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Das Bistro ist ein Aktivposten

Alois Feldmeier hat die „Alte Seilerei“ in Neunburg restauriert. Die Kneipe belebt die Altstadt. Geplant war das so nicht.
Von Roland Thäder

Alois Feldmeier vor seiner „Alten Seilerei“. Es ist ein Vorzeigeobjekt in der Hauptstraße geworden.Foto: Thäder
Alois Feldmeier vor seiner „Alten Seilerei“. Es ist ein Vorzeigeobjekt in der Hauptstraße geworden.Foto: Thäder

Neunburg. . Wer das Café – Bistro – Bar „Alte Seilerei“ in der Neunburger Hauptstraße 40 betritt, spürt sofort das besondere Ambiente, welches das kleine Wirtshaus (40 Plätze) ausstrahlt. Seit 1707 ist die Existenz des früheren Bürgermeisteranwesens belegt. Alois Feldmeier hat es mit Liebe stilvoll eingerichtet. Dabei stehen eine Sitzgruppe aus dem Wiener Barock neben klassischen, modernen, schwarzen Bistro-Möbeln und schrilleren Sitzgelegenheiten.

Die Speise- und Getränkekarte soll den Gästen eine große Auswahl in höchster Qualität bieten. Es gibt eine riesige Auswahl an Kaffee-Spezialitäten, im Winter eine eigene Teekarte und eine umfangreiche Auswahl an Cocktails, mit und ohne „Umdrehungen“. Foto: ro
Die Speise- und Getränkekarte soll den Gästen eine große Auswahl in höchster Qualität bieten. Es gibt eine riesige Auswahl an Kaffee-Spezialitäten, im Winter eine eigene Teekarte und eine umfangreiche Auswahl an Cocktails, mit und ohne „Umdrehungen“. Foto: ro

„Im Grunde war das mit dem Wirtshaus nicht so geplant. Ich habe das Gebäude 2012 als Baracke gekauft, um es zu sanieren“, so Feldmeier im Gespräch mit dem Reporter unseres Medienhauses. Die lokalpolitische Diskussion, die sich während der Restaurierung der Alten Seilerei um die Altstadt und das Pfalzgrafenzentrum entwickelt hat, hat der Bodenwöhrer erst so richtig zur Kenntnis genommen, als der Bauherr schon mitten in den Renovierungsarbeiten steckte.

Die Restaurierung war schwierig

Die hatten es dann durchaus in sich. Zeitweise stand in den Sternen, ob das alte Gemäuer wegen Bauschäden nicht völlig abgebrochen werden musste. Weil der Denkmalschutz auf der schweren Doppeldeckung mit Biberschwänzen bestand (zuvor Schindeln) musste ein neuer tragfähigerer Dachstuhl in den alten eingezogen werden.

Die Diskussion um die Entwicklung der Alt- und Innenstadt hatte sich im Zuge der Ansiedlung des Pfalzgrafencenters, verschärft. Die MZ nimmt das zum Anlass, in einer Reportageserie diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die sich für den Standort Zentrum entschieden haben.

Der Sinnspruch an der Wand hat, wenn man die Debatte um die Neunburger Stadtentwicklung im Hinterkopf hat, etwas Schelmisch-Hintersinniges. Mit der Sanierung der Alten Seilerei hat Alois Feldmeier jedenfalls bewiesen, dass er einer ist, der will und kann, aber nicht muss. Foto: ro
Der Sinnspruch an der Wand hat, wenn man die Debatte um die Neunburger Stadtentwicklung im Hinterkopf hat, etwas Schelmisch-Hintersinniges. Mit der Sanierung der Alten Seilerei hat Alois Feldmeier jedenfalls bewiesen, dass er einer ist, der will und kann, aber nicht muss. Foto: ro

Statt neue Ladenfläche zu generieren, hat sich Feldmeier dann dafür entschieden, ein Wirtshaus einzurichten. Als sich kein Pächter finden ließ, entschied sich der Versicherungsmakler, selbst nebenberuflich den Wirt zu geben. „Kneipen haben mir schon immer gefallen“, sagt Feldmeier.

Dabei verfolgt der Nebenerwerbswirt die Maxime, jedem etwas Besonderes bieten zu wollen und dabei „auf höchste Qualitätsansprüche zu achten“. Das beginnt beim Espresso, über den schon ein bronzefarbenes Schild neben dem Wirtshauseingang verkündet, dass die italienische Edelmarke „Illy“ ausgeschenkt wird. Sie soll aufgrund der reinen Arabica-Bohnenauswahl besonders magenfreundlich sein. Auch ein exklusiv für die „Alte Seilerei“ doppelt gebrannter Obstbrand (Pflaume und Birne) wird den Gästen kredenzt. Welche Brennerei dies in so geringen Mengen tut, wollte der Wirt dem Reporter nicht verraten. Was Feldmeier aber sehr wichtig ist: Alle Speisen werden nicht nur frisch zubereitet, sondern „wir kaufen alle Zutaten dafür auch in Neunburg ein“.

Das Mobiliar in der Alten Seilerei hat seinen ganz eigenen Charme. Es reicht von einer Sitzgruppe im Stil des Wiener Barock bis hin zu klassischen Bistro-Möbeln oder hippen, ziemlich exotischen Sitzgelegenheiten. Foto: Thäder
Das Mobiliar in der Alten Seilerei hat seinen ganz eigenen Charme. Es reicht von einer Sitzgruppe im Stil des Wiener Barock bis hin zu klassischen Bistro-Möbeln oder hippen, ziemlich exotischen Sitzgelegenheiten. Foto: Thäder

Aber zurück zur Altstadt: Mit gelegentlichen Veranstaltungen (ab 21. September ist die Sommerpause vorbei) will Feldmeier die Kleinkunstszene unterstützen und profitiert, wie er einräumt, auch selbst davon. Auch am Altstadtfest hat sich die „Alte Seilerei“ beteiligt. Auch an den „Blauen Montagen“ des Kunstvereins Unverdorben ist die Bude brechend voll. Da sitzen die Leute auf den Treppen. Aber das Manko der Altstadt sei, dass es kaum Anschlussgastronomie gebe, so dass es sich für Auswärtige nicht unbedingt lohnt, nach Neunburg zu fahren. Da gebe es Bedarf. Zeitweise hätte die „Alte Seilerei“ in der Hauptstraße hier fast ein Alleinstellungsmerkmal gehabt. Zum Glück gebe es mit den Südtiroler Stuben und nach der Wiedereröffnung des „Grande“ wieder Alternativen.

Durchhaltevermögen bewundert

Alles in allem sieht Feldmeier im Pfalzgrafencenter eine Bereicherung. „Ich bewundere sogar das Durchhaltevermögen des Herrn Winderl“, sagt Feldmeier und fügt hinzu, dass er angesichts des Gegenwinds bei dem Projekt Pfalzgrafencenter längst das Handtuch geworfen hätte. Das Fachmarktzentrum sei ein Grund, nach Neunburg zu fahren.

 Im alten Gebälk auf der Galerie ist die „Alte Seilerei“ symbolisch verewigt. Der Durchbruch für die Galerie stammt von einem der Vorgänger Feldmeiers, Foto Kraus. Die Fotografen benötigten für ihre Arbeit mehr Licht von oben. Foto: ro
Im alten Gebälk auf der Galerie ist die „Alte Seilerei“ symbolisch verewigt. Der Durchbruch für die Galerie stammt von einem der Vorgänger Feldmeiers, Foto Kraus. Die Fotografen benötigten für ihre Arbeit mehr Licht von oben. Foto: ro

Dass es den Metzgern oder Bäckern in der Altstadt schlecht gehe, glaube er nicht. Im Gegenteil: Die Klagen über Parkplatzmangel würden doch belegen, dass etwas los sei, aber eben „nur zu Stoßzeiten“.

Am Wochenende sei das Zentrum wie ausgestorben. Die politische Debatte von Gegnern und Befürwortern habe er dann als Wirt hinter der Theke hautnah miterlebt. Im Wirtshaus kommen halt die Menschen zusammen. „Da erlebt man Sachen, das hätte ich mir vorher nicht träumen lassen. Die kennt man sonst nur aus dem Fernsehen, weiß Teilzeitwirt Feldmeier.

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