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Freizeit

Eine Zeitreise in das Mittelalter

Die Mitglieder von „Manus Draconis Fronbergensis“ erinnern an alte Handwerkskünste und üben sich mit Bogen und Schwert.
Von Rudolf Hirsch

Hochwürden lässt sich von zwei Knappen durch das Lager ziehen. Das Ambiente des Fronberger Schlosses eignet sich bestens für das Lagerleben. Foto: xih
Hochwürden lässt sich von zwei Knappen durch das Lager ziehen. Das Ambiente des Fronberger Schlosses eignet sich bestens für das Lagerleben. Foto: xih

Schwandorf. „Manus Draconis Fronbergensis“: Seit mehr als 20 Jahren pflegen die Ritter und Knappen von Fronberg die mittelalterliche Tradition. Hervorgegangen ist der Verein aus der Taekwondo-Abteilung des TV Wackersdorf. „Wir sind einfach vom Stock- auf den Schwertkampf übergegangen“, erinnert sich der heutige Schatzmeister Stefan Lederer. Er gehörte zu den zehn Gründungsmitgliedern, die den Mittelalterverein 1997 aus der Taufe gehoben haben. Im Fronberger Schloss hat er eine Heimat gefunden. Das dortige Gelände eignet sich bestens als Lager für die Seifensieder, Seilzieher, Fackelmacher und Bogenbauer.

Die „Fronberger Rittersleit’“ decken 400 Jahre Mittelalter ab und erinnern an eine Zeit längst vergangener Handwerkskunst, an das Lagerleben und die Sitten und Gebräuche der Vorfahren. Es war die Zeit, als die Männer mit Schwert und Schild auf das Schlachtfeld zogen und mit Pfeil und Bogen Turniere veranstalteten, begleitet von Dudelsack-, Flöten- und Harfenspielern. Die historisch Gewandeten drehen das Rad der Zeit zurück. Die Knappen und Ritter lernen das Reiten und Fechten, trinken Wein aus Tierhörnern und reinigen sich von Zeit zu Zeit in der Badestube.

Mittelalterfeste im Schloss

Am nächsten Wochenende sind die Aktiven des Vereins wieder unterwegs. In Bärnau findet das traditionelle Marktspektakel mit Musikgruppen, Gauklern und mittelalterlichen Handwerkern statt. Dort schlägt auch die Gruppe aus Fronberg ihr Ritterlager auf und taucht wieder ein in eine völlig andere Welt. „Trinket köstlichen Met und labet euch an erlesenen Speisen“. Diesem Ruf der Gastgeber wird das Fronberger Gesinde folgen und Kraut, Rüben, Geflügel und Fisch in der Pfanne zubereiten und zum Essen „sauren Würzwein“ trinken.

Wer allerdings zu tief ins Glas schaut, dem drohen drakonische Strafen am Pranger. Die armen Sünder werden in Käfige gesperrt oder bekommen eine Hals-Geige verpasst und sind dem Gespött der Kinder ausgesetzt.

Die Fronberger Mittelalterfreunde erinnern im Lager an das mittelalterliche Handwerk. Foto: xih
Die Fronberger Mittelalterfreunde erinnern im Lager an das mittelalterliche Handwerk. Foto: xih

Achtmal im Jahr schlüpfen die Fronberger Mittelalterfreunde in weite Gewänder und in Kettenhemden. „Seine Grundausrüstung hat jeder zu Hause“, erzählt Stefan Lederer. Die Gerätschaften haben die Mitglieder dagegen im Fronberger Schloss deponiert. Schlossherr Hubertus hat Räume unterhalb der Freitreppe zur Verfügung gestellt. Dort treffen sich die Mitglieder auch einmal im Monat zur Besprechung.

Regelmäßig nutzen die Mittelalterfreunde auch das Ambiente des Schlossgeländes zu Mittelalterfesten und laden Handwerker, Kriegsknechte, Söldner, Hexen, fahrende Händler, Burgfräulein und Bauersleut aus der Region ein, ihr Lager aufzuschlagen und den Besuchern die Faszination des mittelalterlichen Lebens bewusstzumachen. Ohne Stress, Druck und Hektik, mit denen der Mensch von heute geplagt ist.

Heldenhafte Recken messen sich im Turnier und erholen sich anschließend in der Badestube. Im Lager lassen sich Schmied, Holzschnitzer und Spinnerinnen gerne bei der Arbeit zuschauen. Von den 70 Mitgliedern des Fronberger Vereins sind 25 aktiv und beteiligen sich regelmäßig am Lagerleben.

Den Verein führt im Augenblick Helmut Müllner. Er spricht mit den Teilnehmern ab, in welche Rolle sie im Tross schlüpfen wollen: In die eines Ritters, Kriegsknechtes, Knappen, Mündels oder einer Magd. Der Verein hat sich auf das Herstellen und Waffen und Werkzeugen sowie auf das Bogenschießen spezialisiert und lockt damit die Besucher an ihr Lager.

Plötzlich sind irgendwo wilde Schreie zu hören. Freche Knappen haben dem „Gegner“ das Banner geklaut. Es entbrennt ein Kampf um den Wimpel. Ein paar Schritte weiter trainieren Axtwerfer für ein Turnier, tanzen Mägde zu mittelalterlicher Musik. Rauchschwaden aus dem Badehaus wabern über das Gelände. Alle Lagerbewohner sind historisch gewandet, die Ritter in Rüstungen, die Kriegsknechte in Kettenhemden und die Frauen und Kinder in weiten Gewändern.

Träume der Menschen erfüllen

Die Mittelalterfeste auf Schloss Fronberg kommen einem Trend entgegen und erfüllen die Träume der Menschen „nach der guten alten Zeit“. Das ist auch die Intention der Mitglieder des Vereins „Manus Draconis Fronbergensis“, die die Seele am Lagerfeuer baumeln lassen und Abstand von der Hektik des Alltags gewinnen wollen.

Das Lagerleben erinnert aber auch an die dunklen Kapitel des Mittelalters, an die Hexenverbrenungen auf dem Scheiterhaufen, an die blutigen Schlachten und die Bloßstellungen am Pranger. Doch bei den Lagerfesten kommen eher die angenehmen Seiten zum Tragen. Händler bieten Schmuck, Tücher und allerlei unnütze Dinge an und feilschen um den Preis. Handwerker zeigen, wie in der damaligen Zeit Töpfe hergestellt, Schalen gedrechselt und Seile gedreht wurden. Der Schmid lässt seine Kohle glühen und fertigt Waffen und Werkzeuge an. Bei den Schwertkämpfen geht es nicht mehr um Leben und Tod, sondern nur noch um die Ehre. Feuerkünstler machen die Nacht zum Tag und sorgen für eindrucksvolles Schauspiel. Übernachtet wird grundsätzlich in den Zelten, die sich bei Bedarf auch beheizen lassen.

Die nächsten zehn Jahre können die Vereinsmitglieder auf jeden Fall noch im Fronberger Schloss bleiben. So lange läuft noch der Mietvertrag. „Dann müssen wir neu verhandeln“, erklärt Schatzmeister Stefan Lederer.

Lesen Sie mehr: Menschen prägen ihre Vereine, die Vereine beleben die Stadt. Wir stellen Menschen und ihr Engagement für ihren Verein im Landkreis Schwandorf vor.

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