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Natur

Nester giftiger Raupen entlarvt

Erstmals hatte es der Burglengenfelder Bauhof mit dem Eichenprozessionsspinner zu tun. Ein zweiter Fall blieb privat.
Von Thomas Rieke

Montag früh in Schlag bei Pottenstetten: Ein speziell geschulter Mitarbeiter des Burglengenfelder rückt dem Prozessionsspinner mit dem Bunsenbrenner zu Leibe.  Foto: Stadt Burglengenfeld
Montag früh in Schlag bei Pottenstetten: Ein speziell geschulter Mitarbeiter des Burglengenfelder rückt dem Prozessionsspinner mit dem Bunsenbrenner zu Leibe. Foto: Stadt Burglengenfeld

Burglengenfeld. Wer sich derzeit in freier Natur bewegt, hat viel zu entdecken; überall grünt und blüht es, dass es eine wahre Freude ist. Dazwischen gedeihen freilich auch Pflanzen und Tiere, die die Begeisterung etwas trüben.

Die Rede ist hier nicht von Unkräutern, über die sich der Freund des englischen Rasens ärgert, und auch nicht vom Borkenkäfer, der dem Waldbesitzer Kopfzerbrechen bereitet. Vielmehr geht es um einen Nachtfalter mit dem spannenden Namen „Eichenprozessionsspinner“. Dabei ist es weniger der fertige Schmetterling als die Raupe (konkret das dritte Larvenstadium), die im ganzen Land für Schlagzeilen sorgt. Ihre Brennhaare können nämlich (nicht nur beim Menschen) Allergien auslösen. Neben heftigem Juckreiz drohen Hautentzündungen, Atemnot und in Einzelfällen sogar ein allergischer Schock.

Überraschung bei Futtersuche

Nadine Schirach ist es zu verdanken, dass nun auch die Bewohner des Städtedreiecks für dieses Thema sensibilisiert werden. Die „echte“ Lengenfelderin und Tierschützerin hatte am Donnerstagabend in Schlag (Pottenstetten) bei der Suche nach frischem Gras für ihre Meerschweinchen an einer Eiche ein verdächtiges Nest gefunden. Weil sie schon viel über den Prozessionsspinner gehört und gelesen hatte, sah sie sich zum Handeln gezwungen.

Über Facebook versuchte sie zunächst, in Erfahrung bringen, ob der Fund meldepflichtig sei. Darauf hin nahm der städtische Pressereferent, Michael Hitzek, Kontakt zu ihr auf. Er erkundigte sich nach Details, klärte die Frage der Zuständigkeit, und alsbald rückten Ordnungsamtschef Wolfgang Weiß, Bauhofleiter Jürgen Stegerer und der zertifizierte Baumkontrolleur Franz Süß aus, um die Raupen unter die Lupe zu nehmen.

Nachdem sich der Verdacht bestätigt hatte, wurde umgehend eine Eilmeldung verbreitet. Spaziergänger und Freizeitsportler, aber auch Waldarbeiter und Jäger sollten am Wochenende den Forst bei Schlag nicht betreten. Am Montag sollten die Raupen von einem fachkundigen Mitarbeiter des Bauhofs entfernt werden. Zum Schutz vor den gefährlichen Härchen und ihrem Nesselgift trug er einen Overall, eine Brille und eine Feinstaubmaske.

Eichenbestände im Fokus

Der Job war schnell erledigt. Doch es ist gut möglich, dass es heuer nicht der letzte Einsatz dieser Art bleibt. Vorsorglich werden nun sämtliche Eichen auf städtischem Grund in Augenschein genommen, kündigte Hitzek an. Bürger, die den Prozessionsspinner entdecken, werden gebeten, das Ordnungsamt, (09471) 701820, zu informieren.

Inzwischen, so bestätigt Hitzek, wurde auf einem Privatgrundstück in Niederhof (rund sechs Kilometer von Schlag entfernt) ein weiteres Nest mit Eichenprozessionsspinnern aufgespürt; auf Privatgrund könne die Stadt allerdings nicht tätig werden; die Eigentümer seien aufgeklärt worden, wer ihnen helfen könnte.

Nicht erhärtet hat sich das Gerücht, wonach vergangene Woche bereits eine Person in die Asklepios-Klinik eingeliefert worden sei, nachdem sie mit dem Prozessionsspinner in Kontakt geraten war. Weder in der Notaufnahme noch auf „Intensiv“ gab es einen solchen Fall, so Geschäftsführer Felix Rauschek auf Anfrage der MZ.

Der Prozessionsspinner, ursprünglich nur in heißen europäischen Ländern zuhause, ist mittlerweile auch in Deutschland weit verbreitet. Vor rund zehn Jahren, so berichtet Hans Prechtl, Sprecher des Landratsamts, sei er erstmals im Landkreis Schwandorf festgestellt worden. Im Juli 2016 schrieb MZ-Redakteur Hubert Heinzl, nun habe der Schädling, „dem Klimawandel sei Dank“, auch die Große Kreisstadt erreicht. In einer Eiche bei der Flüchtlingsunterkunft in Dachelhofen waren Mitarbeiter des kommunalen Bauhofs bei Pflegearbeiten rund um den Verkehrsgarten auf ein Nest des tückischen Nachtfalters gestoßen. Der Bereich um die Eiche wurde, wie jetzt auch in Schlag, „sofort“ abgegrenzt.

In Büchelkühn, das zu Schwandorf gehört, wurde kürzlich ebenfalls ein Befall festgestellt; es ist dies neben Schlag bisher der einzige, der für 2018 amtlich dokumentiert ist.

„Meldepflicht gibt es keine. Ansprechpartner sind die Ordnungsämter.“

Hans Prechtl, Sprecher des Landratsamts

Anrufe besorgter Bürger gingen aber bei der Unteren Naturschutzbehörde weit mehr ein. In den allermeisten Fällen konnten die Befürchtungen bisher zerstreut werden, sagt Hans Prechtl. Es lagen Verwechslungen mit der Gespinstmotte vor, welche vergleichsweise harmlos ist. Um zu verhindern, dass Stauden eindorren, genüge es, betroffene Zweige abzuschneiden und im Restmüll zu entsorgen.

Auch was den Prozessionsspinner betrifft, gibt es laut Prechtl keine Meldepflicht. Ansprechpartner seien die jeweiligen Ordnungsämter, die dann, je nachdem, wie sensibel ein Ort sei, handeln sollten. Neben Kindergärten oder an Sammelpunkten für Freizeitaktivitäten seien Maßnahmen angesagt, „irgendwo im Wald“ jedoch nicht. „Da regelt das die Natur selbst.“

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