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Öffentliches Grün in privater Hand

Mindestens drei Nittenauer wollen sich auf Patenschaften einlassen. Der Einsatz funktioniert auch unbürokratisch.
Von Thomas Rieke

Inken Bleicher vom „Regioladl“ ist auch auf dem Gebiet der Pflege öffentlichen Grüns eine Pionierin: Schon 2014 vereinbarte sie mit der Stadt, dass sie die Beete vor ihrem Geschäft selbst bepflanzen und pflegen darf.
Inken Bleicher vom „Regioladl“ ist auch auf dem Gebiet der Pflege öffentlichen Grüns eine Pionierin: Schon 2014 vereinbarte sie mit der Stadt, dass sie die Beete vor ihrem Geschäft selbst bepflanzen und pflegen darf. Foto: Rieke

Nittenau.Ein zartes Pflänzchen drohte einzugehen, noch ehe es erstmals Freude bereiten konnte. Doch jetzt scheint es sich keck zu behaupten. Die Rede ist von einer Idee des Ortsverbands der Grünen, Privatpersonen sollten durch die Übernahme von Patenschaften bei der Pflege öffentlichen Grüns mithelfen. Nach Informationen der MZ gibt es mindestens drei Nittenauer, die entschlossen sind, ihre Dienste anzubieten.

Im Januar hatten die beiden Räte Franz Probst und Elisabeth Bauer den Vorschlag, „Grünpatenschaften“ zu fördern, im Bauausschuss zur Diskussion gestellt. Nach dieser Idee würden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Nittenauer, die über den grünen Daumen verfügen, fänden ein Feld, sich für die Allgemeinheit zu engagieren, das Ortsbild könnte punktuell aufgewertet werden – und die Mitarbeiter des Bauhofs würden spürbar entlastet.

Zwar wurden in der Sitzung auch Zweifel geäußert („So etwas schläft schnell wieder ein oder wird zunichte gemacht“), doch Bürgermeister Karl Bley zeigte sich angetan: Jeder, der sich gartentechnisch einbringen möchte, sei willkommen – und werde von der Kommune unterstützt.

Knapp zwei Monate sind seitdem vergangen – und ob diese einmalige Debatte ausreichte, die erhoffte Motivation auszulösen, blieb zunächst im Dunkeln. Eine Nachfrage der MZ bei den Grünen hat nun aber ergeben, dass sich mindestens drei Persönlichkeiten bereiterklärt haben, entsprechende Arbeiten zu übernehmen – darunter Cordula Körber, die Vorsitzende der Werbegemeinschaft. Körber hielt sich am Dienstag allerdings bescheiden zurück. Bevor sie keinen Antrag eingereicht habe – die Verwaltung also noch nicht offiziell informiert sei – wolle sie sich nicht aus dem Fenster lehnen, sagte sie.

Kein Geheimnis aus ihrem Engagement macht Inken Bleicher vom „Regioladl“. Die Geschäftsfrau hat schon vor einem Jahr, also noch bevor die Grünen den Vorstoß in Richtung „Grünpatenschaften“ wagten, erfolgreich bei der Stadt angefragt, ob sie die beiden Beete vor ihren Schaufenstern bepflanzen und pflegen dürfe. Das zuständige Amt legte ihr keine Steine in den Wege, im Gegenteil. Es wurde zugesichert, dass der Bauhof im Sommer gießt und sich um das Düngen kümmert. Einzige Auflage: Was die Pflanzenarten angeht, wollte die Verwaltung vorher informiert werden.

Bleicher ist also ein Beispiel dafür, dass Pflege öffentlichen Grüns durch private Hand auch ohne jedes Formular funktioniert. Bürgermeister Bley hätte, wie er gestern bestätigte, aber auch kein Problem damit, das Ganze auf eine andere Ebene zu stellen und durch einen Patenschaftsvertrag abzusegnen und zu sichern. Denn nur mit einem Vertrag überträgt die Stadt eine Aufgabe offiziell – und der Pate wäre durch die kommunale Haftpflicht abgesichert.

Patenschaften für öffentliche Anlagen – das ist keine Erfindung der Nittenauer Grünen. Wie Franz Jobst einräumt, haben sie nur eine sympathische Idee ins Spiel gebracht, die in vielen anderen Städten bereits für erfreuliche Farbtupfer gesorgt hat. Aber: Man sei damit auch einer Aufforderung aus dem ISEK-Prozess gefolgt, wo es wiederholt um die Frage ging, wie man die Bindung der Bürger zu ihrer Stadt fördern könnte. – Mit ISEK wäre gleich das nächste Pflänzchen benannt, bei dem man gespannt sein darf, wie es sich heuer entwickelt.

Umfrage

Patenschaft für städtisches Grün - eine gute Idee?

Am Garteln interessierte Bürger könnten laut einem Vorschlag der Grünenfraktion im Bau- und Umweltausschuss der Stadt Nittenau Pflanz- und Pflegepatenschaften für städtische Grünflächen übernehmen. Aber macht eine solche Aktion überhaupt Sinn?

Interessantes Umfrage-Ergebnis

  • Umfrage

    Die Idee der Grünen hat der MZ so gut gefallen, dass sie auf ihrer Homepage sogleich eine Umfrage durchführte. Das Ergebnis hat uns überrascht. Lediglich 25 Prozent sind uneingeschränkt begeistert: „Sehr gut. Der Bauhof würde entlastet – und hätte mehr Zeit für andere Aufgaben.“

  • Mehrheit

    Rund 50 Prozent der fast 120 Bürger, die sich an der Abstimmung beteiligten, halten von der Initiative nichts. Ihre Meinung: „Die Grünanlagen liegen im städtischen Zuständigkeitsbereich, und das sollte auch so bleiben.“ Rund ein Viertel bezeichnete den Vorschlag zwar als „nett“, glaubt aber nicht, dass sich die Begeisterung der Ehrenamtlichen an der Arbeit lange hält.

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