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Es zählt das gedruckte Wort

Die Entwicklung in der Neunburger Altstadt ist umstritten. Doris Reitinger eröffnete dort als Erste seit langem ein Geschäft.
Von Roland Thäder

Doris Reitinger erfüllte sich mit ihrer Buchhandlung einen Lebenstraum. Sie hofft, dass er nicht irgendwann einmal platzt.Foto: Thäder
Doris Reitinger erfüllte sich mit ihrer Buchhandlung einen Lebenstraum. Sie hofft, dass er nicht irgendwann einmal platzt.Foto: Thäder

Neunburg.Wer das Geschäft in der Neunburger Hauptstraße 35 betritt, taucht ab in eine andere Welt. Es ist die Welt der Bücher. Bei Doris Reitinger, der Inhaberin der „Buchhandlung am Tor“ vis à vis des Rathauses, dreht sich alles um das gedruckte Wort.


              Das Sortiment stellt Doris Reitinger in der Buchhandlung am Tor selbst zusammen. Sie richtet sich nach Kundenwünschen und einer regionalen Auswahl. Der in Regensburg angesiedelte Krimi „Das Kafka Manuskript“ ist derzeit neu im Sortiment. Foto: ro
Das Sortiment stellt Doris Reitinger in der Buchhandlung am Tor selbst zusammen. Sie richtet sich nach Kundenwünschen und einer regionalen Auswahl. Der in Regensburg angesiedelte Krimi „Das Kafka Manuskript“ ist derzeit neu im Sortiment. Foto: ro

Und obwohl die analoge Form des Lesens spätestens nach der Erfindung von Kindle oder Reader für das Lesen am Bildschirm totgesagt wurde, gibt es sie immer noch, die ganze Vielfalt der Bücher vom bunten Bilderbuch für Vorschulkinder über spannende Regionalkrimis, andere Belletristik oder Kochbücher. So kaufte eine Kundin beim Besuch des Reporters gerade „Meine Küchenschätze“, eine Broschüre in der Rezepte, die in der MZ erschienen sind, zusammengefasst sind.

Ein großes Wagnis

Doris Reitinger war wohl die Erste seit langer Zeit, die vor sechs Jahren in der Neunburger Hauptstraße ein Geschäft eröffnet hat. Die Geschäftsübernahme von Peter Hartung, einem Regensburger Buchhändler, der den Buchladen ein gutes halbes Jahr zuvor eröffnet hatte, fiel in eine Zeit, in der auch die Neunburger Altstadt von vielen bereits totgesagt wurde.


              Bei Jugendlichen hat Doris Reitinger die Erfahrung gemacht, dass in der Altersgruppe ab etwa 14 Jahren Mädchen deutlich mehr Bücher lesen als gleichaltrige Buben. „Sie sind die dankbareren Leser“, sagt sie. Foto: ro
Bei Jugendlichen hat Doris Reitinger die Erfahrung gemacht, dass in der Altersgruppe ab etwa 14 Jahren Mädchen deutlich mehr Bücher lesen als gleichaltrige Buben. „Sie sind die dankbareren Leser“, sagt sie. Foto: ro

Die Diskussion um die Entwicklung der Alt- und Innenstadt hatte sich im Zuge der Ansiedlung des Pfalzgrafencenters, das vor gut einem halben Jahr die Pforten geöffnet hat, neu entzündet. Die MZ nimmt das zum Anlass, in einer Reportageserie diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die sich für den Standort Zentrum entschieden haben. „Es war keine bewusste Entscheidung für die Altstadt“, erinnert sich Doris Reitinger. Bürgermeister Martin Birner und Vermieter Peter Schmid (R+V-Versicherungen) suchten einen Nachmieter, um den Leerstand zu füllen. „Im Prinzip habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt. Ich bereue nichts! Allerdings muss man dieses Metier lieben“, sagt die studierte Literaturwissenschaftlerin für Anglistik und Germanistik. Denn Reichtümer erwirbt man mit einem Buchladen nicht.

 In der Hauptstraße 35 vis à vis des Rathauses hat die Buchhandlung am Tor ihr Domizil. Als die Buchhandlung 2011 eröffnet hat, war es seit langem das erste Geschäft, das sich in der Hauptstraße neu angesiedelt hat, erinnert sich Doris Reitinger. Foto: ro
In der Hauptstraße 35 vis à vis des Rathauses hat die Buchhandlung am Tor ihr Domizil. Als die Buchhandlung 2011 eröffnet hat, war es seit langem das erste Geschäft, das sich in der Hauptstraße neu angesiedelt hat, erinnert sich Doris Reitinger. Foto: ro

Doch schon diese Berufswahl legt bei ihr eine gewisse Schwäche für oder Affinität zu Büchern nahe. Allerdings hat die Schwarzhofenerin vor der Entscheidung für den Sprung in die Selbstständigkeit arg mit sich gerungen. Denn damit verbunden war und ist natürlich auch ein finanzielles Risiko. Doch sie bekam dafür volle Rückendeckung von der Familie.

Für die Buchhandlungen im Landkreis Schwandorf hat das Landratsamt einen Pool eingerichtet. Hier können sich die Geschäfte für die Belieferung von Schulen bewerben und kommen so alle paar Jahre an die Reihe. Reitinger beliefert in diesem Jahr vier Schulen. Foto: ro
Für die Buchhandlungen im Landkreis Schwandorf hat das Landratsamt einen Pool eingerichtet. Hier können sich die Geschäfte für die Belieferung von Schulen bewerben und kommen so alle paar Jahre an die Reihe. Reitinger beliefert in diesem Jahr vier Schulen. Foto: ro

Doris Reitinger ist sehr serviceorientiert und berät ihre Kunden gerne und intensiv, so dass sie sich einen festen Kundenstamm hat aufbauen können, die Beratung schätzen. Ein Alleinstellungsmerkmal hat die Buchhandlung am Tor wohl mit den Büchern südkoreanischer Autoren, die von dem Neunburger Ehepaar Jung Youngsun und Herbert Jaumann übersetzt werden. Für den Grundumsatz sorgen die Stadt Neunburg, die über die Buchhandlung die neuesten Gesetzestexte beschafft und Schulen. Für die Buchhandlungen im Landkreis Schwandorf hat das Landratsamt einen Pool eingerichtet. Hier können sich die Geschäfte für die Belieferung von Schulen bewerben und kommen so alle paar Jahre an die Reihe. Reitinger beliefert in diesem Jahr vier Schulen.

Daneben bietet sie in Kommission noch Gehäkeltes und ein paar Geschenkartikel an. Außerdem gibt es einen Kartenvorverkauf. Letzteres versteht Doris Reitinger aber eher als Teil des Kundenservices. Zusätzlicher Umsatz in nennenswerter Weise lasse sich dadurch nicht generieren. Das Sortiment stellt sie selbst zusammen, abgestimmt nach den Interessen ihrer Kunden, zugeschnitten auf die Region und nach eigenem Geschmack. „Damit liege ich meistens richtig“, sagt die Inhaberin des Buchladens. Bei Jugendlichen hat Doris Reitinger die Erfahrung gemacht, dass in der Altersgruppe ab etwa 14 Jahren Mädchen deutlich mehr Bücher lesen als gleichaltrige Buben. „Sie sind die dankbareren Leser“, sagt sie.

Die Laufkundschaft fehlt

Über die Jahre hinweg ist Doris Reitinger mit dem Geschäft eigentlich zufrieden, doch in diesem Jahr läuft es nicht. Zum Teil liege es an der mangelnden Kundenfrequenz in der Altstadt, vielleicht auch an der Zunahme des Online-Handels, aber „ich habe keine Antwort darauf“. Denn Internet und Amazon habe es auch schon gegeben, als sie das Geschäft übernommen hat. Niemand könne sich dem Fortschritt verschließen, aber der Hype um die Digitalisierung geht ihr doch manchmal auf die Nerven.

Jedenfalls fehle es in der Neunburger Altstadt einfach an Laufkundschaft. Am neuen Pfalzgrafencenter liege es jedenfalls nicht, dass die Umsätze im Herzen der Stadt sinken, zeigt sie sich überzeugt. „Dieses Problem haben andere Innenstädte auch“, so Reitinger.

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