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Bezirkstagswahl

CSU lässt Federn, Freie Wähler legen zu

Die FW sind zweitstärkste Kraft im Stimmkreis Schwandorf, knapp vor der AfD. Grüne gewinnen dazu. Die SPD fällt erneut tief.
Von Reinhold Willfurth

Am Montag ging es in den Wahllokalen mit der Auszählung der Stimmen für den Oberpfälzer Bezirkstag weiter. Foto: Zwick
Am Montag ging es in den Wahllokalen mit der Auszählung der Stimmen für den Oberpfälzer Bezirkstag weiter. Foto: Zwick

Schwandorf.Wer nach einem Stimmenzuwachs für die CSU im Vergleich zum letzten Wahljahr 2013 sucht, wird bei der Bezirkstagswahl 2018 im Stimmkreis Schwandorf fündig: Landrat Thomas Ebeling hat es geschafft, die Zahl der Erststimmen für die Christsozialen um 3,6 Prozent zu steigern. Über 44 Prozent der Stimmen heimste Ebeling ein, der Amtsbonus hat wohl dabei mitgeholfen. Damit ist es aber schon vorbei mit der christsozialen Euphorie: 37,5 Prozent der Zweitstimmen bedeuten einen Absturz in der Wählergunst von über acht Prozent.

Volksparteien verlieren deutlich

Auch oberpfalzweit, so stellte es sich im Lauf des Montags heraus, kam die CSU nicht annähernd an ihr Ergebnis von 2013 mit über 48 Prozent der Zweitstimmen heran. Der Abstand betrug am Montagabend rund zwölf Prozent.

Die Oberpfälzer Sozialdemokraten wären vermutlich zufrieden, wenn sie einen solchen Aderlass zu verkraften hätten wie die CSU. Denn auch bei der Bezirkstagswahl stürzte die SPD auf ein desaströses Ergebnis ab. Im Stimmkreis Schwandorf kam es besonders schlimm für die Sozialdemokraten. Nur 9,6 Prozent der gut 80 000 Wähler schenkten der SPD ihre Gunst, das ist bei den Erststimmen ein Absturz um 22 Prozent. Vor fünf Jahren war die SPD noch auf über 31 Prozent gekommen.

Hier sehen Sie die Ergebnisse der Bezirkswahl:

„Mir schwant Böses“, sagte der Schwandorfer Spitzenkandidat, der Nabburger Bürgermeister Armin Schärtl, am Montag, ohne die Ergebnisse im Einzelnen zu kennen. „Ich habe mir ein bisschen mehr erwartet“, kommentierte ein merklich enttäuschter Schärtl den Minustrend für die Genossen, der auch bei der Bezirkstagswahl voll durchgeschlagen habe. „Aber ich bin Demokrat genug, um das zu verkraften“. Dass die AfD so stark geworden sei, „bedauere ich sehr“. In der Tat zählen die Rechtspopulisten neben den Freien Wählern und den Grünen zu den Gewinnern der Bezirkstagswahl. 14,8 Prozent der Zweitstimmen machen sie im Landkreis Schwandorf zur drittstärksten Kraft.

„Ich habe mir ein bisschen mehr erwartet.“

Armin Schärtl (SPD)

AfD-Kandidat Johann Kellermeier wartete am Montag noch die Einzelergebnisse der Oberpfälzer AfD-Kandidaten ab, um zu erfahren, ob er es in den Bezirkstag geschafft hatte. Auf Anfrage wusste der Landwirt aus Maxhütte-Haidhof nur wenig über die Funktionen des Bezirkstags zu sagen. „So ganz genau“ wisse er nicht, was ihn als möglichen Bezirksrat erwarte. Aber er habe sich bereits informiert. Er wolle transparenter machen, wohin das Budget des Bezirks genau fließe und den Bezirk überhaupt mehr in die Öffentlichkeit stellen, meinte Kellermeier.

Was mit dem Großteil des Bezirkstags-Etats geschieht, wäre mit einem Blick auf dessen Homepage schnell geklärt: Über 90 Prozent seiner Ausgaben sind für psychisch beeinträchtigte Kinder und Erwachsene und für die Wiedereingliederung von Behinderten in die Arbeitswelt vorgesehen. In der Verantwortung für diese Oberpfälzer und in der Förderung der Kultur will auch Neu-Bezirksrat Thomas Ebeling sein Amt wahrnehmen, immer im Blick dabei der Landkreis Schwandorf. Dass es bislang keine medizinische Einrichtung des Bezirks in der Region gibt, sieht Ebeling nicht als Beinbruch, zumal die Rekrutierung von Fachpersonal für psychiatrische Einrichtungen immer schwieriger werde. Außerdem hätten in Schwandorf jüngst zwei einschlägige Praxen eröffnet – und wenn es geboten sei, sei es bis zur nächsten Klinik in Weiden, Amberg oder Cham nie weit. Die zumeist kollegiale Atmosphäre im Bezirkstag entspreche auch seinem Arbeitsstil, sagt Ebeling.

Freie Wähler siegen im Norden

Er arbeite ja auch gut im Kreistag mit den anderen Parteien zusammen. Zum Beispiel mit den Freien Wählern, den mutmaßlichen künftigen Koalitionspartnern der CSU im Maximilianeum. Die Freien Wähler haben auch bei den Bezirkstagswahlen ein sehr gutes Ergebnis hingelegt. Bei den Zweitstimmen liegt die FW mit gut 15 Prozent landkreisweit auf Platz zwei, allerdings nur hauchdünn vor der AfD. Bei den Erststimmen ist es umgekehrt, hier haben die Rechtspopulisten die Nase vorne.

Politik

Bürgermeister-Fraktion tritt zur Wahl an

Bei der Bezirkswahl wollen es drei Gemeindeoberhäupter wissen. Auch Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling ist Direktkandidat.

„Das ist das einzige, was mich an meinem Wahlergebnis ärgert“, sagt FW-Kandidat Richard Tischler. Der Pfreimder Bürgermeister hat in seiner Heimatstadt die meisten Stimmen geholt, seine Partei behielt in Pfreimd und in Wernberg bei den Zweitstimmen die Oberhand. Tischler sieht für die Freien Wähler mit einer Regierungsbeteiligung in München eine Zeitenwende heraufziehen. „Da wird man gleich anders wahrgenommen“, glaubt der Bürgermeister, der es trotz guter Ergebnisse nicht in den Bezirkstag geschafft hat und 2020 noch einmal in seiner Heimatstadt für das Bürgermeisteramt antreten wird.

Auch Marion Juniec-Möller hat den Einzug ins Bezirksgremium verpasst. Über ihre zehn Prozent Stimmenanteil in Schwandorf und überhaupt das Ergebnis der Oberpfälzer Grünen (über zwölf Prozent) ist die Stadt- und Kreisrätin aber „total glücklich“ – auch wenn die Ökopartei im Landkreis noch einigermaßen weit entfernt ist von den Höhenflügen der Grünen in den Städten.

Wir haben die Entwicklungen am Wahlabend im Live-Ticker verfolgt:

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