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Projekt

Schlosswald-Friedhof am Prüfstand

Die Naturschutzbehörde des Landratsamts Schwandorf hat gegen das Vorhaben bei Stefling keine Bedenken, doch der Bund Naturschutz schießt quer.
Von Thomas Rieke

  • Diese Aufnahme ist auf einem Friedwald in Heiligenberg (Baden-Württemberg) entstanden. Nach diesem Vorbild soll auch in Stefling ein Naturfriedhof entstehen. Doch es gibt dazu auch kritische Stimmen. Foto: dpa
  • Am städtischen Friedhof in Nittenau gibt es längst eine Urnenwand, eine zweitewird momentan gebaut. Foto: Rieke

Nittenau.Im ganzen Land ist es seit Jahren zu beobachten: Die Bestattungskultur unterliegt einem drastischen Wandel; immer weniger Menschen tendieren zur klassischen Beerdigung, Familiengräber werden aufgeben. Immer mehr Menschen lassen sich einäschern und benötigen deshalb nur noch ein Urnengrab. Die Stadt Nittenau trägt diesem Trend mit einer neuen Urnenwand am Friedhof in der Regentalstraße Rechnung.

Insofern passen auch die Bemühungen, am Birkenberg in Stefling einen sogenannten Naturfriedhof anzulegen, gut ins Bild. Wie mehrfach berichtet, war Jürgen Kölbl vor rund einem Jahr mit dieser Idee an die Stadt herangetreten. Mit Ferdinand Graf von Drechsel und dessen Sohn Carl hat er engagierte Partner zur Seite, die nicht nur vom Vorhaben begeistert sind, sondern auch Grund zur Verfügung stellen können. Die „Schlosswald GmbH“ wurde gegründet.

Passt das zu unserer Kultur?

Die Kommune, die letztlich (so will es das Bayerische Bestattungsgesetz) der Träger des Friedhofs sein müsste, zeigte sich ebenfalls aufgeschlossen. Im Stadtrat bestätigte Bürgermeister Karl Bley im Januar, „der Bedarf ist wohl gegeben“. Mit Ausnahme von CSU-Rat Berthold Schreiner äußerte niemand grundsätzliche Bedenken. Schreiner hält das ins Auge gefasste Areal für zu groß und hat Zweifel, ob eine Urnenbestattung unter Bäumen „zu unserer Kultur passt“. Der Beschluss, den Flächennutzungsplan zu ändern und einen Bebauungsplan aufzustellen, fiel jedoch mit großer Mehrheit (nur zwei Gegenstimmen).

Im August schließlich wurden im Zuge der Bürgerbeteiligung die Planunterlagen im Rathaus ausgelegt. Bis 3. Oktober sollte so jedem die Gelegenheit geboten werden, sich zu informieren – sowie Bedenken, Einwendungen und Anregungen vorzubringen. Und siehe da: Eine Reihe von Anliegern hat nach Informationen der MZ die Möglichkeit auch genutzt.

Kerzen sind verboten

Die Sorgen sind freilich großenteils nicht neu – und wurden, wie Jürgen Kölbl beteuert, „längst diskutiert“. Alle hätten sich als unbegründet erwiesen. Wie zum Beispiel die ins Feld geführte Waldbrandgefahr. Kölbl: „Brennende Kerzen sind laut Friedhofsverordnung sowieso verboten – und das wird auch kontrolliert.“

Zu den Verbänden, die schriftlich Stellung genommen haben, zählt die Kreisgruppe Schwandorf des Bundes Naturschutz um Vorstandsmitglied Elisabeth Stangl. Die Nittenauerin ist eine der schärfsten Kritikerinnen des Naturfriedhofs – zumindest am geplanten Standort. Sie hält das Areal schon wegen der Topographie für ungeeignet und zweifelt, ähnlich wie Stadtrat Schreiner, am Bedarf für Nittenau. Vorwiegend Auswärtige in diesem wertvollen Gebiet bestatten zu lassen, könne nicht der mehrheitliche Wunsch der hiesigen Bevölkerung sein, meint die Umweltschützerin. Sie fürchtet einen „Bestattungstourismus“ und bemängelt, auf dem Friedhof seien noch nicht einmal sanitäre Anlagen vorgesehen. „Das wäre aber nötig, denn auch auf einem solchen Friedhof kann eine Beerdigung dauern.“

Stangl hat sich mindestens auf zwei Naturfriedhöfen umgesehen und war vom Erscheinungsbild wenig angetan. Die Anlagen hätten einen ungepflegten Eindruck gemacht, weil sich die Besucher nicht an die Vorschriften hielten. Das würde in Stefling, so ihre Vorahnung, auch nicht anders sein. Last, but not least wirft sie den bisherigen Befürwortern in Verwaltung und Stadtrat vor, die mittelfristigen wirtschaftlichen Folgen nicht genau genug untersucht zu haben: „Was ist, wenn es die Betreiber-GmbH aus irgendwelchen Gründen in ein paar Jahren nicht mehr gibt?“ Schon glaubt Stangl zu spüren, dass sich das Meinungsbild im Stadtrat ändert.

„Ein großes Anliegen vieler“

Wesentlich entspannter sieht die Lage die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts – eine von über 40 Fachstellen, die von der Stadt um ein Statement gebeten wurden. Die Behörde hat überhaupt keine Einwände geltend gemacht, berichtet Landratsamtssprecher Franz Pfeffer. Begründung: „Die Flächen von 3,5 und 1,5 Hektar, die konkret genutzt werden sollen, werden ja nicht verändert.“

Trotz dieser Rückendeckung ist Projektleiter Kölbl dünnhäutig geworden. Argumente, wie sie von BN-Frau Stangl ins Feld geführt werden, bringen ihn regelrecht auf die Palme. Es gebe Einzelpersonen, die das Projekt schlechtreden, ja torpedieren wollten, um es zu verhindern, fürchtet der Geschäftsführer der Schlosswald GmbH. „Dabei hat es für die Stadt Vorteile und ist ein großes Anliegen vieler Menschen. Das erfahre ich beinahe jeden Tag.“

Für Kölbl ist das Vorhaben weit mehr als ein interessantes Geschäftsmodell, mit dem sich irgendwann Geld verdienen lässt. Die Motivation hat ihre Wurzeln in einem heftigen Schicksalsschlag: Vor genau drei Jahren hat Kölbl bei einer Bergtour seinen Vater verloren. Erst als er längst beerdigt war, erfuhr der Sohn, dass sich der Vater eine Bestattung unter einem Baum gewünscht hätte. Kölbl vertiefte sich in das Thema „Friedwald“ – und kämpft seitdem unermüdlich für einen Naturfriedhof.

Alle Anregungen und Bedenken, die sich jetzt angesammelt haben, werden alsbald von einem Ingenieurbüro geprüft und bewertet. Das Ergebnis des Abwägungsprozesses wird dem Stadtrat vorgelegt.

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