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Ein Verein zwischen Tradition und Fusion

Der 1. FC Schwandorf war 1963 Gründungsmitglied der Bayernliga, doch er sammelte viele große Erfolge nicht nur im Fußball.
Von Rudi Hirsch

Ex-Vorsitzender Josef Stadler erinnert sich an die großen Zeiten des 1. FC Schwandorf mit Bildern, Zeitungsartikeln, Wimpeln und vielen Aufzeichnungen. Foto: xih
Ex-Vorsitzender Josef Stadler erinnert sich an die großen Zeiten des 1. FC Schwandorf mit Bildern, Zeitungsartikeln, Wimpeln und vielen Aufzeichnungen. Foto: xih

Schwandorf.Der 1. FC Schwandorf meldet seine Fußballmannschaft ab und verkündet gleichzeitig: „Der Verein lebt mehr denn je.“ Was die einen als sportlichen Offenbarungseid werten, ist für die derzeit Verantwortlichen Teil einer Strategie, die den Traditionsclub zukunftsfähig machen soll.

250 Kinder und Jugendliche in Spielgemeinschaften mit dem TSV Schwandorf, SC Ettmannsdorf und SV Haselbach, 25 Jugendtrainer und ein Sportgelände, „um das uns viele beneiden“. Vorsitzender Reinhard Mieschala erklärt, warum der FC Schwandorf „gut aufgestellt ist“. Ihm schwebt die Entwicklung eines Fußball-Leistungszentrums zur Förderung des Nachwuchses in der Stadt vor.

Die Vereinsführung denkt auch an die Anstellung eines hauptamtlichen Geschäftsführers. Carolin Matthes tritt im August ein Freiwilliges Soziales Jahr an, gibt Tennisunterricht im Verein und an den Schulen und übernimmt gleichzeitig Verwaltungsarbeiten. Für Reinhard Mieschala ist das ein erster Einstieg. Eine hauptamtliche Kraft lasse sich aber nur dann finanzieren, „wenn sie für eine größere Einheit zuständig ist“. Darin sind sich die beiden stellvertretenden Vorsitzenden des FC Schwandorf, Kurt Mieschala und Peter von der Sitt, einig. Deshalb treiben sie auch die Fusionsgespräche mit dem Nachbar- und Patenverein SC Ettmannsdorf voran.

FC-Gelände als Faustpfand

Ein Bild mit Symbolcharakter: Zum Jubiläum des FC Schwandorf 2013 stoßen die 2. FC-Vorsitzenden Peter von der Sitt und Kurt Mieschala (von links) mit Horst Hohler vom SC Ettmannsdorf (rechts) an. Foto: xih
Ein Bild mit Symbolcharakter: Zum Jubiläum des FC Schwandorf 2013 stoßen die 2. FC-Vorsitzenden Peter von der Sitt und Kurt Mieschala (von links) mit Horst Hohler vom SC Ettmannsdorf (rechts) an. Foto: xih

„Sie finden auf Augenhöhe statt“, erklärt Peter von der Sitt, auch wenn der SC Ettmannsdorf sportlich am längeren Hebel sitzt. Das Faustpfand des FC Schwandorf ist das Gelände. Ohne die FC-Plätze kann der SC Ettmannsdorf seinen Trainings- und Spielbetrieb nicht aufrechterhalten. Ein Problem besteht allerdings: Das Gelände verwaltet der „Verband Deutscher Eisenbahner Sportvereine“ (VDES), dem zwar der 1. FC Schwandorf, nicht aber der SC Ettmannsdorf angehört. Der „Eisenbahnerverein FC“ zahlt für das 43 000 Quadratmeter große Gelände eine jährliche Pacht von 500 Euro.

FC-Vorsitzender Reinhard Mieschala strebt die Fusion im Jahr 2019 an. Foto: Archiv
FC-Vorsitzender Reinhard Mieschala strebt die Fusion im Jahr 2019 an. Foto: Archiv

Diese Zuständigkeiten sind aber nicht die einzige Hürde. Reinhard Mieschala ist ein erklärter Gegner eines bezahlten Amateursports. Trotz der „Baustellen“ hat der FC-Vorsitzender ein ambitioniertes Ziel: „Die Fusion soll 2019 über die Bühne gehen“. Reinhard Mieschala will erreichen, was seinen Vorgängern nicht gelungen ist. „Ein Zusammenschluss der Vereine ist zuletzt immer an den Befindlichkeiten der Fußballer gescheitert“, erklärt der FC-Vorsitzende. Dieses „Kirchturmdenken“ sie nun vorbei. Allen, die auf die Tradition des Vereins verweisen, gibt Kurt Mieschala zu verstehen: „Die Tradition ist etwas für die Vereinschronik, damit lässt sich aber die Zukunft nicht gestalten.“

„Die Tradition ist etwas für die Vereinschronik.“

Reinhard Mieschala, FC-Vorsitzender

Der 1. FC Schwandorf wurde 1913 als reiner Fußballverein aus der Taufe gehoben und stand bei der Gründung des SC Ettmannsdorf 1951 Pate. Später entstanden die Sparten Tennis, Boxen, Fechten, Kegeln, Leichtathletik und Sporttauchen. Bayernweit ist der FC Schwandorf jedoch durch seine Fußballer bekannt geworden, die im Jahr 1963 zu den Gründungsmitgliedern der Bayernliga und 1988 der Bezirksoberliga gehörten.

10 000 Zuschauer gegen Jahn

An die glorreichen Zeiten des 1. FC Schwandorf denkt der langjährige Vorsitzende Josef Stadler, wenn er seine Aktenordner mit Bildern, Zeitungsartikeln und Aufzeichnungen durchblättert, Wimpel und Teller aus der Vitrine herausholt und sich an die sportlichen Ereignisse in der legendären Hindenburg-Kampfbahn erinnert: Das Spiel gegen Jahn Regensburg vor 10 000 Zuschauern, DFB-Amateur-Länderpokal, Spiele gegen Eintracht Frankfurt und 1. FC Nürnberg, bayerisches Damenfinale. 1988 spielte die A-Jugend des FC in der Bayernliga und hatte vor 700 Zuschauern den 1. FC Nürnberg zu Gast.

Konrad Haußner ist ein langjähriger FC-Funktionär. Foto: Archiv
Konrad Haußner ist ein langjähriger FC-Funktionär. Foto: Archiv

Richard Ettl, zehn Jahre lang Vorsitzender des FC Schwandorf, kann sich nicht vorstellen, wie eine Fusion mit dem SC Ettmannsdorf zustande kommen soll. „Der FC hat doch außer Tennis und den AH-Fußballern nichts mehr zu bieten.“ Auch für Konrad Haußner, der vier Jahrzehnte in der Fußballabteilung des FC Schwandorf Verantwortung übernommen hat, sieht die Pläne der FC-Führung skeptisch: „Das kommt zu spät.“

Der wohl strittigste Punkt wird sein, einen Namen für den neu zu gründenden Verein zu finden. Doch da hätte Josef Stadler einen Vorschlag: Eisenbahnersportverein (ESV) Schwandorf. Mit dem Beitritt zum VDES würde der neue Verein das Problem mit dem Sportgelände lösen. Denn Josef Stadler ist überzeugt: „Die Bahn wird das Gelände verkaufen, wenn die Vereine fusionieren.“

MZ-Serie: Mein Verein

  • Das rege Vereinsleben

    bereichert das gesellschaftliche Leben in und um die Große Kreisstadt Schwandorf ungemein. Viele Mitbürger engagieren sich ehrenamtlich für diese Gemeinschaften und verbringen oft jahrzehntelang ihre Freizeit in und für ihren Verein.

  • Was sie an ihrem Hobby

    fasziniert und was ihren Verein so wertvoll macht, das stellen wir in unserer wöchentlichen Vereinsserie vor. (ml)

Menschen prägen ihre Vereine, die Vereine beleben die Stadt. Wir stellen Menschen und ihr Engagement für ihren Verein im Landkreis Schwandorf vor.

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