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Archäologie

Mit dem Armreif fing alles an

Mit einem Zufallsfund begann seine Leidenschaft: Eduard Süß entdeckte seine Leidenschaft für vergrabene Schätze im Boden.
Von Hubert Heinzl

In der Nähe des Stollenarmreifs fand Eduard Süß auch Knochenfragment, die von einem menschlichen Jochbein stammen – deutlicher Hinweis auf ein uraltes Grab. Foto: Eduard Süß
In der Nähe des Stollenarmreifs fand Eduard Süß auch Knochenfragment, die von einem menschlichen Jochbein stammen – deutlicher Hinweis auf ein uraltes Grab. Foto: Eduard Süß

Schwandorf.Als Eduard Süß (58) an einem sonnigen Morgen vor 25 Jahren bei Hofenstetten durch Wald und Flur stapfte, war er auf der Suche. Schon immer hatte sich der Wackersdorfer für die Geschichte seiner Heimat interessiert, seinerzeit vor allem für das frühe Mittelalter. „Da gab es ein Flurstück mit Namen Galgenfelder, ein Hinweis auf die Halsgerichtsbarkeit. Und ich habe mir überlegt, ob es hier nicht eine Herrschaft und die Überreste einer Burg geben müsste, auch wenn nichts dergleichen überliefert war“. Eine Burg hat der Wackersdorfer damals nicht gefunden. Doch auf einem Acker stolperte er über eine viel größere Rarität: einen bronzenen Armreif, vom Alter grüngefärbt. „Als ich das gesehen habe, hatte ich sofort das Gefühl, das ist aus einer anderen Welt“, sagte Süß heute.

Einer der spektakulärsten Funde

Mit dem Zufallsfund fing alles an. Eduard Süß entdeckte seine Leidenschaft für die Vor- und Frühgeschichte der Region, all die Schätze im Boden, die auf den Feldern immer mal wieder hochgeackert werden. Über 100 000 historische Objekte hat der 58-Jährige seither gesammelt. Und immer noch ist der Armreif von Hofenstetten eines seiner spektakulärsten Fundstücke.

Auf dieser Unterlage wurden Körner und Kräuter zermahlen. Foto: Süß
Auf dieser Unterlage wurden Körner und Kräuter zermahlen. Foto: Süß

Der Stollenarmreif – der Name rührt von den Enden her, deren Form an die Stollen von Autoreifen erinnert – ist in der Region einzigartig. Laut Eduard Süß stammt er aus der Spätbronzezeit, vom Übergang von der Urnenfelder- in die Hallstattzeit, wie die Fachleute sagen; sie datieren den Fund auf die Zeit zwischen 800 und 1000 vor Christus. Ob der Armreif nur als Schmuckstück getragen wurde oder auch rituelle Bedeutung hatte, ist ungewiss. „Die Muster darauf könnten vielleicht auch astronomische Zeichen sein oder eine Art Kalender. Aber das ist natürlich Spekulation“, sagt Eduard Süß.

„Ich hatte sofort das Gefühl, das ist aus einer anderen Welt.“

Eduard Süss, Hobby-Archäologe

Fest steht nach seinen Worten, dass er bei dem Fund vor 25 Jahren auf ein Einzelgrab gestoßen ist, denn in unmittelbarer Nähe fanden sich auch Knochenfragmente, die von einem menschlichen Jochbein stammen. „Und 1903 wurde nach historischen Quellen im Taxölderner Forst auch mehrere Grabhügel angeschnitten“, sagt der 58-Jährige. Doch damit ist der Feldforscher aus Wackersdorf auch schon wieder am Ende mit seinem Latein: Unklar ist nach seinen Worten, ob es sich um ein Hügel oder Flachgrab handelt; ob die sterblichen Überreste verbrannt wurden, wie in der Urnenfelderzeit üblich. Man kann lediglich davon ausgehen, dass nur höhergestellte Personen mit derart wertvollen Grabbeigaben bestattet worden sind.

Mit der Klopfkugel aus Quarzit konnten Steine behauen werden. Foto: Süß
Mit der Klopfkugel aus Quarzit konnten Steine behauen werden. Foto: Süß

Wo es Gräber gibt, sollten Siedlungen nicht weit sein; doch erst viel später hat Eduard Süß deren Überreste in der Nähe entdeckt. Sie werfen ein erhellendes Licht auf die Lebensweise der Menschen vor rund 3000 Jahren, bei denen es sich nach den Worten des Hobby-Archäologen um „das Ursubstrat unserer Bevölkerung“ handelt. Wie so häufig bei unseren Vorfahren, spielt auch bei der Fundstelle in der Nähe von Hofenstetten der Naturraum eine entscheidende Rolle für die Ansiedlung. Das Gelände ist nach Süden geöffnet und erlaubt einen weiten Ausblick auf das heutige Oberpfälzer Seenland, das man sich in vergangenen Tagen als ausgedehnte Sumpf- und Weiherlandschaft vorzustellen hat. Wild, Fische, aber auch Muscheln standen bei den frühen Siedlern auf dem Speiseplan. Aber auch Viehzucht und Ackerbau wurden betrieben, wie sich aus den historischen Relikten ableiten lässt. So hat der Wackersdorfer Feldforscher beispielsweise schwere Granitsteine entdeckt, auf denen Getreide oder Körner gemahlen wurden. Dass Schafe gehalten wurden, legen wiederum sogenannte Spinnwirteln nahe, die er bei seinen Streifzügen geborgen hat.

Der Pfahl als Besonderheit

Eine Besonderheit an den Fundstellen bei Hofenstetten ist die Geologie. Denn nur 300 Meter den Hang hinauf, verlaufen auf dem Kamm die letzten Ausläufer des Pfahls – jenes 150 Kilometer langen Quarzgangs, der sich vom österreichischen Mühlviertel bis Schwarzenfeld erstreckt. Eine der letzten Erhebungen ist der Hirschberg über Hofenstetten, der heute von einem Aussichtsturm gekrönt ist.

Weitere Infos zum Feldforscher lesen Sie hier:

Der Feldforscher

  • Der Wackersdorfer Eduard Süß (58)

    ist einer von mehreren ehrenamtlichen Hobby-Archäologen, die im Landkreis Schwandorf nach Spuren aus der Vor- und Frühgeschichte suchen.

  • Weit über 100 000 Fundstücke

    hat der gelernte Grafiker in den vergangenen 35 Jahren in der Region schon zusammengetragen.

  • In loser Folge

    berichtet die Mittelbayerische Zeitung über aktuelle und besonders spektakuläre Funstücke und -orte.

Für die Urbevölkerung, sagt Eduard Süß, hatte die Lage am Pfahl mehrere Vorteile. Zum einen ließ sich aus den aufgeschlossenen Gesteinsschichten Ton für die Gebrauchskeramik gewinnen. Und auch das robuste Quarzgestein machten sich die frühen Siedler zunutze – und verwendeten sogenannte Klopfkugeln aus Quarzit als Universal-Werkzeug: um andere Steine damit in Form zu bringen, zum Zerkleinern von Nüssen oder Knochen, um an das begehrte Mark zu gelangen.

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