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Umwelt

Keine schnelle Lösung für den Stausee

Bei der Exkursion des „Runden Tischs“ zur Blaualgenplage nach Bautzen warnten Fachleute Neunburg vor zu hohen Erwartungen.
Von Roland Thäder

•Bereits beim Niedrigwasser aufgrund der Trockenheit im August 2105 waren deutliche Algenreste in den Uferzonen erkennbar. Foto: R. Gohlke/Archiv
•Bereits beim Niedrigwasser aufgrund der Trockenheit im August 2105 waren deutliche Algenreste in den Uferzonen erkennbar. Foto: R. Gohlke/Archiv

Neunburg.Am 26. Juni geht es ans Eingemachte. Dann tagt der „Runde Tisch“ zur Bekämpfung der Blaualgenplage am Eixendorfer See. Dazu gab es zuletzt eine Exkursion zum Bautzener Stausee. Dort informierten die Experten der Landestalsperrenverwaltung Sachsen (LTV) und des Helmholtzzentrums über ihre dort erzielten Erfolge. Die spannende Frage wird sein: Sind die Methoden übertragbar? Die Aussagen sind so eindeutig nicht. Bürgermeister Martin Birner sagte der Mittelbayerischen dazu: „Ich will die Aussagen noch nicht bewerten, aber ich habe den Eindruck, dass sich jeder herauszieht, was er gerade hören möchte.“

Die Delegation aus der Oberpfalz mit Interessen- und Behördenvertretern wurde von Regierungspräsident Axel Bartelt angeführt. Dass sich der Regierungspräsident die Zeit dafür nimmt, werte Birner als „wichtiges Zeichen für uns“.

Die Algenblüte verzögern

Mit dem gezielten Ableiten von Oberflächenwasser aus dem See durch eine im Herbst 2017 neu errichtete Ableitungsvorrichtung im Entnahmeturm konnte die Blaualgenblüte deutlich reduziert und bis in den Spätsommer verzögert werden. „Dieser erste Erfolg im Vorjahr ist das Ergebnis einer gelungenen Zusammenarbeit von vielen Leuten aus verschiedenen Fachrichtungen über mehrere Jahre hinweg“, betont Sebastian Fritze, Betriebsleiter der LTV. Das Helmholtz-Institut vertrat Dr. Karsten Rinke, der das Pilotprojekt wissenschaftlich intensiv begleitet, heißt es in einer Pressemitteilung der Regierung der Oberpfalz.

„Wir wollen die Wasserqualität im Eixendorfer See verbessern und die Blaualgenproblematik eindämmen“, dafür hoffte der Regierungspräsident, in Bautzen „neue Impulse zu gewinnen“. Von der LTV Sachsen wurde im Kampf gegen die Blaualgen gemeinsam mit dem Helmholtz-Institut ein neuer, wissenschaftlicher Ansatz erarbeitet. Damit dieser Ansatz funktioniert, müssen vor allem zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Die Hauptquelle für die Phosphorbelastung darf nur noch die Rücklösung von Phosphor aus den Seesedimenten sein, d. h. der Phosphoreintrag aus dem Zulauf (von landwirtschaftlich genutzten Flächen und Siedlungsgebieten) muss minimiert sein.

Der Stausee muss thermisch geschichtet sein, also vereinfacht ausgedrückt oben warm und unten kalt. Solange diese thermische Schichtung stabil bleibt, wird kein Phosphor aus dem Tiefenwasser in die oberen warmen Schichten transportiert. Somit fehlt den Blaualgen die für eine massenhafte Vermehrung limitierende Nahrungsquelle, heißt es in der E-Mail der Regierung.

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Dr. Rinke warnte die Oberpfälzer Delegation jedoch vor zu hoch gesteckten Erwartungen. Der Bautzener Stausee sei vorab jahrelang intensiv untersucht worden. Daher seien die Investitionen in die neue Entnahmeeinrichtung gerechtfertigt und sinnvoll gewesen. „Der Bau einer Entnahmevorrichtung zum Ableiten von Oberflächenwasser ist sicherlich kein Allheilmittel und auch kein Patentrezept“, so Projektleiter Fritze. „Jedes Gewässer ist anders. Sind die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllt, kann eine Oberflächenwasserentnahme die Blaualgen auch nicht stoppen. Und selbst wenn, gibt es immer ein Restrisiko, dass es nicht klappt. Das muss der Bevölkerung auch gesagt werden“, sagte Fritze der Delegation aus der Oberpfalz.

Um die Blaualgen im Bautzener Stausee einzudämmen, wurde der Nährstoffeintrag aus dem Einzugsgebiet soweit wie möglich unterbunden. Ein zentraler Schritt, wie Dr. Karsten Rinke betont. Denn: Phosphor, das u.a. die durch landwirtschaftliche Nutzung im Einzugsgebiet über die Spree in den See gelangt, sich dort im Sediment festsetzt und anreichert, ist der ideale Nährboden für Blaualgen.

Helmholtzzentrum beauftragen

Regierungspräsident Axel Bartelt (2. v. l.) zusammen mit Vertretern der LTV Sachsen und Vertretern des „Runden Tisches Eixendorfer See“ bei der Exkursion am Stausee in Bautzen.  Foto: Kathrin Kammermeier
Regierungspräsident Axel Bartelt (2. v. l.) zusammen mit Vertretern der LTV Sachsen und Vertretern des „Runden Tisches Eixendorfer See“ bei der Exkursion am Stausee in Bautzen. Foto: Kathrin Kammermeier

Bürgermeister Birner plädiert dafür, das Helmholtzzentrum mit der Untersuchung des Sees zu beauftragen, ob der Bautzener Ansatz die Lösung der Blaualgenplage sein könne. Für ihn würden sich viele Fragen an das Wasserwirtschaftsamt Weiden stellen. Die LTV habe wesentlich umfangreichere über die EU-Wasserrahmenrichtlinie hinausgehende Untersuchungen vorgenommen als die hiesigen Seebetreiber. Schon bei der vorhergehenden Exkursion zum Altmühlsee hätte sich herausgestellt, dass dort neue Wege gegangen würden. Mit dem Sedimententnahme-Management würden jährlich zwischen 20000 und 30 000 Tonnen phosphorbelastete Ablagerungen entfernt, erklärt Birner.

Regierungspräsident Bartelt bezeichnet den Bautzener Lösungsansatz laut Pressemitteilung als „beeindruckend“. Er lud die Experten aus Sachsen ein, sich selbst am Eixendorfer See ein Bild zu machen. „Wir nehmen eine ganze Reihe von Hausaufgaben mit nach Hause“, betonte der Regierungspräsident. „Für uns heißt es nun ‚Auf zum Handeln‘.“ Und bis zum nächsten Runden Tisch die Erkenntnisse aufzuarbeiten.

„Es gibt keinen schnellen Weg, wenn man eine Lösung bekommen will, die dauerhaft Sinn macht“,

Regierungspräsident Bartelt über den Eixendorfer See

Letztendlich müssten derartige Investitionen fachlich gegründet werden, da sie voraussichtlich mehrere Millionen Euro kosten und aus Steuergeldern finanziert und verantwortet werden. „Es gibt keinen schnellen Weg, wenn man eine Lösung bekommen will, die dauerhaft Sinn macht“, so Bartelt.

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