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Politik

Herrmann diskutierte mit Vereinen

Überbordende Auflagen und Bürokratie beklagten Führungskräfte von Verbänden und Vereinen im Gespräch mit Joachim Herrmann.
Von Ralf Gohlke

Der Bayerische Innen- und Sportminister Joachim Herrmann (Mitte) stellte sich im Oberviechtacher Schützenheim den Themen, die den Vorständen von Vereinen und Verbänden auf den Nägeln brannten. Foto: R. Gohlke
Der Bayerische Innen- und Sportminister Joachim Herrmann (Mitte) stellte sich im Oberviechtacher Schützenheim den Themen, die den Vorständen von Vereinen und Verbänden auf den Nägeln brannten. Foto: R. Gohlke

Oberviechtach.Die Auswahl des Vereinsheimes der Grenzlandschützen in Oberviechtach für ein Fachgespräch mit dem Bayerischen Innen- und Sportminister Joachim Herrmann, hatte Symbolcharakter, da sich gerade das Schützen- und Jagdwesen immer wieder Forderungen nach stärkerer Reglementierung ausgesetzt sieht. Eingeladen waren aber nicht nur Vertreter der Schützenverbände, sondern Vorstände und Verbandsvertreter aller Sportarten.

Das Echo auf die Einladung war für einen Mittwochnachmittag erfreulich gut, stellte MdL Alexander Flierl fest, der die Begrüßung übernahm, insbesondere von Schützenmeister Albert Kiener, Landrat Thomas Ebeling und dem Oberviechtacher CSU-Vorsitzenden Tobias Ehrenfried, die mit am Podiumstisch saßen. Joachim Herrmann eröffnete sein kurzes Einführungsreferat mit dem Hinweis auf das Schützenwesen als Teil bayerischer Kultur. Er begrüßte es sogar, dass der Sport nun in seinem Ministerium seinen Platz habe und unterstrich die Anhebung der Sätze in der Sportförderung und hoffte, dass die Mittel vorrangig ausbezahlt werden können.

Kurz fasste er die „hervorragende Vereins- und Jugendarbeit“ zusammen, die in Bayern ehrenamtlich geleistet werde und unbezahlbar sei. Gerade in Sachen Teamgeist und Leistungsbereitschaft würden der Jugend Werte vermittelt, wie das die Schule kaum könne. Daher sei es angemessen, dass der Freistaat beim Bau von Sportstätten einen Beitrag leiste. Aufgrund der schrittweisen Anhebungen läge die Förderung jetzt schon um rund 25 Prozent höher als noch vor vier Jahren.

„Schützen nicht kriminalisieren“

Damit leitete er über zum Waffenrecht. „Ich bin froh, dass es bei uns nicht so geregelt ist, wie in den USA, wo jeder Depp eine Waffe tragen darf“, betonte Herrmann. Im deutschen Fernsehen würden täglich zehnmal mehr Morde gezeigt, als in der Realität passierten, in den USA sei dies genau umgekehrt.

Das sind die Minister im Kabinett von Markus Söder:

Unter anderem aus diesem Grundverwahrte er sich dagegen, dass jeder, der in Deutschland legal eine Waffe besitze, ein potenzieller Gewalttäter sei. Dazu bemühte er die Statistik, wonach in 90 Prozent aller Fälle von Straftaten illegale Waffen zum Einsatz gekommen seien. „Es gibt also überhaupt keinen Grund, Jäger und Schützen zu kriminalisieren“, betonte der Innenminister.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kam nach Oberviechtach. Foto: Archiv/Sven Hoppe/dpa
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann kam nach Oberviechtach. Foto: Archiv/Sven Hoppe/dpa

Er sprach im Weiteren die neuen EU-Datenschutzrechtlinien an und unterstrich, dass diese auf große Datenmengen von Firmen und Konzernen ausgerichtet seien und nicht auf den Vereinstrainer, der die Daten seiner Mannschaft auf dem Laptop hat. Entwarnung gab er in Bezug auf sogenannte Abmahn-Organisationen. Für Verstöße sei ausnahmslos das Landesamt für Datenschutz zuständig.

Gauschützenmeister Ludwig Dirscherl eröffnete den Reigen der Fragesteller. Ihm ging es um die Tradition des Schießens mit dem Zimmerstutzen und die Gleichstellung bei Lagerung und Erwerb dieser Waffe mit dem Großkaliber. Da das Thema Bundesrecht betraf, konnte Herrmann dazu nur seine persönliche Meinung einbringen. Ähnlich wie bei den kostenträchtigen Wiederholungsprüfungen bei Böllern vertrat er die Ansicht, bei beiden seien nie Probleme bekannt geworden und wo keine Probleme seien, müsste dies auch nicht bürokratisiert werden.

Mut von Behörden gefordert

„Wir müssen wieder zum gesunden Menschenverstand zurückkehren“, mahnte er. Dies galt auch für die Auflagen bei Veranstaltungen, etwa den Sicherheitsdienst. Es sei falsch, diesen nur an der Anzahl von Besuchern festzumachen. „Es besteht schon ein Unterschied zwischen 5000 Besuchern eines Rockkonzertes und 5000 Teilnehmern am katholischen Kirchentag“, so Herrmann. Erörterte Themen waren auch der Transport von Kleinkalibergewehren durch Eltern von Jungschützen, mögliche Steuererleichterungen für Ehrenamtsaktive oder Förderung von Inklusionsmaßnahmen. In einem Schlusssatz wünschte sich der Minister „wieder mehr Mut von Behörden, vernünftig zu entscheiden“.

Das Innenministerium

  • Behörde:

    Das Bayerische Staatsministerium des Innern besteht seit über 200 Jahren und ist damit eines der ältesten Ministerien des Freistaats.

  • Neue Aufgaben:

    Mit der Kabinettsumbildung im März 2018 wurden einige Aufgabengebiete neu verteilt. So wechselte der Bereich „Sport und Gesellschaft“ vom Kultusministerium zum Innenministerium.

Mehr zum Thema: Am 14. Oktober wählt Bayern einen neuen Landtag. Die MZ stellt die Kandidaten aus dem Landkreis Schwandorf vor, ihre Ziele und was sie den Bürgern versprechen.

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