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Projekt

Schüler bringen Bewegung in ihre Pausen

24 Schüler haben mit einer pfiffigen Idee das Pausenhofproblem der Gerhardingerschule entschärft. Sie bauen auf dem Sportplatz einen Niederseilgarten.
Von Elisabeth Hirzinger

  • Die Schüler der Klasse 4a präsentieren ihre Pläne. Hier auf diesem schattigen Platz, wird der Niederseilgarten aufgebaut. Foto: Hirzinger
  • Der Bewegungsdrang vieler Kinder ist auch durch den Teer nicht zu bremsen. Foto: Hirzinger
  • Hannah Schade arbeitet als Referendarin an der Gerhardingerschule und betreut das Schülerprojekt. Foto: Hirzinger
  • Die Lehrerin hat das Potenzial erkannt, das in den Schülern steckt und gleich alle Ideen notiert.. Foto: Hirzinger

Schwandorf.Das Problem ist bekannt und beschäftigt seit Jahren Schulleiter und in unregelmäßigen Abständen auch die Gremien des Stadtrates. Der Pausenhof der Gerhardingerschule gefällt niemandem wirklich. Er ist klein, hat keine Rasenflächen und Spielgeräte können dort auch nicht aufgestellt werden.

Bisher hat man sich mit Notlösungen geholfen. Zuerst wurde das Flachdach der Turnhalle begrünt, damit es, zumindest in den Sommermonaten, in den Pausen eine Ausweichmöglichkeit gibt. Außerdem haben Lehrer, Eltern und Schüler den tristen Hof mit Malereien zumindest optisch aufgewertet.

Aber vom Ideal eines kindgerechten Pausenhofes ist der Vorplatz der Gerhardingerschule dennoch noch weit entfernt. Das finden übrigens alle, Eltern, Lehrer und Kinder. In einer Umfrage haben sie deutlich gemacht, dass sie sich den Pausenhof ganz anders vorstellen würden, mit mehr Grün und Spielgeräten.

Dass eines Tages tatsächlich der Teer vom Pausenhof entfernt werden könnte, daran mochte niemand glauben. Davon war auch nie die Rede. Bisher ist man an der Schule davon ausgegangen, dass sich an dem baulichen Status wohl so schnell nichts ändern wird. Zumal, und das war in der Vergangenheit ein häufig genanntes Argument, der Pausenhof allein schon wegen der Feuerwehrzufahrt geteert bleiben müsse.

Aber damit mochten sich die Schüler nicht abfinden. Dass es auch anders geht, dass es wunderschöne Pausenhöfe gibt, in denen sich die Kinder richtig austoben können, das wurde den Schülern der Klasse 4a erst heuer wieder bewusst, als sie im Unterricht gemeinsam mit ihrer Lehrerin Hannah Schade den Text „Was Kinder bewegt“ lasen. Eine Geschichte, wie Kinder zusammen mit ihren Eltern ihren Pausenhof verändert haben.

Den Tag wird Hannah Schade nicht vergessen. Es war der 26. März. Nach der Lektüre des Textes waren die Kinder völlig aus dem Häuschen. Sie wollten „unbedingt was machen“, erzählt die Lehrerin. Hannah Schade ließ den Text Text sein, nahm die Kreide zur Hand und schrieb auf, was den Schülern einfiel. Nach einer Stunde war die ganze Tafel mit Ideen voll. „Das war der Wahnsinn“, sagt Schade.

Die Schüler waren wild entschlossen, etwas zu verändern. Eine Unterschriftenaktion wollten sie starten, das Logo-Mobil einschalten, die Eltern mit ins Boot holen. Strategisches Denken war den Kindern nicht fremd. Ein Besuch beim Bürgermeister könne, angesichts der bevorstehenden Wahlen, nicht schaden, fand ein Schüler. Den Kindern war klar, dass ihr Vorhaben Geld kostet, weshalb auch ziemlich bald das Stichwort „Sponsoren“ fiel. Die Schüler erkannten sofort das finanzielle Potenzial, das möglicherweise in Eltern steckt, die eine Firma besitzen. Andere wiederum, erinnert sich Hannah Schade, waren sich sicher: „Das zahlt mein Papa“.

Wichtig war den Schülern, dass der Boden für ihren erweiterten Pausenhof grün ist, am besten eine Wiese, „wo man auch hinfallen kann, ohne sich gleich was aufschürft“. Bei der Frage, wo sich ihr Projekt realisieren ließe, blieben die Kinder nicht lange hängen. Auf dem Sportplatz natürlich, waren sie sich schnell einig. Und dorthin sind sie am selben Tag noch marschiert, und haben Maß genommen.

Wieder zurück im Klassenzimmer ging es weiter ins Detail: Ein Niederseilgarten stand ganz oben auf der Wunschliste, und eine Rutsche. Zuerst wollten die Schüler, mit Blick auf die leeren Kassen, den Klettergarten selbst bauen. Doch dann kamen den jungen Planern doch Bedenken, wegen der Sicherheit. „Wir brauchen eine Versicherung“, notierte Hannah Schade auf der Tafel und war erstaunt ob des Weitblicks, den die gerade mal zehn Jahre alten Kinder zeigten.

Am 26. März gegen Mittag hat Hannah Schade die Schulleiterin dazugeholt. Sabine Bauer hat sich die Ergebnisse des Brainstormings angeschaut und war hellauf begeistert. Spontan hat die Rektorin grünes Licht für das Projekt gegeben und symbolisch auf der Tafel unterschrieben. Einzige Bedingung der Schulleiterin: Der Start des Schülerprojekts wird bis nach den Osterferien verschoben, um den Übertritt nicht zu gefährden. Eine Gefahr, die bei der Klasse eigentlich nicht bestand. Von 24 Schülern, verriet Sabine Bauer im Gespräch mit der MZ, treten heuer 23 an weiterführende Schulen über.

Die Schüler bekamen schließlich freie Hand. Sie habe lediglich „kleinere organisatorische Arbeiten“ übernommen, erzählt Hannah Schade in bescheidener Zurückhaltung. Unter anderem habe sie Kataloge bestellt, damit sich die Kinder die Elemente für den Niederseilgarten aussuchen konnten. Denn, das stand bald fest, die komplizierteren Elemente wollte man doch von einem Profi anfertigen und montieren lassen.

Langsam nahm das Niederseilgarten-Projekt Form an. Hannah Schade hat das Thema in allen Fächern aufgegriffen. In Deutsch haben die Kinder Briefe an Sponsoren, den Bürgermeister und Gerätehersteller geschrieben. In Mathe hat die Lehrerin Sachaufgaben mit den gemessenen Größen gestellt und die Schüler haben ausgerechnet, wie viel Geld sie brauchen, um bestimmte Geräte kaufen zu können. Und im Kunstunterricht haben sie Legomodelle von ihrem Niederseilgarten gebaut.

Bald hatte die Klasse auch einen Sponsor gefunden – die Sparda Bank, die 5000 Euro zu dem Projekt beisteuerte. Die Kinder erwiesen sich als gewiefte Manager. Nichts überließen sie dem Zufall. Deshalb haben sie auch den Gerätehersteller gelöchert, was denn passiert, wenn ein Gerät kaputt wird, wie schnell er liefern kann und warum ausgerechnet Rubinienholz für Spielgeräte so geeignet ist.

Das Erstaunlichste aber an der ganzen Aktion ist, dass es den Viertklässlern, die allesamt heuer die Schule verlassen, nicht wichtig war, dass sie selbst noch in den Genuss der Spielgeräte kommen. „Wir wollen das für die Klassen nach uns machen“, versicherten sie. Nachhaltigkeit war den Schülern ein Anliegen, auch wenn sie bis zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich nicht wussten, was das bedeutet.

Eine Aussage eines Schülers wird Hannah Schade „nie vergessen“. Der Junge erklärte ihr eines Tages mit ernstem Gesichtsausdruck, dass er mal mit seinen eigenen Kindern zum Niederseilgarten kommen und ihnen zeigen wolle, „dass ich das gemacht habe“.

Nachdem die Planungen abgeschlossen waren, haben die Viertklässler sogar eine Schulkonferenz abgehalten und allen Mitschülern ihr Projekt vorgestellt. Und wenn der erweiterte Pausenhof, der auch im Sportunterricht genutzt werden soll, fertig ist, wird es für alle Schüler auch noch eine Sicherheitseinweisung geben, von den Schülern der 4a natürlich.

Nur einen kleinen Nachteil hat der neue „erweiterten Pausenhof“. Man braucht ein paar Minuten, um zum Sportplatz hin- und wieder zurückzulaufen. Messerscharf haben die Schüler erkannt, dass die Pause dafür zu kurz wäre und dass natürlich nur eine Klasse Platz hat auf dem Sportgelände. Aber auch dieses Problem ist längst gelöst. Schulleiterin Sabine Bauer hat einer Verlängerung der Pause für die jeweilige Klasse zugestimmt.

Am 11. Juli ist es so weit: Dann werden 17 Eltern, Mitarbeiter des Herstellers und Bauhofmitarbeiter mit anpacken und den Niederseilgarten mitsamt einer Rutsche, die Eltern gespendet haben, aufbauen.

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