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Justiz

Unglücksfahrer war zu schnell unterwegs

Geldstrafe und drei Monate Fahrverbot: Der 21-Jährige hatte 2015 den Tod einer Zwölfjährigen in Schwandorf verschuldet.
Von Cornelia Lorenz

Nur mehr ein Wrack war der Audi des 18-Jährigen aus Oberviechtach nach dem Aufprall. Foto: Baumgarten
Nur mehr ein Wrack war der Audi des 18-Jährigen aus Oberviechtach nach dem Aufprall. Foto: Baumgarten

Schwandorf. Den 15. Dezember 2015 werden die Angehörigen des zwölfjährigen Mädchens, das bei Klardorf bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, nie vergessen. Die seelischen Wunden sitzen tief, auch bei den vier jungen Menschen, die mit dem Opfer im Auto saßen. Der heute 21-jährige Unfallverursacher aus Schwandorf musste sich am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Der niedergeschlagene junge Mann bekam eine für ihn empfindliche Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu 43 Euro. Außerdem muss er drei Monate den Führerschein abgeben.

Er sei sich seiner Schuld voll bewusst, betonte der 21-Jährige vor Gericht. An den Unfallhergang habe er allerdings nur bruchstückhafte Erinnerungen. Offenbar war er am fraglichen Samstagnachmittag mit einem blauen Fiat Ducato seines Arbeitgebers auf dem Heimweg von der Arbeit. Seine Erinnerungen enden an der Autobahnabfahrt Schwandorf-Süd und beginnen erst wieder mit einem lauten Knall und dem Aufprall auf den Audi eines 18-jährigen Oberviechtachers.

Jugendliche waren unterwegs zu Tischtennisspiel

Was sich in den Sekunden dazwischen abspielte, versuchte Richterin Petra Froschauer mit Hilfe vieler Zeugen und eines Sachverständigen zu konkretisieren. Das zwölfjährige Mädchen und vier weitere junge Menschen aus dem Raum Oberviechtach waren kurz vor 15 Uhr mit einem Audi auf dem Weg von einem Tischtennisspiel in Klardorf zu einem nahegelegenen Schnellrestaurant. Auf der Kreisstraße SAD 2 bemerkte der 18-jährige Fahrer kurz vor der Bahnüberführung ein Pannenauto, hinter dem bereits ein ADAC-Abschleppfahrzeug und ein Toyota standen. Der 18-Jährige bremste deshalb ab und blieb nach eigenen Angaben wegen Gegenverkehrs hinter den drei am Straßenrand stehenden Fahrzeugen stehen.

„Er hat nicht realisiert, dass er vorsichtig sein muss.“

Richterin Petra Froschauer

Warum der Angeklagte die Pannenstelle mit vier Fahrzeugen und blinkenden Warnlichtern am Abschleppfahrzeug zu spät erkannte, lässt sich aufgrund seiner Erinnerungslücken nicht mehr rekonstruieren. Klar ist aber, dass der 21-Jährige viel zu schnell unterwegs war. Der Sachverständige erläuterte, dass er sich mit 124 bis 135 km/h genähert haben muss und erst rund 40 Meter vor dem Aufprall auf die Bremse stieg – obwohl er die Gefahrensituation dank gerader Strecke und guten Sichtverhältnissen schon rund 600 Meter vorher hätte erkennen können. Pikantes Detail: Das Anti-Blockier-System des Transporters war bereits vor dem Unfall ausgefallen, auch eine Bremse war nicht mehr voll funktionstüchtig. Unfallursache seien diese Mängel allerdings nicht gewesen, erläuterte der Sachverständige. Der Transporter war erst drei Monate zuvor beim TÜV gewesen war.

Schreckliche Folgen kann man nicht ausgleichen

Richterin Froschauer betonte, die schrecklichen Folgen des Unfalls könne man mit Urteil und Strafe nicht ausgleichen. Mit Hilfe des Strafrechts könne man lediglich das Verhalten des Angeklagten zum Zeitpunkt des Unfalls bewerten. „Er hat nicht realisiert, dass er vorsichtig sein muss“, so das Fazit der Richterin. Weil er nicht richtig reagiert habe, sei er auch für die Folgen verantwortlich. Außerdem lastete sie ihm an, dass er nur neun Monate nach dem Unfall außerorts mit 136 km/h geblitzt worden war. Deshalb muss er nun drei – anstatt wie von der Staatsanwaltschaft gefordert zwei – Monate den Führerschein abgeben.

Das Video zum folgenschweren Unfall auf dem Autobahn-Zubringer zwischen Klardorf und der A 93 sehen Sie hier:

Die Rettungskräfte bemühten sich um das Leben der Zwölfjährgen – letztlich leider vergeblich. Video: Baumgarten

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