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Breitensport

Der Integrationsverein lebt

Vor 15 Jahren gründete sich die FT Eintracht Schwandorf und bezog das Sportgelände des ehemaligen FC Linde.
Von Rudolf Hirsch

Josef Dell, Dieter Jäger und Wolfgang Seefeld (von links) sind stolz auf das Erreichte und zeigen gerne die Meisterschale und die Urkunde. Foto: xih
Josef Dell, Dieter Jäger und Wolfgang Seefeld (von links) sind stolz auf das Erreichte und zeigen gerne die Meisterschale und die Urkunde. Foto: xih

Schwandorf.Als sich vor 15 Jahren die FT Eintracht Schwandorf gründete und das Gelände des FC Linde übernahm, prophezeite man dem jungen Verein keine lange Überlebensdauer. Die Skeptiker mussten sich eines Besseren belehren lassen. „Der Verein ist lebendiger denn je“, gibt Vorsitzender Dieter Jäger zu verstehen. Er nennt das 40 000 Quadratmeter große Gelände „unser Freizeitparadies“. Dort tummeln sich täglich Kinder und Jugendliche vom sechsten Lebensjahr an und jagen dem Ball nach.

Neben dem SV Schwarzhofen ist die FT Eintracht Schwandorf der einzige Verein im Landkreis, der sämtliche Junioren-Jahrgänge eigenständig und ohne Spielgemeinschaft besetzen kann. Die FT hat darüber hinaus auch noch Mädchen- und Damenmannschaften im Spielbetrieb. Dort spielt auch die 14-jährige Tamara Schindler aus Schwarzhofen, die in ihrem Heimatort ihrem Lieblingssport nicht nachgehen kann und deshalb mit ihrer Mutter mehrmals in der Woche zum Trainieren und Spielen nach Schwandorf fährt.

Jeder kann mitspielen

Bei der FT Eintracht steht nicht das Leistungsprinzip im Vordergrund. „Bei uns kann jeder mitspielen“, erklärt Dieter Jäger. Für ihn zählt nicht die Spielklasse, sondern der Spaß am Spiel und die Förderung der Kinder und Jugendlichen. Sie sollen sich hier wohlfühlen. Dieter Jäger sieht die Sportvereine in der Stadt in der Pflicht zu integrieren. Im „Integrationsverein“ FT Eintracht spielen Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Herkunft gemeinsam miteinander. Auch Mädchen mit Kopf jagen dem Ball nach, ohne dass sich daran jemand stört.

Mädchen mit und ohne Kopftuch trainieren gemeinsam bei der FT Eintracht Schwandorf. Foto: xih
Mädchen mit und ohne Kopftuch trainieren gemeinsam bei der FT Eintracht Schwandorf. Foto: xih

Die Integrationskraft zieht sich durch den gesamten Nachwuchsbereich bis zu den Seniorenteams. „In den Herrenmannschaften haben wir 44 Spieler aus neun Nationen“, erklärt der Vorsitzende. Sie haben alle die Jugendmannschaften des Vereins durchlaufen.

Die gute Nachwuchsarbeit zahlt sich auch in sportlichen Erfolgen aus. Die B-Mädchen wurden bereits dreimal Oberpfalzmeister in der Halle, die Damen holten sich den Titel zweimal. Die Trainer und Übungsleiter rekrutiert der Verein ebenfalls aus dem eigenen Nachwuchs.

Die Jugendarbeit war auch der Auslöser für die Vereinsgründung vor 15 Jahren. Damals war Dieter Jäger gemeinsam mit seinem Bruder beim TSV Schwandorf aktiv und sah sich vor die Herausforderung gestellt, 160 Nachwuchsfußballer zu betreuen und zu fördern. Der TSV konnte ihnen aber nicht die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Der damalige Oberbürgermeister Helmut Hey machte daraufhin den Vorschlag auf Übernahme des Sportgeländes im Stadtsüden, das der insolvente FC Linde gerade verlassen hatte und das der Stadt gehört.

„Wir wollen einen Kunstrasenplatz errichten.“

Dieter Jäger

Jetzt, 15 Jahre später, steht die FT Eintracht vor neuen Herausforderungen. „Wir würden hier gerne investieren“, erklärt Dieter Jäger und erwartet von der Stadt das Angebot auf einen langfristigen Pachtvertrag. Mindestens auf 25 Jahre, denn das ist die Voraussetzung für die Zuschussfähigkeit. Geld vom Bayerischen Landessportverband braucht der Verein nämlich, um seine Ziele verwirklichen zu können. „Wir wollen einen Kunstrasenplatz errichten“, nennt der Vorsitzende sein ambitioniertes Vorhaben. Außer in Burglengenfeld gibt es kein derartiges Spielfeld. Viele Vereine im Landkreis fahren nach Tschechien, wo sich Kunstrasenplätze zuhauf befinden, um sich dort gegen Entgelt in den Wintermonaten auf die restliche Rückrunde vorzubereiten.

Stadt soll Angebot machen

Diesen Weg können sie sich künftig sparen, wenn die FT Eintracht ein Angebot machen kann. „Wir haben dafür die Eigenmittel“, gibt Dieter Jäger zu verstehen. Mit den Zuschüssen des Landessportverbandes ließe sich nicht nur das Kunstrasenfeld, sondern auch noch die dazu erforderliche Flutlichtanlage realisieren. Dieter Jäger weist auf den Zugewinn für die ganze Region hin und wartet „auf das Angebot der Stadt“. Der 360 Mitglieder starke Verein habe keine Schulden und sei gut aufgestellt, so der Vorsitzende.

Er biete nicht nur den Fußballballern eine Heimat, sondern auch den Freizeit-Volleyballern, den Anhängern des Selbstverteidigungssports, den Hip-Hop- und den Bauchtänzerinnen. Neben zwei großen Sportplätzen und einem Kleinfeld können die Sportler auch den 100 Quadratmeter großen Turnsaal nutzen.

Das rege Vereinsleben bereichert das gesellschaftliche Leben in und um Schwandorf ungemein – ob kulturell, sportlich oder gesellschaftlich. Viele Mitbürger engagieren sich hier ehrenamtlich und verbringen oft jahrzehntelang ihre Freizeit in und für ihren Verein. Was sie an ihrem Hobby fasziniert und was ihren Verein so wertvoll macht, das stellen wir in unserer wöchentlichen Vereinsserie vor.

Die FT Eintracht lebt Werte vor

  • Offenheit:

    „Wir leben in einer offenen Gesellschaft“, sagt FT-Vorsitzender Dieter Jäger. Diese Wertvorstellung mache sich auch im FT breit. Er sieht darin den Querschnitt der Schwandorfer Bevölkerung abgebildet.

  • Vielfalt:

    „Über 50 Prozent der Jugendlichen gehen ans Gymnasium“, sagt der Vorsitzende. Doch Schulbildung, Beruf oder sozialer Status spiele bei der FT Eintracht keine Rolle, so der Vorsitzende Dieter Jäger.

  • Ehrgeiz:

    Auch „Menschen am Rande der Gesellschaft“ seien ihm willkommen. Trotz des integrativen Schwerpunktes ist der sportliche Ehrgeiz vorhanden. Die Fußball-Herren wurden zweimal Hallen-Stadtmeister. (xih)

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