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Verbrechen

Tödliches Ende für eine Beziehungs-Hölle

Ein 48-Jähriger aus Wernberg-Köblitz ist des Mordes an seiner Ehefrau angeklagt. Die 31-Jährige wollte ihn verlassen.
Von Reinhold Willfurth

  • Der Angeklagte (Mitte) muss sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts Amberg verantworten.Foto: Willfurth
  • Der Sarg mit der Leiche der 31-jährigen Ehefrau wurde am späten Abend des 20. März aus dem Wohnhaus des Ehepaars abtransportiert. Foto: Archiv

Wernberg-Köblitz.Ein roter Hartschalenkoffer, eine bunte Kinderschultafel, ein blauer Badeschlappen, dazwischen Kanülen, Wundkompressen und eine Blutlache: Das sind die traurigen Requisiten einer Bluttat, die am 20. März für Entsetzen in Wernberg-Köblitz (Kreis Schwandorf) sorgte. Seit Donnerstag muss sich vor dem Schwurgericht des Landgerichts Amberg der mutmaßliche Täter verantworten, ein 48-jähriger Werkzeugmacher.

Vor Gericht wurde der Tatort auf dem Bildschirm in 3D und in allen Details nachgestellt, um eine Antwort auf die Frage zu finden, warum ein Mann, der von sich behauptet, er habe seine Frau immer geliebt, plötzlich rotsieht und seine Gefährtin mit sechs Stichen eines Küchenmessers tötet.

Geldforderungen störten Harmonie

Erste Hinweise auf eine Antwort lieferte eine Einlassung des Angeklagten, der seine Ehe mit der 17 Jahre jüngeren Frau als eine Art Dauerhölle mit gelegentlichen Verschnaufpausen schilderte. Immer wieder habe seine Frau, die er vor 13 Jahren bei einem Thailand-Urlaub kennengelernt hatte, Geld von ihm gefordert, um ihre Familie in Thailand zu unterstützen.

Begleitet seien diese Forderungen stets von Vorwürfen und Drohungen gewesen, bei einer Scheidung die beiden gemeinsamen Kinder mit in ihr Geburtsland zu nehmen. Bereits dreimal vorher habe seine Frau die Koffer gepackt. Auch die handgreiflichen Erziehungsmethoden seiner Frau gegenüber dem siebenjährigen Sohn vergaß der Angeklagte nicht zu erwähnen.

Im Winter 2003/2004 hatte der Wernberger bei einem Urlaub die 16 Jahre jüngere Frau auf der Ferieninsel Phuket kennengelernt. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, ließ der 48-Jährige durch seinen Anwalt verlesen. Am 1. April 2006 heiratete das Paar in Wernberg. Nach eineinhalb Jahren Ehe habe seine Frau die ersten finanziellen Forderungen gestellt – 300 Euro im Monat habe sie haben wollen, so viel, wie er Unterhalt für ein Kind aus einer früheren Beziehung bezahlen musste. Dann habe ihn seine Frau überredet, für ihre in ärmlichen Verhältnissen lebenden Eltern 20 000 Euro für einen Hausbau in Thailand zu überweisen.

Damit nicht genug: Immer wieder habe seine Frau Geld für ihre Verwandten in Thailand gefordert und damit gedroht, die Koffer zu packen, wenn er nicht nachgebe. Die Geburt des gemeinsamen Sohnes 2009 habe nur kurz für Harmonie im Eheleben gesorgt. Erneute Geldforderungen und der rüde Umgang der jungen Mutter mit dem Sohn hätten zunehmend zu Streitereien geführt. Versager-Vorwürfe hätten das eheliche Klima zusätzlich belastet. Immer wieder habe die Ehefrau gedroht, mit den Kindern nach Thailand zu gehen.

Stets habe er aus Angst, verlassen zu werden, nachgegeben. Bis zu jenem Abend, als er seiner Frau, die ihn wieder einmal im Wohnzimmer des gemeinsamen Hauses beschimpft und ihm zwei Ohrfeigen verpasst habe, „auch einmal drohen wollte“. Niemals aber habe er seine Frau verletzen oder töten wollen, beteuerte der Angeklagte, assistiert von seinem Verteidiger Michael Schüll. Er habe seine Frau immer geliebt und bereue die Tat zutiefst..

Staatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier sparte nicht mit grausigen Details. „Sechs wuchtige Stiche“ habe der Werkzeugmacher seiner Frau versetzt. Die zwölf Zentimeter lange Klinge des Gemüsemessers verletzte Organe wie Leber, Lunge, Magen und zwei Schlagadern im Körper seiner Frau. Bei der Attacke auf dem beengten Dachboden des gemeinsamen Hauses im Ortsteil Unterköblitz habe die 1,48 Meter große Frau keine Möglichkeit gehabt zu entkommen – für die Anklage neben anderen niederen Beweggründen ein klares Mordmerkmal.

Noch beklemmender war die Stimmung im Gerichtssaal, als die Notrufe des Angeklagten noch einmal abgespielt wurden. Im Hintergrund weint verzweifelt ein Kind – es ist die Totenklage des siebenjährigen Sohnes, der soeben erfahren hat, dass seine Mutter umgebracht wurde.

An die Tat konnte sich der Angeklagte nicht mehr erinnern, nur mehr an ein „Gerangel“ auf dem Dachboden, wo seine Frau die Koffer für die endgültige Trennung vorbereiten wollte. Sein 84-jähriger Vater fand seinen Sohn auf dem Boden des Dachbodens auf dessen lebloser Frau liegend vor. Das Tatmesser lag neben der Leiche.

„Dann geh ich halt ins Gefängnis“

Während der Vater vor Gericht von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte, schilderte Ermittlungsrichterin Petra Froschauer im Zeugenstand Eindrücke von der Vernehmung. Der 84-Jährige war durch Lärm im Obergeschoss auf den Streit des Ehepaars aufmerksam geworden. Seine Schwiegertochter lag in einer Blutlache auf dem Boden, sein Sohn sei völlig außer sich gewesen. „So habe ich den noch nie erlebt“, sagte der Senior laut Protokoll. Als der Täter aus einem „Zustand, als ob er eine auf den Kopf gekriegt hat“, wieder zu sich kam, schickte ihn der Vater nach unten, um Hilfe zu rufen. „Dann geh ich halt ins Gefängnis, da hab ich meine Ruh“, soll sein Sohn noch gesagt haben. Er selbst habe seine sterbende Schwiegertochter noch im Arm gehalten. „Du musst durchhalten“, habe er gesagt. Der Notarzt kam wenige Minuten später, doch er konnte nichts mehr für die 31-Jährige tun.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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