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Justiz

Mordprozess: Der Angeklagte schweigt

Ein 45-Jähriger aus Maxhütte-Haidhof soll seine Exfreundin erschossen haben. Anwalt wirft Ermittlern schwere Fehler vor.

Der Angeklagte (r.) machte zu den Mordvorwürfen keine Angaben. Foto: scl
Der Angeklagte (r.) machte zu den Mordvorwürfen keine Angaben. Foto: scl

Amberg.Der Angeklagte schweigt: Ein 45-jähriger Mann aus Maxhütte-Haidhof soll Ende Mai 2016 nach einem Beziehungsstreit seine Exfreundin in deren Wohnung kaltblütig aus nächster Nähe erschossen haben. Zu den Mordvorwürfen der Staatsanwaltschaft äußerte er sich zum Prozessauftakt nicht. Sein Anwalt verlas stattdessen Erklärungen, in denen er den Ermittlungsbehörden schwere Fehler bei der ersten Vernehmung des Angeklagten unmittelbar nach der Festnahme ankreidete. Der arbeitslose Handwerker sei zu diesem Zeitpunkt 30 Stunden ohne Schlaf und alkoholisiert gewesen – und sein Geständnis deshalb nicht verwertbar. Was sich konkret in der Wohnung abgespielt hat, in der das Opfer auf der Wohnzimmercouch seinen schweren Schussverletzungen erlag, blieb dabei im Dunkeln. Leitender Oberstaatsanwalt Joachim Diesch wies die Vorwürfe gegen die Polizeibeamten scharf zurück. Die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber will erst nach Ende der Beweisaufnahme darüber entscheiden, ob die Aussagen des Angeklagten aus der ersten polizeilichen Vernehmung verwertet werden dürfen oder nicht.

Der Tatverdächtige floh im Mai 2016 vor der Polizei:

Im Mai 2016 floh der Tatverdächtige vor der Polizei, konnte aber nach einer Verfolgungsjagd gestellt werden. Video: Baumgarten

Über die Frage, ob die erste Vernehmung korrekt ablief, will Richterin Roswitha Stöber erst am Ende der Beweisaufnahme entscheiden. Der Prozess ist für fünf Tage angesetzt. Der Polizeibeamte, der den Angeklagten befragt hatte, betonte, man habe sich an alle Regeln gehalten. Der 45-Jährige sei ordnungsgemäß über seine Rechte belehrt worden und habe einen unauffälligen, orientierten Eindruck gemacht.

Mit Waffe auf den Weg zur Wohnung gemacht

Die Vorwürfe, mit denen die Staatsanwaltschaft den Angeklagten zum Prozessauftakt konfrontierte, wiegen schwer: Er soll sich am Morgen des 31. Mai 2016 mit einer Pistole und 34 Patronen auf den Weg zur Wohnung des Opfers gemacht haben. Mit der 15 Jahre älteren Frau habe er eine lockere Lebensgemeinschaft geführt. Immer wieder sei es zwischen den beiden wegen des übermäßigen Alkoholkonsums des 45-Jährigen zu Streit gekommen. Auch sei er ständig knapp bei Kasse gewesen, was Anlass für Reibereien gewesen sei.

„Sie hat mich stehen lassen wie ein kleines Kind.“

Aussage des Angeklagten im Protokoll

An jenem verhängnisvollen Morgen soll der Mann laut Anklageschrift betrunken zu seiner Freundin gekommen sein, um sich mit ihr auszusprechen –- ohne Erfolg, denn offenbar machte sie bei diesem Gespräch mit ihm Schluss. Mindestens drei Mal soll der Angeklagte daraufhin in der Küche aus etwa einem Meter Entfernung auf die 59-Jährige geschossen haben. Dabei erlitt sie im Brustraum so schwere Verletzungen, dass sie sich nur noch ins Wohnzimmer schleppen konnte und dort auf der Couch trotz Reanimationsversuchen des Rettungsdienstes starb.

In der Imigstraße in Maxhütte-Haidhof wurde die Frau im Mai 2016 erschossen. Foto: bjs/Archiv
In der Imigstraße in Maxhütte-Haidhof wurde die Frau im Mai 2016 erschossen. Foto: bjs/Archiv

Weil der Angeklagte sich persönlich vor Gericht zur Tat nicht äußerte, brachten erst die Aussagen des Kripobeamten, der ihn nach seiner Verhaftung vernommen hatte, mehr Klarheit. Seit Januar 2016 sei der Mann mit der 59-Jährigen liiert gewesen. Man habe eine gute Beziehung geführt, hatte der Angeklagte zu Protokoll gegeben. Die Schüsse auf die Frau hatte er im Lauf der ersten polizeilichen Vernehmung bereits gestanden. Als seine Freundin ihn aus der Wohnung werfen wollte und ihm mitteilte, sie wolle nichts mehr mit ihm zu tun haben, habe er die Pistole gezogen und abgedrückt. „Sie hat mich stehen lassen wie ein kleines Kind“, hatte der Angeklagte über die Momente vor der Attacke ausgesagt.

Waffe beim Opfer versteckt

Woher die Pistole ursprünglich stammt, lässt sich schwer nachvollziehen: Der Angeklagte behauptete bei der Polizei, er habe sie vor acht Jahren von Bekannten bekommen, um sie zu verwahren. Aus Angst, dass die Waffe bei ihm entdeckt werden könnte, will er sie im Februar 2016 bei seiner Freundin in der Wohnung deponiert haben, da er selbst keinen Waffenschein besitzt.

Bei Thanstein endete die Flucht des Angeklagten im Mai 2016 – er wurde widerstandslos festgenommen. Foto: Sturm/Archiv
Bei Thanstein endete die Flucht des Angeklagten im Mai 2016 – er wurde widerstandslos festgenommen. Foto: Sturm/Archiv

Dem Opfer wurde die Angelegenheit zuletzt offenbar auch zu heiß: Als die Frau den Angeklagten kurz vor den tödlichen Schüssen der Wohnung verweisen wollte, hat sie ihm den Vernehmungsprotokollen zufolge die Pistole samt Munition in einer Tüte in die Hand gedrückt.

Vorwürfe, er habe mit seiner Lebensgefährtin häufiger wegen Geld oder seines Alkoholkonsums Ärger gehabt, hatte er bei den polizeilichen Vernehmungen bestritten. Eine ganze Reihe von Zeugen aus der Nachbarschaft schilderten vor Gericht allerdings, dass es zwischen dem Paar immer wieder zu lautstarken Streitereien gekommen sei. Eine junge Frau, die in dem Mehrfamilienhaus direkt neben dem Opfer gewohnt hatte, will zwei Schüsse durch ihren Türspion wahrgenommen haben. Der Angeklagte konnte erst nach einer spektakulären Verfolgungsjagd durch den Landkreis festgenommen werden.

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