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Städtedreieck: Pech für Eissportfreunde

Alles schien auf ein Wintervergnügen hinauszulaufen. Doch Experten warnen: Das Eis ist zu dünn, der Eislaufplatz gesperrt.
Von Thomas Rieke und Werner Artmann

Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth und Bauhof-Leiter Jürgen Stegerer entschieden nach einer Begehung mit Kollegen des Bauhofs, den Eislaufplatz zu sperren. Foto: Michael Hitzek
Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth und Bauhof-Leiter Jürgen Stegerer entschieden nach einer Begehung mit Kollegen des Bauhofs, den Eislaufplatz zu sperren. Foto: Michael Hitzek

BURGLENGENFELD.Freitagmorgen am Burglengenfelder Eisplatz. Ein Arbeiter zieht den Zollstock; das Eis wird gemessen. Ein halbes Dutzend Personen, darunter Bauhofleiter Jürgen Stegerer und Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth, schauen gespannt zu. „Sieben Zentimeter!“, ist das ernüchternde Ergebnis. Doch noch will man sich nicht auf ein Urteil festlegen; die Gruppe wagt sich weiter aufs Eis, in nördliche Richtung, wo es gewöhnlich dicker ist. Schon nach zwanzig Meter sind riesige Risse erkennbar. Als Gluth „zur Probe“ mit dem Fuß auf die Eisfläche stampft, ist nicht jedem wohl dabei. Verdächtiges Knacken ist zu hören...

Mit Maschine eingebrochen

Freitag gegen 9.15 Uhr, der Moment der Wahrheit: Ein Mitarbeiter des Burglengenfelder Bauhofs misst die Eisstärke. Sechs Zentimeter sind es vor dieser Zugangsrampe. An anderen Stellen sieht es nicht viel besser aus. Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth (links) und Bauhofchef Jürgen Stegerer (Mitte) beschließen darauf: Der Platz wird bis auf weiteres gesperrt! Foto: Rieke
Freitag gegen 9.15 Uhr, der Moment der Wahrheit: Ein Mitarbeiter des Burglengenfelder Bauhofs misst die Eisstärke. Sechs Zentimeter sind es vor dieser Zugangsrampe. An anderen Stellen sieht es nicht viel besser aus. Stadtwerke-Vorstand Friedrich Gluth (links) und Bauhofchef Jürgen Stegerer (Mitte) beschließen darauf: Der Platz wird bis auf weiteres gesperrt! Foto: Rieke

Stegerer und Gluth diskutieren nur kurz und kommen dann einmütig zu dem Ergebnis: Noch ist es nicht zu verantworten. Das Eis ist zu dünn. Nachdem am Wochenende die Temperaturen sogar wieder Plusgrade erreichen sollen, musste der Platz gesperrt werden. Damit erfahren all jene, die fürs Wochenende schon ihr Schlittschuhe und Eisstöcke aus dem Keller geholt hatten, einen herben Dämpfer. Am Mittwoch hatte es noch so ausgesehen, als würde dem Vergnügen auf Natureis nichts im Wege stehen. Wenige Tage nachdem Bauhofchef Stegerer die beiden 100 Meter langen Becken mit Wasser aus dem Wölland-Graben hatte fluten lassen, bildete sich eine Eisschicht; schon am Dienstag wagten sich erste Sportler aufs glatte Parkett.

Das Burglengenfelder Eis ist zerfurcht und von Rissen durchzogen. Foto: Rieke
Das Burglengenfelder Eis ist zerfurcht und von Rissen durchzogen. Foto: Rieke

Am Freitag sollte ein Team des Bauhofs das Eis präparieren, Schnee zur Seite schieben, Unebenheiten ausgleichen. Bald wurden die Arbeiter aber durch Risse verunsichert, und als einer der Kollegen samt Maschine einbrach, zogen sie die Reißleine. Das Wasser unter dem Eis hat eine Tiefe von maximal vierzig Zentimeter. Von „Lebensgefahr“ zu sprechen, erscheint deshalb in Burglengenfeld übertrieben. Anders die Situation im restlichen Städtedreieck bzw. Landkreis.

Mitglieder der Wasserwacht und der Feuerwehr untersuchten am Donnerstag die Beschaffenheit des Eises im Naturbad Höllohe. Foto: Artmann
Mitglieder der Wasserwacht und der Feuerwehr untersuchten am Donnerstag die Beschaffenheit des Eises im Naturbad Höllohe. Foto: Artmann

Alle Jahre machen es sich Wasserwacht und Feuerwehr zur Aufgabe, nach einer Frostperiode rechtzeitig die Eisdecke im Naturbad Höllohe zu prüfen. Dazu hatten sich am Donnerstag der technische Leiter der WW Teublitz, Markus Frey, WW-Vorsitzender Timothey Adkins, WW-Kreisvorsitzender Wolfgang Dantl, der Arzt der Kreiswasserwacht Schwandorf, Philipp Wolf, FFW-Kommandant Marco Feicht und Teublitz’ 2. Bürgermeister Robert Wutz eingefunden.

Tipps der Wasserwacht für Ersthelfer

  • Notsituation:

    Auch bei einem Eis-Unfall sollte man vor Ort Ruhe bewahren und über die Rufnummer 112 Hilfe rufen. Die Rettungsleitstelle informiert umgehend die Schnelleinsatzgruppen der Wasserwacht, die mit Eisrettungsschlitten, Bällen, Stangen und schwimmenden Tragen ausgerüstet sind.

  • Überbrückung:

    Bis die Einsatzkräfte vor Ort sind, sind Ersthelfer gefordert. Der Verunglückte muss schnell an Land geholt und gewärmt werden. Aber: Die Helfer müssen auch an sich denken. Der Einbruchstelle sollten sie sich nur liegend, mit ausgebreiteten Armen nähern, noch besser auf einer großflächigen Unterlage.

Frey hat Verständnis für alle jene, die jetzt darauf spekulieren, endlich wieder einmal auf Natureis Runden zu drehen oder gar ein Hockey-Match auszutragen. Aber auch er warnt eindringlich: „Im Moment ist es viel zu gefährlich!“ Die Gefahr einzubrechen, sei einfach viel zu groß, betont Wolfgang Dantl. Das Eis in der Höllohe maß am Freitag acht Zentimeter. Für Personengruppen sollte es mindestens zehn, besser jedoch 15 Zentimeter haben.

Bauhof-Mitarbeiter waren mit bestem Vorsatz angetreten, um alles für eine „fröhliche Eiszeit“ vorzubereiten. Doch die Natur hat sie ausgebremst. Foto: Rieke
Bauhof-Mitarbeiter waren mit bestem Vorsatz angetreten, um alles für eine „fröhliche Eiszeit“ vorzubereiten. Doch die Natur hat sie ausgebremst. Foto: Rieke

Die Verantwortlichen der Wasserwacht weisen auch darauf hin, dass man derzeit wegen der Schneedecke besonders schlecht erkennen kann, in welchem Zustand sich das Eis befindet. „Das ist extrem tückisch“, sagt Kommandant Feicht. Die weißen Flocken wirkten wie eine Isolierschicht und hielten den Frost vom Eis fern. Dadurch steige die Gefahr einzubrechen deutlich.

Es schnürt einem die Luft ab

Arzt Philipp Wolf hat, wie viele seiner Wasserwachtkameraden im Landkreis, den Notfall bereits selbst erprobt. Mit zwei Leinen gesichert, wurde eine Versuchsperson „versenkt“. „Da hat man das Gefühl, es schnürt einem die Luft ab, das ist sehr beklemmend“, wurde berichtet. Wenn das kalte Wasser an den Körper kommt, würden die Muskeln rasch ermüden, man könne sich nicht mehr bewegen. In dicker Winterkleidung sei es ohnehin besonders anstrengend, zu schwimmen. Selbstrettung sei also nahezu unmöglich. „In dieser Situation sinken die Überlebenschancen von Minute zu Minute“, bringt es Wolf auf den Punkt.

In den 1970er Jahren wurde das Burglengenfelder Eislaufgelände auch von Maschkerern genutzt. Foto: Archiv Stadt Burglengenfeld
In den 1970er Jahren wurde das Burglengenfelder Eislaufgelände auch von Maschkerern genutzt. Foto: Archiv Stadt Burglengenfeld

Noch ist nicht aller Tage Abend. „Wir werden die Lage weiter beobachten und melden umgehend, sobald wir wieder grünes Licht geben können für die Benutzung des Burglengenfelder Eislaufplatzes“, sagt Stadtwerke-Vorstand Gluth. Dann würden auf Anregung aus der Bevölkerung von 17 bis 22 Uhr auch die Lampen zwischen den Eisflächen eingeschaltet, damit auch in den Abendstunden Wintersport betrieben werden kann. Und für das erste Februar-Wochenende hat die WW-Ortsgruppe sogar eine Eis-Disko angekündigt.

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