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Menschen

Mit Kunst Kinderkrebs bekämpfen

Claudia Betts Sohn Andi ist an Krebs gestorben. Nun hilft die Neunburgerin kranken Kindern und verwaisten Eltern.
Von Roland Thäder

Claudia Bett zeigt in ihrem Wohnort Gütenland oberhalb des Eixendorfer Stausees den neuesten Flyer und den aktuellen Kalender 2019 der Initiative „Kunst gegen Kinderkrebs“ . Foto: Thäder
Claudia Bett zeigt in ihrem Wohnort Gütenland oberhalb des Eixendorfer Stausees den neuesten Flyer und den aktuellen Kalender 2019 der Initiative „Kunst gegen Kinderkrebs“ . Foto: Thäder

Neunburg.Am 26. August ist es sechs Jahre her, dass Claudia Bett aus Gütenland ihren jüngsten Sohn Andi verloren hat. Er starb an Krebs. Andi wurde nur sechseinhalb Jahre alt. Drei Jahre hat er gegen die heimtückische Krankheit gekämpft. Viele Menschen haben sich während dieser Zeit bei Aktionen engagiert, um ihm und seiner Familie zu helfen. Der Tod ihres Sohnes geht Claudia Bett noch immer sehr nah. Aber mittlerweile hilft die dreifache Mutter selbst betroffenen Familien. Sie engagiert sich bei der Initiative „Kunst gegen Kinderkrebs“ und ist dort unter anderem als Administratorin der Facebookseite tätig.

Andi mit seinem Lieblingskuscheltier. Auch er hatte einen „Sorgenfresser“. Foto: Claudia Bett
Andi mit seinem Lieblingskuscheltier. Auch er hatte einen „Sorgenfresser“. Foto: Claudia Bett

„Es war mir ein Anliegen, etwas zurückzugeben, weil meine Familie und ich damals selbst so viel Hilfe von der Elterninitiative erhalten haben“, sagt die 46-Jährige über ihre Motivation. Die Hilfe kam auch von Menschen aus der Region Neunburg. „Am Tag, bevor Andi gestorben ist, hat sich eine Gruppe vor der Schwarzachtalhalle getroffen, um Kerzen anzuzünden und für ihn zu beten“, erinnert sich Claudia Bett.

Ziel der Initiative ist es, durch den Verkauf liebevoll selbst gemachter Kunstwerke oder Handarbeiten Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Der Erlös kommt in vollem Umfang den Betroffenen zugute. Das Gros geht an den Nürnberger Verein „Elterninitiative krebskranker Kinder“. Auch Andi wurde nach einer ersten Diagnose am Amberger Klinikum St. Marien in der Cnopf’schen Kinderklinik in Nürnberg behandelt.

Claudia Bett und Familie häkelten nach Andys Tod ganze Sets. Foto: Ronja Lutz
Claudia Bett und Familie häkelten nach Andys Tod ganze Sets. Foto: Ronja Lutz

Die ganze Familie sei nach Andis Tod erst einmal in ein Loch gefallen. Zuvor stand der Junge im Mittelpunkt des Familienlebens. Es gab eine Unmenge zu tun, um den Buben zu versorgen, seien es Arztbesuche oder Krankenhausaufenthalte – oder einfach die Betreuung. Dann war plötzlich viel Zeit da, die nicht ausgefüllt war. Damals fingen Claudia, ihre Tochter Alexandra und ihre Mutter Renate Hösl an, zu häkeln. Es entstanden ganze Sets von Babybekleidung mit Mütze, Schühchen und Handschuhen. Diese spendeten sie der Initiative „Kunst gegen Kinderkrebs“.

Trauerarbeit via Facebook leisten

Claudia Bett begann, Texte für deren Facebook-Auftritt zu schreiben, und schließlich wurde sie gefragt, ob sie nicht fest mitarbeiten wolle. Gegründet wurde die Initiative gegen Kinderkrebs von Ronja Lutz mit 19 Jahren. Die Nürnbergerin studiert heute Medizin. Verkauft werden die Sachen auf Märkten oder über den Onlineshop.

Socken sind der Renner im Onlineshop. Foto: Ronja Lutz
Socken sind der Renner im Onlineshop. Foto: Ronja Lutz

„Da kann man wirklich schöne Sachen bestellen und damit kranken Kindern helfen“, so Claudia Bett. Vor allem Socken seien der Renner, sagt sie. „Da suchen wir Menschen, die dieses stricken können. Ich kann das leider nicht.“

Zum Sortiment gehören zwei Jahreskalender. Einer wird mit Motiven von Besuchern der Website gestaltet, ein weiterer mit Motiven von Profifotografen, die Fotos spenden. Angeboten werden im Onlineshop auch „Sorgenfresser“. Andi hatte so ein Kuscheltier, das aus Stoffresten mit einem Reißverschluss gefertigt ist. Die kranken Kinder können ihre Sorgen auf einen Zettel schreiben und in den Reißverschluss in Maulform stecken. Die Sorgen werden dann aufgefressen.

Claudia Bett ist auch in Chat-Aktionen für Betroffene da. Diese stehen unter einem bestimmten Thema. Verwaiste Eltern erhalten auf diese Weise Hilfe bei der Trauerarbeit. Sie können sich von der Seele schreiben, was sie bedrückt. Denn jeder trauere anders, weiß Claudia Bett aus eigener Erfahrung.

Ein möglicher Titel: „Mein Kind hat Krebs!“. „Das ist ein Satz, den du nie vergisst“, erinnert sich die dreifache Mutter. Ein weiteres Thema heißt „Schattenkinder“. Darin geht es um die Geschwister, die während der Krankheit viel auf ihre Eltern verzichten müssen.

Regelmäßig schreibt Claudia Bett auf dem Facebook-Account auch Texte über betroffene Kinder, entweder um Mut zu machen oder um den Verstorbenen unter ihnen zu gedenken. Das liest sich unter anderem folgendermaßen: „Wir sind heute in Gedanken bei Leonard und seiner Familie. Leonard feiert heute seinen 5. Geburtstag mit seinen Freunden im Himmel. Wir wünschen Leonards Familie viel Kraft und Nähe zu ihrem Engel.“ Anlass dafür sind Geburts- oder Sterbetage.

Im Dezember gibt es einen Adventskalender, in dem jeden Tag ein anderes Kind vorgestellt wird, sagt Claudia Bett.

Daneben hat sie auch noch einen Facebook-Account für ihren verstorbenen Sohn Andi angelegt. Dort schreibt sie regelmäßig Briefe an ihn. Während seiner dreijährigen Leidenszeit hieß die Facebook-Seite „Andi, unser Kämpfer“.

Zu wenig Selbsthilfegruppen

Mittlerweile hat Andis Mutter die Seite in „Andi, unser Held“ umbenannt. „Er muss ja heute nicht mehr kämpfen“, lächelt Claudia Bett. „Andi ist gestorben, aber nicht verloren.“ „Denn solange wir uns an Dich erinnern, wirst Du leben“, steht auf Facebook zu lesen. Claudia Bett könnte sich vorstellen, sich zur Sterbebegleiterin für Kinder ausbilden zu lassen, zumal es auf dem Land wenige Selbsthilfegruppen für Trauerbegleitung gebe, insbesondere für verwaiste Eltern. „Das würde ich gerne machen, aber ich weiß nicht, ob ich das verkrafte“, zweifelt sie.

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