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Unermüdlicher Kämpfer für Klimaschutz

Der Burglengenfelder Markus Bäuml wirbt seit Jahren für erneuerbare Energien. Auch Misserfolge konnten ihn nicht bremsen.
Von Thomas Rieke

Markus Bäuml vor einem Berg Maissilage, auf dem Hof von Landwirt Thomas Hofmann. Als Referent des Fachverbandes Biogas ist der Burglengenfelder ein glühender Befürworter des Ausbaus erneuerbarer Energien. Er sagt: „Ohne Biogas werden wir die Energiewende nicht hinkriegen.“ Foto: Rieke
Markus Bäuml vor einem Berg Maissilage, auf dem Hof von Landwirt Thomas Hofmann. Als Referent des Fachverbandes Biogas ist der Burglengenfelder ein glühender Befürworter des Ausbaus erneuerbarer Energien. Er sagt: „Ohne Biogas werden wir die Energiewende nicht hinkriegen.“ Foto: Rieke

Burglengenfeld.Würde man die Biografie Markus Bäumls als Wetterkarte zeichnen, ergäbe sich ein spannendes Bild. Strahlender Sonnenschein mit tropischen Temperaturen wären ebenso markiert wie Blitzeinschläge und Stürme mit Starkregen. Der Text, den ein Meteorologe dazu verfasste, käme dem Drehbuch eines Krimis sehr nahe. Denn tatsächlich hat Bäuml in seiner Karriere so ziemlich alles durchgemacht, was denkbar ist. Als Kämpfer für erneuerbare Energien feierte der 50-jährige Burglengenfelder Erfolge, erlebte aber auch mehrfach das Gegenteil.

Herbe Niederlagen konnten den leidenschaftlichen Klimaschützer nicht in die Knie zwingen. Bäuml ist ein Stehaufmännchen. Und wenn man ihm Glauben schenkt, rappelte er sich nicht nur aus Eigeninteresse immer wieder hoch, er tat es, weil er den Klimawandel als sehr konkrete Bedrohung für alle betrachtet: „Er ist schon da. Die Frage ist nur, wie scharf es weitergeht.“ Deshalb kämpft Bäuml unverdrossen für besseren Klimaschutz und trägt seine Botschaften zum Beispiel auch in Schulen der Region.

Bauern zu Ölscheichs...

Doch der Reihe nach: Bäuml stammt aus einer Landwirtschaft. Nachdem sein älterer Bruder den elterlichen Betrieb übernehmen sollte, musste er sich nach etwas anderem umsehen. Er absolvierte eine Metzgerlehre, wollte Fleischprodukte am Hof der Familie selbst vermarkten, fand dafür aber nicht die nötige Unterstützung. „Jetzt mach ich einfach mein eigenes Ding“, sagte er. Begeistert von der Idee des damaligen CSU-Politikers Hermann Fellner, mit nachwachsenden Rohstoffen in Form von Elefantengras die krisengebeutelten Oberpfälzer Bauern zu Ölscheichs werden zu lassen, holte Bäuml das Fachabitur nach, um dann am Landwirtschaftlichen Bildungszentrum in Triesdorf zu studieren.

Aktionen für Energiewende

  • InkerS:

    Der etwas seltsam anmutende Begriff steht für Initiativkreis Energiewende in der Region – Städtedreieck. Ansprechpartner sind Markus Bäuml und der Leiter der Geschäftsstelle Städtedreieck, Gregor Glötzl. Der „lose Zusammenschluss interessierter Bürger“ trifft sich regelmäßig zu Stammtischen. Vorträge und Ausstellungen werden organisiert.

  • Exkursion:

    Auf Initiative von InkerS findet am 3. Juli eine Exkursion für Lehrer statt. Ziel ist das Pumpspeicherkraftwerk Reisach bei Trausnitz.

  • Vortrag:

    Am 11. Juli, 19.30 Uhr, referiert im Bürgertreff der Klimawandel-Experte Dr. Eberhard Faust. Die Veranstaltung ist Teil der Klimaschutz- und Energiewendewoche, an der auch Schulen beteiligt sind. (ht)

Es zählt zu den besonderen Charakterzügen Bäumls, dass er sich nicht mit dem vorhandenen Angebot der Hochschule zufriedengab. Er wandte sich an den Dekan und den Präsidenten, um die Trommel für erneuerbare Energien zu rühren. Zum einen stieß der Student auf offene Ohren („Durchaus interessant!“), zum anderen auf harsche Ablehnung („So ein Blödsinn!“). Immerhin kam letztlich als „begleitende Maßnahme“ die Gründung eines Fördervereins zustande.

Von Euphorie bis Depression

Bäuml räumt ein, dass seine Triebfeder anfangs die war, für die Landwirtschaft nach zusätzlichen Standbeinen zu suchen. Nach und nach gewann aber der Umweltgedanke an Bedeutung. Als Diplomingenieur agr. verkaufte er zunächst für eine Firma, die sich auf Bioenergietechnik spezialisiert hatte, Heizkessel. Ende der 1999er Jahre wechselte er zum damaligen Biogas-Pionier Schmack. Mit der Einführung des Erneuerebare-Energien-Gesetzes glaubte er, die Branche stünde unaufhaltsam vor einem Siegeszug.

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Doch es kam anders: Schwankende Rohstoffpreise, sich ständig ändernde Rahmenbedingungen der Politik, zögerliche Entscheidungen in der Gesetzgebung, aber auch Schwierigkeiten in Genehmigungsverfahren führten Schmack 2009 in die Insolvenz. Lange vorher hatte Bäuml das Schiff verlassen, um 2003 bei der Firma Cowatec die Verbreitung von Biogasanlagen voranzutreiben. Die Gründer Christian und Herbert Huber holten eine Reihe von Investoren ins Boot, um mit der Kapitalerhöhung die Expansion ins Ausland zu finanzieren. Eine Gewinnwarnung von Schmack stürzte allerdings auch Cowatec in den Konkurs. Bäuml: „Von 100 Kunden blieb keiner.“ Das Geschäft mit Biogas sollte ihrem Ruf, „besonders spannend“ zu sein, einmal mehr gerecht werden.

Verkauf an russischen Investor

Zusammen mit einem bei Cowatec geschassten Vorstandsmitglied gründete Bäuml nun eine eigene Firma, das Ingenieurbüro IHB. Gemeinsam hatte man sich vorgenommen, in Spanien ein Projekt zu realisieren; fünf weitere hatte man an der Angel. Doch mit der Halbierung der Einspeisevergütung, mit der Spanien auf die EU-Krise reagierte, waren die Projekte schnell gestorben, die Firma tot. Dass der Verkauf an einen russischen Investor ebenfalls nicht den erhofften Erfolg zeitigte, sei nicht verschwiegen.

„Der Wandel ist da. Es fragt sich nur, wie scharf es weiter geht.“

Markus Bäuml Referent des Fachverbands Biogas

Seitdem ist Bäuml von Selbstständigkeit offenbar geheilt; er arbeitet seit 2014 hauptamtlich als Regionalreferent für den 4800 Mitglieder zählenden Fachverband Biogas. Daneben engagiert er sich im 2016 gegründeten Initiativkreis Energiewende in der Region – Städtedreieck (InkerS), einem Zusammenschluss interessierter Menschen, die die Energiewende voranbringen wollen. Zwölf Personen gehören dem Kompetenzteam an. Bäuml sagt, zu viele Zeitgenossen würden sich zu wenig mit dem Thema auseinandersetzen. Sie dächten, die Probleme würden übertrieben dargestellt oder würden ihre Heimat nicht tangieren. Das Gegenteil sei aber der Fall. Die verheerende Trockenheit 2018, die Nachpflanzungen in den Wäldern zerstörte und die Lieferung von Heizöl auf Flüssen lahmlegte, könnte in der Wahrnehmung einen Wendepunkt darstellen, hofft Bäuml. „Der Klimawandel muss offenbar wehtun. Dann kommt er auch in den Köpfen an.“

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