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Diese Frauen stehen den Menschen bei

Der Schwandorfer „Sozialdienst katholischer Frauen“ vermittelt Tagesmütter, unterhält eine Spielstube und ist oft Vormund.
Ingrid Hirsch

Die Spielstube ist das Aushängeschild des Sozialdienstes katholischer Frauen. Über das Jahr verteilt werden hier 2000 Kinder betreut. Foto: xih
Die Spielstube ist das Aushängeschild des Sozialdienstes katholischer Frauen. Über das Jahr verteilt werden hier 2000 Kinder betreut. Foto: xih

Schwandorf.Als sich der „Sozialdienst katholischer Frauen“ vor 25 Jahren in Schwandorf gründete, war die „Fremdbetreuung“ von kleinen Kindern noch verpönt. Vor allem in jenen Kreisen, aus denen heraus der Verband entstanden ist. Die damalige bayerische Sozialministerin Barbara Stamm erkannte aber den Bedarf und vergab drei Modellprojekte für die Tagesmütter-Vermittlung. Eines davon nach Schwandorf.

„Das war die Geburtsstunde des SkF“, sagt Vorsitzende Hermine Rodde. Inzwischen hat sich der Verband breit aufgestellt. Er vermittelt nicht nur Tagesmütter zur Kinderbetreuung, sondern begleitet auch Familien in schwierigen Lebensphasen, übernimmt Vormundschaften und unterhält eine Spielstube zur Betreuung von Kleinkindern. Seit 2009 ist der Verband unter einem Dach in der Klosterstraße in Schwandorf untergebracht.

Es gab kaum Angebote

Diplom-Sozialpädagogin Bettina Böhm koordiniert den Einsatz der Familienbegleiter und unterstützt Eltern und Kinder in schwierigem Umfeld. Foto: xih
Diplom-Sozialpädagogin Bettina Böhm koordiniert den Einsatz der Familienbegleiter und unterstützt Eltern und Kinder in schwierigem Umfeld. Foto: xih

29 Gründungsmitglieder setzten sich 1993 das Ziel, Frauen und Familien in allen Lebenslagen beizustehen. Schwandorf gehört heute zum Dachverband aus 143 Ortsvereinen in Deutschland. Gründungsvorsitzende war damals Waltraud Geis, Emilia Müller ihre Stellvertreterin. Die Sozialministerin a.D. und neue Landesvorsitzende des katholischen Frauenbundes erinnert sich an die damalige Situation: „21 der 33 Gemeinden im Landkreis hatten kein Angebot zur Kinderbetreuung.“

In der Stadt Schwandorf gab es die einzige Kinderkrippe im Landkreis. Heute sei jedem klar: „Kinderbetreuung ist die Voraussetzung für Frauen und Männer, wenn sie Familie und Beruf miteinander vereinbaren wollen“. Alleinerziehenden Müttern ermögliche ein Betreuungsangebot „ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit“.

Rosemarie Scheuerer ist die ehrenamtliche Schatzmeisterin des Verbandes und froh über jeden Spendenscheck, den sie bekommt. Foto: xih
Rosemarie Scheuerer ist die ehrenamtliche Schatzmeisterin des Verbandes und froh über jeden Spendenscheck, den sie bekommt. Foto: xih

Mit der Vermittlung von Tagesmüttern stelle der Sozialdienst katholischer Frauen „eine qualifizierte Kinderbetreuung auch in den Randzeiten sicher“, so Emilia Müller. In der Spielstube können die Eltern ihre Kinder in Obhut geben, um einzukaufen oder einen Arzt aufzusuchen. Bis zu 2000 Kinder genießen hier auf das Jahr verteilt die Betreuung der Erzieherin Rosemarie Lingl. Die Spielstube bezeichnet Hermine Rodde als „Aushängeschild des SkF“.

Trotz des ehrenamtlichen Engagements fallen im Jahr 16 000 Euro an Personal- sowie weitere 3000 Euro an Miet- und Nebenkosten an, die sich mit Spenden, den Elternbeiträgen und dem Zuschuss der Stadt in Höhe von 5000 Euro jährlich gerade mal decken ließen, so die Vorsitzende. Der Sozialdienst katholischer Frauen ist Ansprechpartner für die Beratung und Vermittlung von Tagespflegepersonen im Landkreis. Im vergangenen Jahr nahmen 33 Tagesmütter 102 Kinder in ihre Obhut. 90 Prozent der laufenden Kosten übernimmt der Landkreis.

Diplom-Sozialpädagogin Petra Preißler-Urbanek arbeitet seit 23 Jahren beim SkF und ist für die Koordinierung der Tagesmüttereinsätze zuständig. Foto: xih
Diplom-Sozialpädagogin Petra Preißler-Urbanek arbeitet seit 23 Jahren beim SkF und ist für die Koordinierung der Tagesmüttereinsätze zuständig. Foto: xih

Den Anteil von zehn Prozent müsse die SkF durch Spenden finanzieren, so Hermine Rodde. Sie erklärt die Vorzüge der Kindertagespflege: Flexibilität in den Betreuungszeiten, individuelles Eingehen auf die Bedürfnisse der Kinder, Erleben familiärer Strukturen und Kontinuität in der Betreuung. Jede Tagespflegeperson benötigt eine Pflegeerlaubnis. „Wir sind ständig auf der Suche nach Verstärkung“, erklärt die Vorsitzende.

Der Sozialdienst katholischer Frauen übernimmt auch die Vormundschaft für Minderjährige. Dies bedeutet die Übernahme der vollständigen gesetzlichen Vertretung, wenn das Familiengericht den Erziehungsberechtigten die Fürsorge entzogen hat, die Eltern verstorben oder inhaftiert sind. Etwas anderes sind die Pflegschaften. Sie beziehen sich im Gegensatz zur Vormundschaft nur auf einzelne Lebensbereiche der Gesundheits- und Vermögensvorsorge. Für die Koordinierung der Tagesmüttereinsätze und der Vormundschaften ist die Diplom-Sozialpädagogin (FH) Petra Preißler-Urbanek zuständig.

Knappe Mehrheit im Kreistag

SkF-Vorsitzende Hermine Rodde ist stolz auf die „Spielstube“, die der Verband mit Spenden und städtischer Unterstützung am Leben erhält. Foto: xih
SkF-Vorsitzende Hermine Rodde ist stolz auf die „Spielstube“, die der Verband mit Spenden und städtischer Unterstützung am Leben erhält. Foto: xih

Sie war bis 1995 am Jugendamt beschäftigt und suchte beim SkF eine neue Herausforderung. Sie übernahm die Vermittlung von Tagesmüttern, die stundenweise „fremde“ Kinder betreuen sollten. Nach dem Ende der Pilotphase stand das Projekt auf der Kippe. Vorsitzende Hermine Rodde erinnert sich an die Abstimmung im Kreistag. Mit nur einer Stimme Mehrheit entschied damals das Gremium, die Einrichtung auch ohne staatliche Unterstützung weiter zu fördern Heute arbeiten über 30 Tagesmütter mit Pflegeerlaubnis für den „Sozialdienst katholischer Frauen“. Sie dürfen bis zu fünf Kinder in ihre Obhut nehmen. Und das bis zu 40 Stunden pro Woche.

Neben Tagesmüttervermittlung, Spielstube und Vormundschaften bietet der SkF auch Familienbegleitung an und arbeitet hier mit der „Koordinierungsstelle frühe Kindheit“ (KoKi) am Landratsamt zusammen, wenn es um die Betreuung von Familien in schwierigem Umfeld geht. Das Team des SkF besteht aus fünf ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern und sechs festangestellten Mitarbeitern.

Alle Teile der Serie „Mein Verein“ finden Sie hier.

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