen“ wahrnehmbar gewesen wären. Damit hätte der Beschuldigte nach seiner Auffassung nicht mehr Auto fahren dürfen.

„Nichts ist mehr so wie es war.“

Die Mutter des toten Mädchens

Der medizinische Gutachter trug auch seine Untersuchungsergebnissen bezüglich des Todes der 16-Jährigen vor. Sie sei an einem schweren Schädel-Hirn-Trauma verstorben, das sie beim Aufprall auf die Rücksitzlehne des Fahrersitzes erlitten hatte. Das Mädchen saß zum Unfallzeitpunkt hinter der Mutter auf der Rückbank. Die zentrale Frage, ob sie dabei angeschnallt war, wie zunächst behauptet, wurde durch das Untersuchungsergebnis widerlegt. Es waren keine sogenannten Gurtprellmarken feststellbar. Auch fahrzeugseitig konnten am Gurtband und an der Gurtzunge keine „Anschmelzspuren“ gefunden werden. Diese hätten jedoch, wenn sie angeschnallt gewesen wäre, gefunden werden müssen.

Während der Beweisaufnahme und im Prozessverlauf wurde jedoch deutlich, dass alle Unfallbeteiligten seit dem Unglückstag darunter enorm zu leiden hatten. „Nichts ist mehr so wie es war“, sagte die Mutter unter Tränen. Sie hatte schwerste Verletzungen davongetragen, die vom Schlaganfall bis zu zahlreichen Brüchen reichten. Sie habe seitdem Angstzustände, Gedächtnisprobleme und bleibende Schäden.

Mutter und Beschuldigter sprachen sich aus

Auch der Unfallverursacher könne nicht mehr richtig schlafen und müsse ständig an das Geschehene denken. Er entschuldigte sich mehrmals und wolle alles gern rückgängig machen, aber es gehe ja leider nicht. Noch vor der Urteilsverkündung sprachen sich die Mutter und der Beschuldigte im Vier-Augen-Gespräch aus.

Vor diesem Hintergrund fiel auch das Urteil entsprechend aus. Richter Heydn verhängte eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 60 Euro und drei Monate Fahrverbot. Er blieb damit weit unter der geforderten Strafe von Staatsanwältin Franziska Wilhelm, die eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung, 3000 Euro Geldstrafe, zwölf Monate Fahrerlaubnisentzug und eine dreijährige Bewährung forderte. Heydn berücksichtigte viele Aspekte dieses tragischen Unfalles. „Er ist weder ein Krimineller, noch hatte er Punkte in Flensburg, noch hatte er Alkohol getrunken oder am Handy gespielt. Er hat nur die Situation falsch eingeschätzt“, resümierte Heydn.

Mal skurril, teils schockierend und immer spannend: Regelmäßig berichtet die Schwandorfer Lokalredaktion aus dem Amts- und Landgericht. Hier finden Sie alle Berichte.

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