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Schwandorf
Samstag, 24. Februar 2018 2

Agrar

Große Bühne für das Fleckvieh

Beim Zuchtviehmarkt in Schwandorf wechselte ein Bulle für 41 800 Euro den Besitzer. Auch sonst läuft es gut bei den Züchtern.
Von Cornelia Lorenz

Dieser junge Bulle hat auf ganzer Linie überzeugt: Für 41800 Euro wechselte er bei der Zuchtviehauktion in Schwandorf den Besitzer. Foto: Rudolf Traxinger

Schwandorf.Ein ganz besonderer Fleckvieh-Bulle hat im Schwandorfer Tierzuchtzentrum für Furore gesorgt: Zusammen mit zwölf Artgenossen präsentierte er sich bei der allmonatlichen Auktion des Rinderzuchtverbands Oberpfalz den kritischen Augen der vielen Käufer – und brachte am Ende einen Verkaufserlös von rekordverdächtigen 41800 Euro ein. Groß war da die Freude nicht nur beim Eigentümer des Prachtbullen, der aus dem Landkreis Neumarkt stammt, sondern auch bei den Verantwortlichen des Rinderzuchtverbands. „So etwas kommt vielleicht alle drei Jahre einmal vor. Bei diesem Bullen hat einfach alles gepasst“, sagt Vorsitzender Erich Pilhofer.

Zuchtwerte überzeugten

Der Rekord-Bulle der Auktion in Schwandorf wurde an die Besamungsstation Greifenberg verkauft. Sein Sperma soll künftig verschickt werden und bei vielen Kühen für Nachwuchs sorgen. Foto: Winfried Wagner/dp

Das einjährige Jungtier hat die potenziellen Käufer einerseits mit seinen optischen Pluspunkten in Sachen Körperbau beeindruckt. Doch besonders interessant waren natürlich auch die Zuchtwerte des Bullen, die zum Beispiel darüber Aufschluss geben, wie es um die Milchleistung seiner Nachkommen bestellt sein wird. Über solche Eigenschaften kann ein genomischer Test Auskunft geben: Dem Bullen wurde als Kälbchen eine Gewebeprobe entnommen. So lässt sich die DNA des Tieres untersuchen. Anhand der hier festgestellten Werte kann man Prognosen über die Vererbungsleistung des Bullen treffen, bevor er überhaupt Nachkommen gezeugt hat.

Im Fall des Fleckvieh-Prachtbullen im Schwandorfer Tierzuchtzentrum haben die Eckdaten die Käufer schwer beeindruckt. Es kam zu einer spannenden Auktion, bei der sich am Ende die Besamungsstation Greifenberg am Ammersee durchsetzte. Die zwölf anderen Bullen konnten an diesem Tag nicht annähernd mithalten und gingen zum Teil für Preise von knapp 2000 bis 3500 Euro weg.

1933 wurde auf der Allkofer-Wiese in Schwandorf der erste Zuchtviehmarkt abgehalten. 1993 wurde das heutige Vermarktungszentrum fertiggestellt. Foto: Tierzuchtzentrum

Beim Rinderzuchtverband Oberpfalz ist man derweil recht zufrieden mit den Vermarktungsergebnissen der vergangenen Monate. „Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr“, sagt Vorsitzender Pilhofer. Der Verband kümmert sich um die Zuchtvieh- und Kälbervermarktung seiner gut 2000 Mitgliedsbetriebe. Einmal im Monat findet auf dem Gelände des Tierzuchtzentrums an der Hoher-Bogen-Straße eine Auktion statt, bei der Zuchtbullen, Jungkühe, Kühe und Kälber verkauft werden.

Im Jahr 2017 konnten in der Versteigerungshalle in Schwandorf insgesamt 526 Tiere vermarktet werden. Das sind zwar 143 Tiere weniger als im vergangenen Jahr, doch der Trend zeigt laut Pilhofer mittlerweile wieder nach oben: Gut 100 Tiere habe man bei der Zuchtviehauktion im Februar vom Züchter an den Mann gebracht und damit etwa doppelt so viel wie bei den Märkten zuvor.

Am 8. November 2017 fand der erste Zuchtviehmarkt in den umgebauten Stallungen des Schwandorfer Tierzuchtzentrums statt. Die Tiere müssen dort vor der Auktion nun nicht mehr angebunden und am Strick geführt werden. Foto: Archiv/ixh

Der Umbau der Vermarktungshalle im Schwandorfer Tierzuchtzentrum zeigt offenbar Wirkung. 150 000 Euro hatte der Rinderzuchtverband Oberpfalz hier im Vorjahr investiert, um die Tiere besser präsentieren zu können. Zuvor waren sie am Strick geführt und angebunden worden – jetzt werden sie nach dem Ausladen untersucht, gewogen und in die neuen Treibgänge geleitet – in der Regel so, wie sie es vom heimischen Stall her kennen. Diese neue Methode kommt bei vielen Landwirten laut Pilhofer gut an, was die jüngst steigenden Zahlen bei den Auktionen zeigen.

Milchpreis als wichtiger Faktor

Welche Preise die Züchter bei den Auktionen im Tierzuchtzentrum erzielen können, hängt sehr eng mit dem Milchpreis zusammen. Dieser war das Jahr 2017 über vergleichsweise stabil geblieben – mit einem Jahresdurchschnittspreis für die EU von knapp 35 Cent pro Kilogramm. Im Krisenjahr 2016 dagegen hatten die Landwirte im Schnitt nur 28,2 Cent bekommen. Doch die Molkereien sind im Moment wieder dabei, ihre Preise kräftig zu senken. Das führte auch beim jüngsten Zuchtviehmarkt in Schwandorf zu leicht sinkenden Preisen. Ein weibliches Zuchtkalb etwa war für durchschnittlich 343 Euro zu haben, eine Jungkuh mit einer Milchleistung von 28,8 Kilogramm pro Tag für 1631 Euro.

Eine Prognose, wie es in den nächsten Monaten für die Züchter weitergehen wird, ist laut Pilhofer im Moment schwer zu treffen. Keiner kann vorhersagen, wie sich der Milchpreis entwickeln wird – und damit die Bereitschaft der Landwirte, Geld für neue Tiere auszugeben.

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