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Justiz

Neunburger muss tief in Tasche greifen

Streit um eine Reithalle: Ein Vereinsboss sperrte sie aus Sorge um die Statik zu. Jetzt stand er deshalb vor Gericht.
Von Cornelia Lorenz

Der Vorsitzendes des Reitvereins Neunburg hatte die Reithalle in Mappenberg aus Sorge um die Sicherheit der Reiter im Juni 2016 zugesperrt – und dafür eine Anzeige wegen Sachbeschädigung kassiert. Das Verfahren wurde nun gegen eine Geldauflage eingestellt. Foto: ht
Der Vorsitzendes des Reitvereins Neunburg hatte die Reithalle in Mappenberg aus Sorge um die Sicherheit der Reiter im Juni 2016 zugesperrt – und dafür eine Anzeige wegen Sachbeschädigung kassiert. Das Verfahren wurde nun gegen eine Geldauflage eingestellt. Foto: ht

Schwandorf.Eigentlich soll eine Gerichtsverhandlung Klarheit schaffen. Beim Verfahren vor dem Schwandorfer Amtsgericht am Montag war das ganz anders: Auf kuriose Art und Weise tauchten ständig neue Fragen auf. Im Fokus stand dabei eine Reithalle auf Bodenwöhrer Gemeindegebiet – und mit ihr der Knackpunkt, welche Konsequenzen das Verhalten eines 52-jährigen Neunburgers haben sollte.

Er hatte in seiner Funktion als Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Neunburg aus Sorge um die Standsicherheit des Gebäudes einen Sachschaden in Höhe von 100 Euro angerichtet. Vorneweg: Der Mann ließ sich auf den Vorschlag von Richter Thomas Heydn ein und akzeptierte eine Geldauflage in Höhe von 1200 Euro, das Verfahren wurde eingestellt. Pikantes Detail am Rande: Die Halle ist inzwischen in der Tat aus Sicherheitsgründen gesperrt worden (siehe Infos weiter unten!)

Die Vorgeschichte, die letztlich zum Gerichtstermin führte, ist in der Tat mehr als verzwickt. Im Juni 2016 soll der 52-Jährige am Eingangstor der Reithalle zwei Löcher gebohrt und es mit Hilfe einer Eisenkette und einem Schloss zugesperrt haben. Außerdem, so führte es die Staatsanwaltschaft aus, habe er weitere Tore und Türen zum Gebäude mit Brett, Eisenwinkeln und Türriegeln versehen und verschlossen. Der 52-Jährige bestritt die Aktion nicht, erklärte jedoch auch, warum er so gehandelt hatte.

Nun wurde die Geschichte kompliziert, denn an der Frage, wer eigentlich Eigentümer der Reithalle ist, scheiden sich die Geister. Ursprünglich stand sie in Neunburg und gehörte dem dortigen Reitverein, der sie aber gegen eine vereinbarte Zahlung von 12000 Euro einer 50-jährigen Pferdewirtin überlassen wollte. Diese wiederum ließ die Halle am Gelände ihrer Reitanlage in Mappenberg wieder aufbauen. Vom Kaufpreis soll sie bislang nur ein Drittel bezahlt haben. Pächter des Grundstücks, auf dem die Halle nun steht, ist der Reitverein Neunburg.

Deshalb fühlte sich dessen Vorsitzender auch in der Pflicht, auf die Sicherheit zu achten, nachdem sie in Frühjahr 2016 ihren Betrieb aufnahm. Schließlich wurde sie nicht nur von Reitschülern der Pferdewirtin, sondern auch von den Mitgliedern des Reitvereins mitgenutzt. Das Gutachten eines Sachverständigen im Prüfamt für Standsicherheit in Regensburg hatte den Worten des 52-Jährigen zufolge zum Teil schwere Mängel bei der Halle festgestellt. Die Pferdewirtin habe seine Warnungen ignoriert, sagte er. Deshalb habe er im Mai 2016 aufgrund drohender Unwetter die Halle selbst zugesperrt, um zu verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen. Er habe sich verantwortlich gefühlt und auch seine eigenen Vereinsmitglieder schützen wollen, betonte er.

Das Eingreifen des Mannes wollte die Pferdewirtin, die die Halle für ihre Reitstunden nutzte, nicht auf sich sitzen lassen und zeigte den 52-Jährigen wegen Sachbeschädigung und Nötigung an. Ihrer Überzeugung nach ist sie selbst durchaus die Eigentümerin der Halle, der Reitverein habe damit nichts mehr zu tun. Sie betonte, dass beim Aufbau der Halle alles vorschriftsmäßig abgelaufen sei. Der 52-Jährige habe die Situation unnötig dramatisiert. Am Ende ließ dieser sich auf die Geldauflage ein. Er hätte eine Schließung der Halle dem Landratsamt als Aufsichtsbehörde überlassen müssen, befand der Richter.

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Zweifel an der Standsicherheit

  • Die Reithalle des Reitvereins Neunburg:

    Sie stand ursprünglich in Neunburg, und zwar auf gepachtetem Grund. Als der Pachtvertrag 2012 von der Stadt nicht verlängert wurde, musste sich der Verein einen neuen Standort suchen. Man kam mit der Pferdewirtin in Mappenberg ins Geschäft, die dem Reitverein die Halle abkaufen wollte und den Wiederaufbau übernahm.

  • Derzeit geschlossen:

    Wie die Pferdewirtin vor Gericht sagte, ist die Reithalle derzeit geschlossen. Das Landratsamt bestätigte auf Nachfrage der MZ, dass Zweifel an der Standsicherheit des Gebäudes bestehen. Ein Gutachten soll Klarheit schaffen. Bis dieses vorliege, müsse die Halle auch weiterhin geschlossen bleiben, sagt Hans Prechtl, Pressesprecher am Landratsamt.

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