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Ein Erlebnisladen für Fotofans

Über die Entwicklung der Neunburger Innenststadt streiten sich die Geister. Tanja Kraus hat sich dort selbstständig gemacht.
Von Roland Thäder

Wer durch die Hauptstraße schlendert, kennt das Bild: Tanja Kraus vor ihrem Photostudio in der Hauptstraße 42.Foto: Thäder
Wer durch die Hauptstraße schlendert, kennt das Bild: Tanja Kraus vor ihrem Photostudio in der Hauptstraße 42.Foto: Thäder

Neunburg. Neunburg. Wer die Neunburger Hauptstraße entlang schlendert, kann sie nicht übersehen. Tanja Kraus ist quasi ein Eyecatcher in eigener Sache. Oft sieht man sie auf einem der 50er-Jahre-Stühlchen mit Nierentisch an der Seite vor ihrem Laden sitzen und einen Kaffee trinken. Denn seit April vergangenen Jahres ist sie Inhaberin des Fotostudios „Rosenrot Photography“ im Anwesen Nummer 42. Die Autodidaktin in Sachen Fotografie ist eine der wenigen, die es in den vergangenen Jahren gewagt haben, ein Geschäft in der Altstadt zu eröffnen oder dort selbst in Immobilien zu investieren.

Tanja Kraus hat viele Fotoalben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts studiert. Dabei hat sie gelernt, dass sich die Menschen früher in völlig anderen Posen fotografieren ließen als heute. Dieses Wissen kommt ihren Kunden zugute. Foto: ro
Tanja Kraus hat viele Fotoalben aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts studiert. Dabei hat sie gelernt, dass sich die Menschen früher in völlig anderen Posen fotografieren ließen als heute. Dieses Wissen kommt ihren Kunden zugute. Foto: ro

Die Diskussion um die Entwicklung der Alt- und Innenstadt hatte sich im Zuge der Ansiedlung des Pfalzgrafencenters verschärft. Die MZ nimmt das zum Anlass, in einer Reportageserie diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die sich für den Standort Zentrum entschieden haben.

Die 50er Jahre lassen grüßen

Sie selbst spricht von ihrem Geschäft, das voll im 50er-Jahre-Design eingerichtet ist, von einem „Nostalgiestübchen“. Die Kulisse selbst ist geradezu filmreif. Oftmals kommen die ehemaligen Besitzer von Sideboard, Schrank oder anderen Deko-Artikeln bei ihr vorbei, um die Sachen noch einmal anzusehen, zu schauen, ob sie noch da sind und um in Erinnerungen an diese Zeit zu schwelgen.

Lesen Sie auch: Im Interview spricht Sandra Kraus über ihre Idee mit dem Fotoladen

Tanja Kraus hat sich da eine Nische geschaffen. Denn dank ihrer Sammelleidenschaft verfügt sie über jede Menge Requisiten von Kleidung über alte Kameras, einen alten Philips Schwarz-Weiß-Fernseher, ein Küchenbuffet, einen Sahneautomaten und Vieles mehr. Damit stattet Tanja, die auch als freie Mitarbeiterin für die MZ arbeitet, ihre Kunden aus, die damit posieren und sich von der Fotografin kunstvoll ins Szene gesetzt fotografieren lassen. „Viele Kunden kommen und wollen Bilder, die an früher erinnern. Ich habe dafür Kleidung aus den 20er bis 50er Jahren“, so Tanja Kraus.

Das Ladenlokal von „Rosenrot Photography“ ist im Stil der 50er Jahre gehalten. Nur dieser Fernseher ist etwas jünger, aber trotzdem ein Hingucker. Viele Besitzer schauen bei ihr vorbei, um zu sehen, ob die Sachen noch da sind, und um in Erinnerungen zu schwelgen. Foto: ro
Das Ladenlokal von „Rosenrot Photography“ ist im Stil der 50er Jahre gehalten. Nur dieser Fernseher ist etwas jünger, aber trotzdem ein Hingucker. Viele Besitzer schauen bei ihr vorbei, um zu sehen, ob die Sachen noch da sind, und um in Erinnerungen zu schwelgen. Foto: ro

Außerdem verfügt Tanja über drei so genannte „Lost Places“, leerstehende Häuser, in denen sie Fotoaufnahmen machen darf, um so die jeweils geeignete Atmosphäre für die jeweilige Szenerie zu schaffen.

Ganz wichtig sind auch die richtige Körperhaltung und der richtige Blick auf den Bildern. Denn sie hat beim Studieren alter Fotoalben, die sie auf Flohmärkten ersteht, gelernt: „Früher waren auch die Posen der Menschen anders. Insbesondere Frauen haben sich anders dargestellt“, so die Fotografin. Die Köperhaltungen waren weniger provokant-aggressiv, wie dies heute auf Fotos oft der Fall sei.

Das Wandregal im „String Design“ der 50er Jahre bietet Platz für allerlei Kuriositäten vom damals unverzichtbaren Bürokleber „Gummi arabicum“ in der typischen Flasche. Dahinter ist die Tapete mit einem recht barocken Muster. Foto: ro
Das Wandregal im „String Design“ der 50er Jahre bietet Platz für allerlei Kuriositäten vom damals unverzichtbaren Bürokleber „Gummi arabicum“ in der typischen Flasche. Dahinter ist die Tapete mit einem recht barocken Muster. Foto: ro

Bei der Bearbeitung achtet die Fotografin auch darauf, dass die Bilder eine gewisse Unschärfe und Körnung haben, um möglichst nah an ein Original aus dieser Epoche heranzukommen. Allerdings arbeitet sie natürlich digital und nicht analog mit Filmen. „Das ist ein wenig schade, aber die Kunden wollen heute alles möglichst schnell haben“, Passbilder gibt es zum sofort mitnehmen, sagt die alleinerziehende Mutter dreier Kinder.

Hier Lesen Sie ein Interview mit Tanja Kraus. Wie unterhielten uns mit ihr darüber, wie Sie auf die Idee mit dem Fotoladen gekommen ist und warum Sie nach Neunburg gezogen ist.

„Ich habe geübt, geübt, geübt“

Diese Verantwortung als Alleinverdienerin gegenüber ihrer Familie war es auch, weshalb ihr anfangs gelegentlich mulmig war. „Der Sprung in die Selbstständigkeit war für mich ein Sprung ins kalte Wasser“, erinnert sich Tanja Kraus. Und wenn es einen Monat einmal schlecht läuft, kommt noch immer ein Gefühl zwischen „Bangen und Freuen“ auf. Beigebracht hat sich Tanja Kraus das Fotografieren selbst. „Ich habe früher schon künstlerisch gearbeitet und ich habe geübt, geübt, geübt“, sagt sie über ihren Werdgang.

Mittlerweile werde ihr Fotostudio gut angenommen. Sie habe sich bewusst für die Altstadt entschieden, sie wollte dahin.

Denn in der Altstadt gibt es auch viel Laufkundschaft, gerade auch beim sonntäglichen Kirchgang oder an den verkaufsoffenen Marktsonntagen. Da würden viele mal in den Design-Laden reinschauen. Doch die Suche nach einem geeigneten Ladenlokal gestaltete sich schwierig. Dabei wurde sie auch von der Stadt Neunburg unterstützt, bis sich zufällig die Gelegenheit im Gebäude der Physiotherapeutin Stefanie Porsch eröffnete. Da hat sie zugegriffen.

Heute hat sie Kunden, die bis aus Cham und Schwandorf kommen, um sich in besonderer Weise fotografieren zu lassen. Ein Fotoshooting dauert etwa eine dreiviertel Stunde. „Das Bild muss im Kopf schon fertig sein“, sagt sie. Die Bearbeitungszeit hingegen kann auch schon mal bis zu einer Woche dauern. Es oll eben auch „ein Erlebnisladen“ sein.

Mehr Geschichten von Menschen aus dem Landkreis lesen Sie hier.

Alle Teile unserer Serie „Neunburg lebt“ lesen Sie hier!

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