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Vereinsserie

Muslime sehen sich als Brückenbauer

Der türkisch-islamische Kulturverein in Schwandorf will integrativ wirken, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen.
Von Ingrid Hirsch

Die Kinder schlüpfen in traditionelle Gewänder und treten bei Festen auf. Foto: xih
Die Kinder schlüpfen in traditionelle Gewänder und treten bei Festen auf. Foto: xih

Schwandorf.Auch der türkisch-islamische Kulturverein hat einen Frauenbund. Er bringt sich beim internationalen Kinderfest in der Oberpfalzhalle, bei der Eintopf-Aktion im Landratsamt und bei Empfängen in der Moschee ein. Die leckeren Speisen der Damen sind gefragt.

In Schwandorf leben 550 Menschen mit türkischen Wurzeln. 50 von ihnen haben einen deutschen Pass. Im Landkreis sind es 1100 türkische Mitbürger. Die 1987 gegründete türkisch-islamische Gemeinde Schwandorf hat 200 Mitglieder. „Unsere Türen stehen für Muslime aller Nationalitäten offen“, sagt Ferdi Eraslan. Der Stadtrat will darüber hinaus Brücken bauen zu den anderen Religionen und so auch integrativ wirken.

Soziales Engagement ist wichtig

Die Mitglieder des türkisch-islamischen Kulturvereins treffen sich in der Moschee zum gemeinsamen Gebet und zur Geselligkeit. Foto: xih
Die Mitglieder des türkisch-islamischen Kulturvereins treffen sich in der Moschee zum gemeinsamen Gebet und zur Geselligkeit. Foto: xih

Die Gemeinde sucht den Kontakt zu den kirchlichen Verbänden, Schulen, Vereinen und Altenheimen und öffnet die Türen der Moschee auch für andere Kulturen. Osman Yildirim ist seit 2017 Vorsitzender des türkisch-islamischen Vereins, verantwortet den wirtschaftlichen Bereich und präsentiert ihn nach außen. Die Position wird alle drei Jahre neu besetzt.

Sein Vorgänger Hali Cagan ist jetzt stellvertretender Vorsitzender und zuständig für die Buchhaltung und die Organisation des „Stammtisches“ für türkische Mitbürger, der jedes Wochenende stattfindet. Zusammen mit anderen Kulturvereinen engagiert sich die Schwandorfer Gemeinde in Afrika und hat dort mehrere Brunnen finanziert. Das Geld für das jüngste Projekt stammt aus der Aktion „Ein-Topf für die Welt“.

Ibrahim Deniz ist der Imam der türkisch-islamischen Gemeinde. Nur er darf die Gebetsnische in der Moschee betreten. Foto: xih
Ibrahim Deniz ist der Imam der türkisch-islamischen Gemeinde. Nur er darf die Gebetsnische in der Moschee betreten. Foto: xih

Ibrahim Deniz ist der Imam und gehört in dieser Funktion dem Vorstand des Vereins an. Nur er darf die Gebetsnische betreten. Der religiöse Vorsteher betet vor, vollzieht die Riten und erklärt den Koran. Die Kinder und Jugendlichen müssen 17 Gebetstexte auswendig gelernt haben, bevor sie beten können. Die Vorsitzende des Frauenbundes ist Aysen Önal, um die Jugend kümmert sich Sinan Özdemir. Islamlehrerin Hyülya Ertug organisiert kulturelle Veranstaltungen, ist ehrenamtliche Übersetzerin und Kontaktperson zu den Schulen. „Der Glaube muss von Herzen kommen und darf kein Zwang sein“, so ihre Meinung.

Im Gebetsraum sind Männer und Frauen getrennt. Sie sollen sich nicht gegenseitig ablenken, so die Begründung. Nur in Mekka umkreisen Frauen und Männer gemeinsam betend das Heiligtum. Auch wenn das „Kopftuch“ zu den Geboten gehört, stellt die Gemeinde den Frauen das Tragen frei.

Kontakt zu Nicht-Muslimen

Die Moschee „DITIB“, das Islam-Zentrum der Schwandorfer Gemeinde, befindet sich in der Max-Planck-Straße. Neben den Gebetsräumen für Frauen und Männer bietet sie einen Sozialraum mit Küche. Ein Blickfang sind die Kuppeln, die nicht nur Gebetstexte und Suren enthalten, sondern auch die Akustik im Raum verbessern. Die Moschee schafft die Voraussetzungen für fünfmaliges Beten am Tag. Die Freitags- und Festtagspredigten werden auf Deutsch und Arabisch gehalten. Die Gemeinde organisiert wöchentlichen Islam- und Arabisch-Unterricht und hält Kontakt zu Nichtmuslimen, um ihnen den Koran näherzubringen.

Die Mitglieder des Frauenbundes des türkisch-islamischen Kulturvereins bereiten bei den Festen leckere Speisen zu. Foto: xih
Die Mitglieder des Frauenbundes des türkisch-islamischen Kulturvereins bereiten bei den Festen leckere Speisen zu. Foto: xih

Zum Beten müssen die Muslime aber nicht unbedingt die Moschee aufsuchen. Sie können überall beten. Ein großes Fest ist alljährlich das Fastenbrechen. Weltweit zelebrieren Muslime das Ende des Ramadan. Sie feiern, beten und essen. Wenn die Frauen in ihrer Tracht leckere „Manti“ (gefüllte Maultaschen) zubereiten, die Kinder auf der Bühne tanzen und der „Hodscha“ die Besucher spirituell einstimmt, dann feiern die türkischen Bewohner ihr traditionelles Kinderfest. Seit die Türkei ihre Unabhängigkeit wieder erlangt hat (1920), ist der 24. April offizieller Feiertag, den die Menschen auch fern ihrer Heimat begehen. Die Kinder schlüpfen in bunte Gewänder und singen und tanzen nach Herzenslust. Im Foyer servieren die Frauen leckere Speisen aus ihrer Heimat.

„Der Glaube muss von Herzen kommen und darf kein Zwang sein.“

Hyülya Ertug, Islamlehrerin

Das internationale Kinderfest des türkisch-islamischen Kulturvereins Schwandorf lockt regelmäßig Familien aus nah und fern in die Oberpfalzhalle. Gemeinsam singen sie zuerst die türkische und anschließend die deutsche Nationalhymne, um einerseits ihre Verbundenheit zu ihren Wurzeln, aber auch zu ihrer Wahlheimat auszudrücken. Anschließend läuft auf der Bühne ein buntes Programm mit Auftritten von Kindergruppen unterschiedlichster Herkunft ab.

Alle Teile der Serie „Mein Verein“ finden Sie hier.

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