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Infrastruktur

Stadt bastelt an Plan B fürs Internet

Im Schwandorfer Süden warten die Bürger weiter auf schnelles Internet. Amplus rechnet noch heuer mit einer Inbetriebnahme.
Von Hubert Heinzl

Schnelles Internet ist für die Ortsteile im Süden Schwandorfs immer noch ein Wunschtraum. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Schnelles Internet ist für die Ortsteile im Süden Schwandorfs immer noch ein Wunschtraum. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Schwandorf.Nach monatelangen Verzögerungen, Verströstungen und Fristverlängerungen war es eigentlich soweit: Die Amplus AG aus Teisnach (Kreis Cham) kündigte an, bis Spätsommer 2017 schnelles Internet für bis zu 1100 Haushalte in Klardorf, Büchelkühn, Bubach und Waltenhof bereitzustellen. Das war Ende Mai 2017. Jetzt, ein halbes Jahr später, warten die Kundinnen und Kunden noch immer auf ihre Anschlüsse.

Den Verantwortlichen im Schwandorfer Rathaus, Oberbürgermeister Andreas Feller und Breitbandpatin Maria Schuierer, platzte der Kragen – bei einer eilig anberaumten Pressekonferenz erläuterten sie am Freitag den Stand der Dinge. Der Tenor: Zwar sind die Tiefbauarbeiten nach Angaben des OB inzwischen abgeschlossen, doch das letzte Zwischenstück, der Anschluss ans Netz, steht immer noch aus. In der letzten Mitteilung vom Oktober habe Amplus erklärt, dass man wegen der endgültigen Anbindung „immer noch von Dritten abhängig“ sei. Man werde sich melden, sobald man grünes Licht habe. Seither hat die Stadt in der Sache nichts Neues von dem Unternehmen gehört.

Amplus meldet sich per E-Mail

Auf eine E-Mail-Anfrage meldete sich Amplus am Freitagnachmittag allerdings bei unserem Medienhaus. Ein Sprecher erklärte, die geplante Inbetriebnahme sei durch die fehlende Hauptanbindung des Schwandorfer Netzes an das Hauptnetz, den sogenannten „Backbone“, verursacht worden. Erst am Donnerstag habe die Bayernwerk AG die nötige Verbindung hergestellt – ein Schritt, auf den Amplus „nur sehr wenig Einfluss“ gehabt habe. Nach Umschalt- und Programmierungsarbeiten, die in der kommenden Woche über die Bühne gehen sollen, rechnet das Teisnacher Unternehmen nun mit einer endgültigen Inbetriebnahme in der 50. Kalenderwoche, also noch in diesem Jahr.

Bei der Stadt war diese Aussage zur Pressekonferenz am Freitag noch nicht bekannt. Geläufig waren dem OB und Breitbandpatin Maria Schuierer dagegen die Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger. „Immer wieder wird berichtet, dass die Firma Amplus nur schwer zu erreichen ist“, sagte etwa Breitbandpatin Schuierer beim Pressegespräch. Verärgerung herrscht nach ihren Worten auch darüber, dass schon gekündigte Verträge mit früheren Anbietern jetzt wieder verlängert werden müssen. Die Leute hätten Angst, berichtet Schuierer, dass sie von heute auf morgen buchstäblich in der Luft hingen. „In mindestens einem Fall konnte ein Kunde plötzlich nicht einmal mehr telefonieren“, beklagt der OB.

Was also tun? „Die Stadt ist in der Pflicht, sich um die Bürger zu kümmern“, bekräftigt Oberbürgermeister Feller. Doch ganz so einfach ist das nicht. Regressforderungen können laut Breitbandpatin Schuierer nicht gestellt werden, denn es gibt zwar Vereinbarungen, dass die Stadt das Unternehmen bei offenen Fragen unterstützt, aber keinen schriftlichen Vertrag. Amplus handelt auf eigene Kosten. Und die Ankündigung des Unternehmens, das schnelle Internet im Stadtsüden aufzubauen, ist ein Versprechen, das sich nicht ohne weiteres einfordern lässt. „Das ist ein Schwachpunkt im Förderverfahren“, klagt Oberbürgermeister Feller. Amplus wiederum weist in seiner Antwort darauf hin, dass man sich bei der Umsetzung in der Dreijahresfrist bewege, die die offizielle Breitbandförderrichtlinie des Freistaats für eigenwirtschaftliche Projekte festlege.

Plan: erneute Markterkundung

Die Stadt hat sich gleichwohl einen Plan B überlegt für den Fall, dass sich das Amplus-Projekt noch weiter verzögern sollte: eine erneute Markterkundung. Innerhalb eines Monats sind jetzt die drei Anbieter, die in Schwandorf den Ausbau des Internets auf eigene Kosten betreiben, dazu angehalten, die aktuelle Versorgungslage und ihre Pläne offenzulegen. Neben Amplus sind noch der Amberger Anbieter Jobst DSLund die Telekom mit entsprechenden Angeboten angetreten. Beide hätten ihre Ankündigungen auch innerhalb der angekündigten Frist verwirklicht.

Auf dem Weg über die Markterkundung wird die Stadt auf jeden Fall eines gewinnen: die kompletten Daten über den aktuellen Ausbauzustand in der Stadt. Wenn diese vorliegen, könne man eventuell „noch einmal in die Förderung gehen“, sagt Schuierer. Das ist nach ihren Worten deshalb möglich, weil die Stadt die zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel noch nicht ausgeschöpft hat. Das weitere Vorgehen hängt jetzt vom Ergebnis der Sondierung ab – und davon, ob Amplus den vorerst letzten Termin für die Inbetriebnahme am Ende einhält.

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