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Ein Bekenntnis zur Altstadt

Monika Geissler hat das „Radieserl“ eröffnet – ein Bioladen mit Café. Mit dem Start up betritt die Neunburgerin Neuland.
Von Roland Thäder

Monika Geissler bedient im „Radieserl“eine Kundin an der Käsetheke.Foto: Thäder
Monika Geissler bedient im „Radieserl“eine Kundin an der Käsetheke.Foto: Thäder

Neunburg. . Montags gibt es Brot vom Biobäcker Neuhoff aus Regensburg, Dienstag und Freitag beliefert der Hutzelhof aus Edelsfeld den Bioladen und das Café „Radieserl“ in der Neunburger Hauptstraße und am Donnerstag bestückt der Brotbäcker Urban aus Nabburg die Regale hinter der Käsetheke, die in Neunburg wohl ihres Gleichen sucht. Die ganze Vielfalt des Brotgenusses soll aber nicht in Überfluss ausarten, sondern im Mittelpunkt stehe immer die Qualität der Lebensmittel, so Inhaberin Monika Geissler gegenüber dem Reporter unseres Medienhauses.

Die Haarseife ist ein weiteres Produkt, das helfen soll, Verpackungsmüll zu vermeiden.Foto: ro
Die Haarseife ist ein weiteres Produkt, das helfen soll, Verpackungsmüll zu vermeiden.Foto: ro

Mit Ernährung beschäftigt sich die gelernte Physiotherapeutin und fast fertige Osteopathin, die nun etwas Neues ausprobiert, schon seit langem. Aus gesundheitlichen Gründen verzichtete sie auf Weizen. Die Alternative war Dinkel. Seit die vierfache Mutter Kinder hat, „lässt mich das Thema sowieso nicht mehr los“, sagt sie auf der Terrasse des Cafés.

Den Stein ins Rollen bringen

Seit Mai gibt es das „Radieserl“ mit angeschlossenem Bistro. Als Bert Maderer seinen Bioladen in der Nachbarschaft aus Altersgründen schloss, haben sie und ihr Mann Raphael gedacht, „es wäre schade, wenn man wegen jeder Flasche Biomilch nun nach Schwandorf oder Cham fahren müsste“, so die Jungunternehmerin. Das habe den Stein ins Rollen gebracht. Aber warum gerade in der Altstadt, gibt es keinen besseren Standort?

Die Diskussion um die Entwicklung der Alt- und Innenstadt hatte sich im Zuge der Ansiedlung des Pfalzgrafencenters, das vor gut einem halben Jahr die Pforten geöffnet hat, neu entzündet. Die MZ nimmt das zum Anlass, in einer Reportageserie diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die sich für den Standort Zentrum entschieden haben.

Und wenn es ohne Verpackung einmal gar nicht geht, nimmt man etwas, was in bereits recyceltem Plastik verpackt ist.Foto: ro
Und wenn es ohne Verpackung einmal gar nicht geht, nimmt man etwas, was in bereits recyceltem Plastik verpackt ist.Foto: ro

„Es war mir wichtig, den Laden in der Altstadt zu eröffnen. Ein anderer Standort wäre für mich nicht infrage gekommen. Ich finde es schön, wenn man dort seine Sachen erledigen kann“, stellt Monika Geissler klar. Es soll auch ein Beitrag dazu sein, dass Ortschaften nicht uniform ausschauen, veröden und austauschbar werden. Wenn genügend Leute mitmachen, könne die Neunburger Altstadt etwas ganz Besonderes werden. Und tatsächlich ist der Laden während des Gesprächs gut frequentiert. Es kommen Mütter mit Kindern vorbei und einige Gäste, die auf der Terrasse frühstücken wollen. Touristen schätzen den Ort, um einen Kaffee zu trinken. „Es ist ja auch hier der einzige Ort, an dem man einen Kaffee trinken gehen kann“, sagt Monika Geissler, und so hat das Café auch früh im Gesamtkonzept des „Radieserl“ eine wichtige Rolle gespielt. Auf die Idee gebracht hat sie ihr Bruder Christoph Steininger. „Und dann hat mich das Gedankenspiel nicht mehr losgelassen“, sagt Monika Geissler. Wegen der begrenzten Räumlichkeiten von Maderers Bioladen habe sie sich aber nach neuen Räumen umgesehen und ist auf die ehemalige Pizzeria gekommen. Ein Ladenplaner, den sie mit ins Boot geholt hat, habe sie darin bestärkt, dass die Örtlichkeit die richtige ist. Schließlich sei sie branchenfremd gewesen, da will alles gut durchdacht sein, um als Gründerin mit dem Start-up keinen Schiffbruch zu erleiden.

Der Start ist geglückt

Nach dem ersten Vierteljahr ist sie auch ganz zufrieden mit der Entwicklung. Es kommen immer wieder neue Kunden und das Feedback sei gut. Natürlich gebe es ein paar Kinderkrankheiten mit der Technik, aber darin stehe ihr Mann, der Informatiker ist, ihr zur Seite.

Auch Zahnpulver im Glas als Alternative zur Zahnpasta aus der Tube hilft, Abfall zu vermeiden. Foto: ro
Auch Zahnpulver im Glas als Alternative zur Zahnpasta aus der Tube hilft, Abfall zu vermeiden. Foto: ro

Und natürlich setzt der Bioladen auf Nachhaltigkeit beim Sortiment und beim Umfang des Angebots, gerade, was frische Lebensmittel, wie Obst oder Backwaren betrifft. So gibt es keinen Café to go im Pappbecher, aber Mehrwegbecher können erstanden werden. Mittagessen oder Oliven kann man auch im Mehrwegpfandglas bekommen und neu ist auch die Putzmittelstation, wo man seine Mittel ein eigene Behälter selbst abfüllen kann. Dabei geht es auch um die Vermeidung von Verpackungsmüll. Deshalb gibt es auch Zahnpasta aus dem Glas.

Natürlich gehe nicht alles auf einmal, und man wolle sich jeden Tag ein wenig verbessern. „Ich glaube schon, dass es so geworden ist, wie es sein soll“, und wie es aussieht, rennt Monika Geissler mit ihrem Team bei den Kunden offene Türen ein. „Wir sind kein Edeka“, hebt sie wohlweißlich den Unterschied zum herkömmlichen Supermarkt hervor.

Und wer einen Kaffee trinken möchte, muss eben auch die Zeit dafür mitbringen. Darauf weist auch der Lesestoff hin, der ebenfalls ausliegt, unter anderem „flow“, die Zeitschrift ohne Eile für das kleine Glück und Nachhaltigkeit.

Ressourcen schonen

  • Müllvermeidung:

    Einige Produkte, die im „Radieserl“ angeboten werden, setzen explizit auf die Vermeidung von Verpackungsmüll. Dazu gehören Haarseife oder Zahnputzpulver, das im Glas verkauft wird.

  • Motivation:

    Monika Geissler sieht sich auch als „Überzeugungstäterin“. Deutschland sei ein sehr wohlhabendes Land, das es sich leisten könne, etwas für den Schutz der Erde und der Ressourcen zu tun.

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