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Justiz

Mit blutverschmierten Händen gewartet

Polizisten schilderten am Tag zwei im Mordprozess gegen einen 48-Jährigen aus Wernberg die Situation am Tatort.
Von Cornelia Lorenz

Der Angeklagte (Mitte) muss sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts Amberg verantworten. Foto: Willfurth
Der Angeklagte (Mitte) muss sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts Amberg verantworten. Foto: Willfurth

Wernberg.Es waren die Angst, seine beiden Kinder zu verlieren – und die Wut auf seine Ehefrau, die einen 48-Jährigen aus Wernberg-Köblitz dazu trieben, die 31-jährige Thailänderin mit einem Küchenmesser sechsmal in den Bauch zu stechen. Doch warum der Streit zwischen den Eheleuten sich diesmal nicht beilegen ließ und stattdessen in einer Bluttat mündete, war am zweiten Prozesstag am Montag vor dem Landgericht Amberg eine zentrale Frage. Beantworten lässt sie sich nur schwer, denn der Angeklagte kann sich an die Details kaum erinnern. Zugestochen haben will er auf dem Dachboden des gemeinsamen Hauses an jenem verhängnisvollen Abend des 20. März wie in Trance. Bei seiner Vernehmung bei der Polizei hatte der Mann die Tat selbst drastisch kommentiert. „Das macht doch kein Mensch“, hatte er einem Beamten gegenüber gesagt.

Für die Frau kam jede Hilfe zu spät

Im Zeugenstand kamen am Montag eine ganze Reihe von Polizeibeamten zu Wort, die an den Tatort gerufen worden waren. Mit blutverschmierten Händen wartete der Angeklagte damals bereits auf die Einsatzkräfte, die er selbst alarmiert hatte. Für seine schwer verletzte Frau kam jede Hilfe zu spät (sieh‹e Infokasten).

Die geladenen Polizeibeamten schilderten unisono, dass der Angeklagte bei der Festnahme keinerlei Widerstand geleistet habe, sondern sich sehr kooperativ verhalten habe. Auch habe er sofort zugegeben, seiner Frau ein Messer in den Bauch gerammt zu haben. Weil der 48-Jährige nach Alkohol roch, unterzogen ihn die Beamten einem Test. Dieser ergab einen Blutalkoholspiegel von 0,68 Promille. Ausfallerscheinungen hatten die Polizisten bei ihm nicht beobachtet. Der Mann habe gefasst gewirkt und „geordnet“ von den dramatischen Ereignissen auf dem Spitzboden des Hauses berichtet.

Der Streit begann schon am Nachmittag

Seine Frau soll ihm an jenem Abend wieder einmal damit gedroht haben, ihn zu verlassen und mit den beiden gemeinsamen Kindern nach Thailand zu ziehen – und habe dies diesmal definitiv in die Tat umsetzen wollen. Als die Frau auf den kleinen Spitzboden gestiegen sei, wo sie ihre Reisekoffer verwahrte, wurde das dem Angeklagten zu viel. Er habe er die Situation klären wollen, zitierte ein Beamter die Aussagen des Angeklagten.

Der Streit mit tödlichem Ausgang hatte an jenem Abend offenbar schon nachmittags begonnen, als die Eheleute bei einem befreundeten Paar zu Besuch waren. Dort soll die 31-Jährige ihren Mann dafür beschimpft haben, dass die Tochter ihm vom Schoß gerutscht sei. Zuhause setzte sich der Streit dann nahtlos fort. Der Angeklagte sagte aus, seine Frau sei immer wilder geworden und habe ihm zweimal ins Gesicht geschlagen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Mehr zum Prozess lesen Sie in Kürze unter www.mittelbayerische.de/schwandorf.

Weitere Berichte aus dem Gerichtssaal in Schwandorf und Amberg lesen Sie hier.

Opfer ist am Tatort verblutet

  • Ein Rechtsmediziner

    stellte bei der Untersuchung des Leichnams der 31-Jährigen fest, dass sie sechs Messerstiche in den Rumpf bekommen hatte. Tatwaffe war ein Keramikmesser mit einer 12,5 Zentimeter langen Klinge, das der Angeklagte aus der Küche mit auf den Dachboden genommen hat. Wie oft er zugestochen hat, daran konnte sich der Angeklagte danach nicht mehr erinnern.

  • Als Todesursache

    nannte der Mediziner Verbluten. Die Messerstiche hatten das Opfer in der linken Brust und im Oberbauch getroffen und dort Leber, Magen, Zwerchfell und die Hauptschlagader verletzt. Auch am Hinterkopf und an den Unterarmen stellte der Rechtsmediziner Verletzungen fest. Letztere dürften dabei entstanden sein, dass das Opfer sich gewehrt hat.

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