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Schwandorf
Freitag, 23. Februar 2018 2

Lokalpolitik

Schuldebatte: Alles ist möglich

Amtsdirektor Kick will mit dem Bürgermeister Vor- und Nachteile eines Neubaus klären. Im Rat kochte die Debatte erneut hoch.
Von Thomas Rieke

Albin Schreiner (links), Vorsitzender der BWG, und Ex-Bürgermeister Heinz Karg halten den Vorschlag, in Wölland eine neue Schule zu bauen, für Humbug. Bereits 2006 hatte es, wie in der MZ nachzulesen, eine entsprechende Idee gegeben. Von Dietmar Zierer (Grüne) wurde sie damals als „Wolkenkuckucksheim“ bezeichnet. Foto: Rieke

Burglengenfeld.„Grund- und Hauptschule leiden unter Raumnot. (...) Darüber waren sich die Stadträte einig. (...) CSU-Fraktionsvorsitzender Josef Gruber wartete mit dem Vorschlag auf, statt einer Erweiterung im Naabtalpark eine neue Grundschule in Wölland zu bauen...“

Mit diesen Sätzen aus der Mittelbayerischen Zeitung ließ BWG-Stadtrat Albin Schreiner in der jüngsten Ratssitzung aufhorchen. Die Passage stammt freilich nicht aus einer aktuellen Ausgabe, sondern vom September 2006. Doch genau damit wollte Schreiner unterstreichen, dass die Idee, die Gruber kürzlich, am 31. Januar, im Bauausschuss zur Lösung der Raumnot in der Hans-Scholl-Schule präsentiert hatte, alles andere als neu, sondern, im Gegenteil, eine „olle Kamelle“ sei. Die Initiative habe, wie damals, keine Chance auf Realisierung. Zu viele Gründe sprächen dagegen.

Fehlte es 2006 an Weitsicht?

Die Standortdebatte war im Rat etwas überraschend hochgekocht. Eigentlich stand das Thema gar nicht auf der Tagesordnung, denn der Bauausschuss war am 31. Januar mehrheitlich der Meinung, es sei zu früh, eine konkrete Empfehlung zu formulieren. Wegen der Dringlichkeit des Problems hatte Schreiner im Rat trotzdem gleich zu Beginn der Ratssitzung beantragt, das heiße Eisen nachträglich auf die Agenda zu setzen – und war gescheitert. Was wiederum 3. Bürgermeister Gruber nicht daran hinderte, sein Plädoyer für eine zusätzliche Schule in Wölland zu wiederholen.

Sein Hauptargument ist die jetzt schon erreichte Größe der Hans-Scholl-Schule. Aus pädagogischen Gründen sei davon abzuraten, im Naabtalpark weiter draufzusatteln. Das Wohlbefinden vieler Kinder hänge nämlich auch von der Überschaubarkeit einer Einrichtung ab. Positive Nebeneffekte einer neuen Schule in Wölland wären laut Gruber, dass rund 200 Kindern der tägliche Bustransfer erspart bliebe und sich die Schule sogar als Magnet für Nahversorger erweisen könnte.

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Braucht Burglengenfeld eine neue Grundschule?

Schreiners Griff ins Archiv und die Tatsache, dass Grubers Idee 2006 tatsächlich gescheitert war, konterte der 3. Bürgermeister so: Damals sei eben zu kleinkariert gedacht worden. Wäre der Stadtrat mit größerer Weitsicht gesegnet gewesen, „hätten wir das Problem heute nicht“.

Auch Bürgermeister Thomas Gesche ist der Auffassung, dass der Vergleich, den die BWG anstellte, zu sehr hinkt. Die Zeiten hätten sich geändert, Burglengenfeld habe erneut stark an Einwohnern hinzugewonnen; es sei daher durchaus gerechtfertigt, „um die beste Lösung zu ringen“. Stellvertretender CSU-Fraktionschef Thomas Hofmann sagte, dabei dürfe man nicht vergessen, welche Rolle eine jahrelange Baustelle am bisherigen Standort spielen würde. „Kleine Kinder sind da sensibler als ältere.“

Aus Sicht von Schreiner handelt es sich bei den Vorstellungen Grubers um ein reines Luftschloss. Er könne wie schon 2006 nicht einmal ein Grundstück nennen, auf dem die Pläne zu realisieren wären. Grünen-Stadtrat Dietmar Zierer habe seinerzeit von einem Wolkenkuckucksheim gesprochen, „und damit hatte er recht“.

Wer soll das bezahlen?

Ex-Bürgermeister Heinz Karg, der sich in Ratssitzungen nur noch selten zu Wort meldet, erklärte, ihn erinnerten die Aussagen Grubers an eine Märchenstunde. Bei seinem Werben um eine Extra-Schule in Wölland verliere er kein Wort darüber, welche zusätzlichen Kosten damit verbunden wären. Weil die gesamte schulische Infrastruktur fehle, sei davon auszugehen, dass ein Neubau unterm Strich mehrere Millionen Euro mehr kostete als eine Erweiterung im Naabtalpark. „Sie sagen immer, wir haben kein Geld, und plötzlich spielen solche Summen keine Rolle mehr!“, wetterte Karg in Richtung 3. Bürgermeister und CSU.

SPD-Fraktionssprecher Sebastian Bösl machte in dem Wortgefecht ein Beispiel für „Vergangenheitsbewältigung“ zwischen den Protagonisten aus – und betonte, die SPD sei in puncto Schulstandort aktuell für alles offen. „Wir warten ab, was diesbezüglich von der Verwaltung kommt.“ Man folge in dieser Frage keiner Ideologie, sondern ausschließlich Argumenten. Ein, zwei Monate müsse für die Standortuntersuchung schon noch Zeit sein.

Schulamtsdirektor Georg Kick bestätigte auf Anfrage, er werde sich in Kürze mit Bürgermeister Gesche treffen, um das Thema zu erörtern. „Alle Vor- und Nachteile werden abgewogen.“ Dabei seien auch die Auswirkungen auf die Mittelschule zu berücksichtigen. Grundsätzlich, so betonte Kick, sei es denkbar, in Burglengenfeld eine neue Grundschule zu bauen; es spräche aber auch nichts gegen eine Erweiterung der bisherigen. Dass diese zu groß würde, könne man so pauschal nicht sagen. „Unsere Lehrer sind sehr wohl in der Lage, auch in größeren Einrichtungen altersgerecht zu unterrichten, ohne den Nachwuchs aus dem Auge zu verlieren.“

Ebenfalls Thema im Stadtrat:

Mittagstisch: Verwaltung ist gefordert

  • Elternprotest

    Auf Drängen der BWG kam die Mittagsverpflegung in städtischen Kindergärten auf die Tagesordnung des Stadtrats. Auslöser war im Herbst 2017 der Protest von Eltern gewesen, die beklagten, dass im Josefine-Haas-Kindergarten nur noch bei Buchung eines Ganztagsplatzes warme Mahlzeiten ausgegeben werden. Begründung: die Raumnot.

  • Lösungen bis März

    Die Stadt verwies ferner auf die Möglichkeit, in die BRK-Übergangseinrichtung auszuweichen. Der BWG reicht das nicht. Am 7. Februar ist es ihr gelungen, eine Mehrheit (13:8) zu schmieden, die die Verwaltung beauftragte, bis März nach Lösungen zu suchen. Ziel müsse es sein, auch in der städtischen Kita allen, die dies wünschten, warmes Essen zu bieten.

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