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Den Beruf als Berufung leben

Katharina Niegel hat in Neunburg den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt: „Ich bin jung und habe nichts zu verlieren.“
Von Roland Thäder

Katharina Niegel zeigt wie vielfältig der Dimove eingesetzt werden kann. An diesem Gerät trainieren auch die Fußballprofis des FC Bayern, um wieder fit zu werden, weiß die Physiotherapeutin.Foto: Thäder
Katharina Niegel zeigt wie vielfältig der Dimove eingesetzt werden kann. An diesem Gerät trainieren auch die Fußballprofis des FC Bayern, um wieder fit zu werden, weiß die Physiotherapeutin.Foto: Thäder

Neunburg. Neunburg. „Boah, da hama a Arbeit g‘habt. Da kenn’ I mi gar nimmer aus. Schee is‘ woan.“ Aus Gewohnheit war eine Kundin in das neue Physiotherapiestudio von Katharina Niegel im Erdgeschoss der Bahnhofsstraße 1 eingetreten und war begeistert. Eigentlich wollte sie zur Mutter Silvia, die das Fußpflege- und Cosmetic Stüberl betreibt. Doch Mutter und Tochter haben die Stockwerke getauscht.

Frisch renoviert: Das Cosmetic Stüberl von Mutter Silvia und die Physiotherapiepraxis von Katharina Niegel. Foto: ro
Frisch renoviert: Das Cosmetic Stüberl von Mutter Silvia und die Physiotherapiepraxis von Katharina Niegel. Foto: ro

In der letzten Juli-Woche hat Katharina ihre Physiotherapiepraxis nach fünf Wochen Umbau wiedereröffnet. Es ist nicht nur sehr hell und freundlich eingerichtet. Es gibt auch eine Reihe von neuen Geräten und vor allem, die 26-Jährige, ihr Vater Dietmar und ihr neuer Mitarbeiter Sebastian Meier haben deutlich mehr Platz. Anfang vergangenen Jahres hat Katharina die Praxis von ihrem Vater Dietmar übernommen. Er war 1981 der erste Physiotherapeut in Neunburg. Aber was bewegt eine junge Frau heute dazu, sich in der Neunburger Innenstadt selbstständig zu machen?

Von Kindesbeinen an mit dabei

Schließlich hat sich die Diskussion um die Entwicklung der Alt- und Innenstadt im Zuge der Ansiedlung des Pfalzgrafencenters, das vor gut einem halben Jahr die Pforten geöffnet hat, neu entzündet. Die MZ nimmt das zum Anlass, in einer Reportageserie diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die sich für den Standort Zentrum entschieden haben. Für Katharina selbst hat sich diese Frage nie gestellt. „Der Papa hat beim Klaus Eder gearbeitet und ich habe sie bei der Fußball-Weltmeisterschaft im Fernsehen gesehen. Da hab ich gewusst: Ich will dasselbe machen“, erinnert sich die junge Frau daran, dass die Entscheidung für diesen Beruf eigentlich schon in ihrer Kindheit gefallen ist. Sie sei als Mädchen oft mit auf Hausbesuchen gewesen und habe sich dabei schon Vieles abgeschaut.

Tochter und Vater an der neuen Rezeptionstheke Foto: ro
Tochter und Vater an der neuen Rezeptionstheke Foto: ro

„Ich bin jung und habe nichts zu verlieren. Außerdem möchte ich den Patienten etwas bieten und mich selbst verwirklichen. Das kann ich in diesen Räumen“, zeigt sich sie sich optimistisch. Darüber hinaus sei sie überzeugt, dass Physiotherapie und auch Kosmetik und Fußpflege, die ihre Mutter anbietet, von den Menschen immer nachgefragt würden. Zu wenig Bewegung, die eine Studie den Deutschen vor kurzem bestätigt hatte, Stress und schlechte Haltung, täten ein Übriges, dass die Patienten nicht nur mehr, sondern immer jünger würden. Natürlich müsse man auch mit der Zeit gehen, Konzepte überdenken und sich überlegen, wofür man stehe und ob man noch hinter dem stehe, was man einmal angefangen habe. „Aber wenn man alles herrichtet und auf einen gewissen Stand bringt, dann geht auch was“, ist sich die Jungunternehmerin sicher.

„Lage, Lage, Lage“, waren für ihn und seine Frau 1995 entscheidend dafür gewesen, das Anwesen in der Bahnhofsstraße zu kaufen, abzureißen und neu zu bauen, erinnert sich Katharinas Vater. Der heute 65-Jährige sagt, die Parkplätze im Umfeld seien von großer Bedeutung für das Geschäft. „Die Leute sind es gewohnt mit dem Auto zu kommen und wir sind den Bedürfnissen der Landbevölkerung gerecht geworden.“ 2012 hatte Katharina ihre Ausbildung als Physiotherapeutin in den Schwandorfer Döpfer-Schulen abgeschlossen und eine Zeit lang auswärts gearbeitet.

Praktikum bei Borussia Dormund

Auch ein Praktikum bei Borussia Dortmund war dabei. Die Arbeit bei den Bundesliga-Profis habe ihr Klaus Eder vermittelt. Damals habe sie auch noch den heutigen Trainer des FC Liverpool, Jürgen Klopp, kennengelernt. Von dort hat sie einiges Wissen mitnehmen können und in den neuen Räumen stehen auch Geräte, mit denen die Profis des FC Bayern trainieren und sich regenerieren.

Dietmar Niegel erklärt, wie die manuelltherapeutische Liege funktioniert, die dem Physiotherapeuten die Arbeit erleichtert.Foto: ro
Dietmar Niegel erklärt, wie die manuelltherapeutische Liege funktioniert, die dem Physiotherapeuten die Arbeit erleichtert.Foto: ro

Das ist beispielsweise der Dimove, ein äußerst vielseitiges Gerät für das sensomotorische Funktionstraining. Was sich etwas sperrig anhört, dient dazu, natürliche und funktionelle Bewegungsabläufe so anzutrainieren, damit sie das Gehirn abspeichert. Wer stolpert, mache ganz unbewusst einen Schutzschritt, um das eigene Gewicht aufzufangen und nicht zu stürzen. Diese Fähigkeit könne unter Umständen bei einem Schlaganfall verloren gehen. Mittels des Dimoves könne man dieses unterbewusste Umsetzen von Bewegungsabläufen leichter wiedererlernen, erklärt die Physiotherapeutin an einem Beispiel ein medizinisches Einsatzgebiet des Geräts. Die manuelle und orthopädische Therapie sei dann auch ihr Schwerpunkt, so Katharina.

Die weite Welt eines Klaus Eder oder die von Borussia Dortmund wäre jedenfalls nicht ihre Welt gewesen, sagt die Physiotherapeutin auf die Frage des MZ-Reporters. Schließlich habe sie dort schon hineingeschnuppert. Außerdem müsste sie sich dann ausschließlich auf Sportverletzungen konzentrieren. Das wolle sie aber nicht. Und dann habe sie da noch so ein Gefühl: „Mein Herz schlägt für Neunburg. Hier bin ich daheim.“

Die Physiotherapiepraxis

  • Entstehung:

    Die Eltern von Katharina Niegel, Dietmar und Silvia Niegel haben das Haus in der Bahnhofsstraße 1995 gekauft und umgebaut. Seitdem betreiben sie dort das Physiotherapie- und das Kosmetikstudio.

  • Entwicklung:

    Katharina Niegel hat die Physiotherapiepraxis Anfang 2017 von ihrem Vater übernommen. Die Praxis platzte aus allen Nähten, so dass sie sich entschloss, umzubauen und zu erweitern.

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