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Vereine

Interkultureller Gebets- und Begegnungsraum

Der türkisch-islamische Kulturverein öffnet die Tür zur Moschee – einem Raum, der ganze Schulklassen fasziniert.
Von Julia Schnorrer

  • Imam Hakif Sekmen schaut den Kindern zusammen mit Ferdi Eraslan (Mitte) und Mustafa Eraslan (2. v. li.) über die Schulter.
  • Vorsitzender Halil Cagan ist häufig auch beim Unterricht dabei.
  • Die Frauen nutzen den Raum als Gebetsraum.

Schwandorf. Was ist die Mihrab? Warum hängen in der Moschee keine Bilder? Was bedeutet der Gebetsruf? Diese Fragen stellen Schulklassen typischerweise, wenn sie in der Schwandorfer Moschee zu Besuch sind, sagt Imam Hakif Sekmen.

„Seit zwei, drei Jahren haben wir die Türen für alle geöffnet“, erzählt Ferdi Eraslan, Stadtrat und Ansprechpartner des türkisch-islamischen Kulturvereins. Neben dem Tag der offenen Tür zeigen sie auch Schulklassen die Moschee. „Wir arbeiten sehr gut mit den Gymnasien in Oberviechtach und Nabburg zusammen“, erklärt Halil Cagan, 1. Vorsitzender. Aber auch Schwandorfer Schulen würden das Angebot vermehrt annehmen.

Besucher sind sehr interessiert

„Die Kinder wollen nicht mehr aus der Moschee gehen, weil sie die Räume angenehm finden“, beschreibt der Imam die Reaktion der Schüler. Ferdi Eraslan ist oft als Übersetzer bei den Führungen dabei und sieht, wie begeistert die Schüler alles verfolgen. „Sie stellen Fragen und zeigen Interesse!“ Apropos Fragen: Die Mihrab ist die Gebetsnische, der Platz für den Vorbeter (Imam), den Gebetsruf (Ezan) kann man Satz für Satz übersetzen, aber eigentlich ist er „eine Einladung zum Gebet“, so Ferdi Eraslan. Den Mangel an Bildern erklärt das Verbot, in Räumlichkeiten der Moschee Bilder von Lebewesen aufzuhängen. „Der Mensch betet nur zu Allah“, geht Ferdi Eraslan weiter darauf ein. Die Konzentration im Gebet solle nicht gestört werden.

Fünfmal am Tag betet ein Muslim, dies in der Gemeinschaft in der Moschee zu tun „ist kein Muss“, stellt Halil Cagan klar. „Es kann auch jeder für sich alleine beten.“ Dennoch ist im Haus an der Ruhseugstraße immer viel los, vor allem die Jugend ist äußerst aktiv: In den Ferien ist jeden Tag Unterricht, zwanzig Jungs und Mädchen sind es eigentlich immer, die mit Unterstützung von Hakif Sakem und anderen versuchen, den Koran zu lesen. Die Frauen treffen sich ebenfalls zum Unterricht, meist bei der Frau des Imams, mittlerweile, so Ferdi Eraslan, sind auch die Männer wieder dabei.

Gefeiert wird natürlich auch: Das Ende des Fastenmonats Ramadan und das Opferfest sind nicht die einzigen Gelegenheiten. Hinzu kommen kleinere Gedenkfeiern, etwa an die Geburt Mohammeds im April. „Sie sollen daran erinnern, dass die Religion lebt!“ Ausflüge, Grillfeste, Hallenfußball oder Koran-Lesewettbewerbe für die Jugendlichen sorgen für Abwechslung. Größter Erfolg des Schwandorfer Kulturvereins war übrigens der zweite Platz auf Deutschlandebene, erinnert sich Halil Cagan stolz. Außerdem haben sich die Kleinen im Verein zu einer Tanzgruppe zusammengeschlossen, die auch bei Veranstaltungen anderer Vereine zu sehen ist. „Die machen gerne mit“, weiß Cagan.

Jedoch gibt es im Haus nicht nur einen Gebets- und einen Unterrichtsraum, sondern auch einen Gemeinschaftsraum. Hier können die Mitglieder zusammen Tee trinken und gemütlich zusammensitzen; zum Freitagsgebet bringen die Frauen Essen mit. „Die Moschee ist nicht nur ein Gebetsraum, sondern auch ein Raum, wo die Leute und Kulturen zusammenkommen,“ betont Ferdi Eraslan.

Gründung erfolgte „zu spät“

Seit 17. März 1987 gibt es den Verein: „Das war zu spät“, sind sich Ferdi Eraslan, Halil Cagan und Mustafa Eraslan einig. Die erste Generation der Einwanderer habe erkannt, dass ein religiöser Raum nötig sei, deshalb habe sich der Verein bemüht, eine Moschee zu schaffen. Anfangs waren sie in der Breite Straße, „im alten Müllerhaus“, weiß Mustafa Eraslan noch. 1990 haben sie sich im aktuellen Gebäude, einer alten Metzgerei, eingemietet; 1995 wurde es dann gekauft, schildert sein Sohn weiter. Ohne Fördermittel, nur aus eigener Tasche, wurde das Vorhaben finanziert. Spenden wurden auch in anderen Moscheen gesammelt. 2003 war es schließlich so weit; das Haus wurde in den heutigen Zustand umgebaut. Zukunftspläne schmiedet man aber immer noch: 2010 wurde ein Grundstück im Industriegebiet gekauft, auf dem eine neue Moschee entstehen soll – wenn möglich mit Minarett. Grund für den Umzug: „Wir möchten die Nachbarn nicht stören“, sagt Halil Cagan. Die Moschee befindet sich aktuell in einem Wohngebiet, und „an Feiertagen ist schon viel los“, so Ferdi Eraslan. Der Verein hoffe, dass 2012 schon der Plan stehen könnte.

160 Mitglieder hat der Verein, so der 1. Vorsitzende, aber dazu muss man sagen, dass nicht jeder Mitglied sein muss, um am Angebot der Moschee und des Vereins teilhaben zu können – einer oder zwei pro Familie reichen. Früher seien die Mitglieder aus dem ganzen Landkreis gekommen, seit es aber in Burglengenfeld und Neunburg ebenfalls eine Moschee gebe, würde sich das mehr verteilen.

Vorurteile abbauen

„Das Zusammenleben funktioniert sehr gut“, sind sich Halil Cagan und Ferdi Eraslan einig. Man sehe es am besten beim Tag der offenen Tür: „Die Leute sind freundlich und besuchen uns gerne!“ Es hilft sicher, dass viele Mitglieder auch in anderen Vereinen der Stadt aktiv sind. Leider gibt es immer wieder Tiefpunkte, wie erst vor kurzem der Nazi-Aufmarsch nach dem Gedenktag an die Opfer des Brandanschlags. „Wir waren überrascht“, so Ferdi Eraslan. Keiner habe gewusst, warum das erlaubt wurde.

Vorurteile gibt es immer noch, aber der Kulturverein leistet seinen Beitrag, sie weiter abzubauen. „Das gemeinsame Leben mit den Schulen und kirchlichen Gemeinden hat sich verstärkt“, resümiert Ferdi Eraslan. Der Verein sei zufrieden mit dem Erreichten, und an Optimismus mangelt es nicht, denn die Lage, da sind sich alle einig, hat sich in den letzten Jahren verbessert.

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