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Justiz

Rentner löst Verpuffung aus

Schwarzpulzer in Aschenbecher geschüttet: Schöffengericht Schwandorf verurteilt den 80-Jährigen zu Bewährungsstrafe.
Von Karl-Heinz Probst

Der Rentner muss dem Burglengenfelder ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro zahlen. Foto: David Ebener/Archiv
Der Rentner muss dem Burglengenfelder ein Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro zahlen. Foto: David Ebener/Archiv

Schwandorf.Amtsgerichtsdirektor Ewald Ebensperger hatte es am Mittwoch in der Verhandlung des Schöffengerichts nicht leicht. Der 80-jährige Angeklagte war sehr wortkarg und zudem schwerhörig, was die Vernehmung recht schwierig gestaltete. „Warum haben Sie denn kein Hörgerät“, wollte der Richter wissen. „Das kann ich mir nicht leisten. Was ich hören will, das höre ich,“ antwortete der verwitwete Rentner aus Schwandorf.

Staatsanwältin Christine Apfelbacher warf dem Angeklagten vor, dass er am 29. Oktober 2015 in einer Spielothek eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt und dabei einen damals 18-jährigen Gast aus Burglengenfeld verletzt habe. Die Vorgänge hatte eine Überwachungskamera dokumentiert. Richter Ebensperger ließt die entsprechenden Videodateien im Gerichtssaal vorführen.

Angeklagter mit Videoaufnahmen überführt

Es war zu sehen, wie der Angeklagte gegen 11 Uhr irgendetwas in die zwei Aschenbecher im Raucherbereich der Spielothek schüttete. Gegen 15.45 Uhr kam der 18-Jährige mit seinem Freund, rauchte vor Betreten der Spielothek noch eine Zigarette und warf sie in den Aschenbecher. Sofort kam es zu einer Verpuffung mit Stichflamme und Rauchentwicklung. Der junge Mann erlitt laut ärztlichem Attest dabei Verbrennungen zweiten und dritten Grades an der linken Hand, insbesondere am Daumen. Der Verletzte kam zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus St. Barbara. Anschließend erstattete er Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt. Diese kam bei ihren Ermittlungen durch die installierten Überwachungskameras auf die Spur des Rentners, der laut eigenen Angaben Stammgast in der Spielothek ist – bis auf den heutigen Tag.

„Manchmal macht man etwas, was verkehrt ist. Was soll ich da sagen?“

Der Angeklagte

Auf Nachfrage von Richter Ebensperger gab der Angeklagte den Sachverhalt zu, der ihm zur Last gelegt wurde. Die Frage nach dem Motiv blieb unbeantwortet: „Warum weiß ich nicht. Manchmal macht man etwas, was verkehrt ist. Was soll ich da sagen?“ Welche Substanzen der Rentner in den Aschenbecher geworfen hat, bliebt auch unklar. Laut eigenen Angaben soll es der Inhalt von zwei Halloween-Krachern gewesen sein. Dies konnte der Sachverständige, Diplomchemiker Dr. Marcus Wende vom Landeskriminalamt, nicht bestätigen. Er hatte den Inhalt des Aschenbechers und die Jacke des Opfers nach Spuren untersucht. Halloween-Kracher entsprächen der Gefahrenklasse F1 und hätten nicht den beobachteten Effekt hervorgerufen, meinte der Experte.

Vermutlich Schwarzpulver in Aschenbecher geschüttet

Dieser deute eher auf die Verwendung von Schwarzpulver oder einen pyrotechnischen Satz aus einem Silvesterkracher (Gefahrenklasse F2) hin. Deshalb könne man nicht von einer Sprengwirkung oder Explosion sprechen. Somit blieb dem Gericht nur die Ahndung der gefährlichen Körperverletzung übrig. Positiv wurden dem Angeklagten angerechnet sein Geständnis, seine Entschuldigung beim Opfer und dass er nicht vorbestraft ist. Negativ schlug die Schwere der Verletzungen zu Buche. Das Schöffengericht verurteilte den Rentner zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung und einem Schmerzensgeld von 1500 Euro.

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